Medienhaus oder Mainusch?

03.08.2018
Campus-News, Studium
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Das ehemalige Studierendenwohnheim Inter I soll zu einem Bürogebäude umgebaut werden.

Pläne für ein Medienhaus auf dem Campus gibt es schon seit fast einem Jahrzehnt. Begonnen haben die Bauarbeiten auf dem Campus jedoch bisher nicht.

Bauvorhaben deutlich verzögert

Bereits im Jahr 2012 kündigte die Johannes Gutenberg-Universität (JGU) ein neues Medienhaus an. Zwischen 2014 und 2016 sollte der Neubau errichtet werden. Die Universitätsleitung, der Oberbürgermeister der Stadt Mainz und die Landesregierung sprachen dem Projekt damals eine große Bedeutung zu, besonders im Hinblick auf den "Ausbau und die Weiterentwicklung des Medienstandorts Rheinland-Pfalz".

Im Rahmen des "Campus Construction Programs" sollten zwischen 2005 und 2020 auf dem Campus insgesamt 20 neue Gebäude entstehen und acht Umbauten durchgeführt werden. Dazu zählt beispielsweise die Hochschule für Musik, das Georg Forster-Gebäude oder das Max-Planck-Institut für Chemie. Das Bauvorhaben für das "Media Studies Center" scheint in diesem Zeitraum jedoch nicht mehr umsetzbar. Warum haben sich die Baumaßnahmen so sehr verzögert?

Bauherr des geplanten Medienhauses ist der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), der unter anderem Eigentümer des Haus Recht und Wirtschaft auf dem Campus ist. "Terminanpassungen" seien laut Claudia Renner, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf die Projekthistorie zurückzuführen. Die sei durch "besondere technische Anforderungen der Nutzung sowie Planungsstudien zur nutzungstechnischen und wirtschaftlichen Optimierung" geprägt.

Das Studierendenwohnheim Inter I wurde Ende März 2015 wegen des bevorstehenden Umbaus zum Medienhaus geschlossen. Aufgrund der Bauverzögerungen steht das Hochhaus aber weiterhin leer. Erst dieses Jahr kam es zum Abschluss der Baugrunduntersuchungen, auch im Bereich des Haus Mainusch. Dort stünden noch Untersuchungen auf Schadstoffe an, eine Terminfindung sei aber laut Renner noch schwierig [Stand: Juni 2018].

Medienzentrum auf dem Campus

Die Umsetzung des Bauvorhabens war ursprünglich in zwei Schritten angedacht: Zunächst sollte das ehemalige Wohnheim Inter I vollständig saniert werden, damit dort Büroräume eingerichtet werden können. Dafür waren 15,9 Millionen Euro veranschlagt. Zu Beginn der Planung war das Hochhaus wohl nicht als reines Bürogebäude angedacht – in der Pressemitteilung von 2012 ging man nämlich noch davon aus, neben den Büros auch Seminarräume und die Bibliothek in dem Gebäude unterbringen zu können.

Inzwischen ist jedoch bekannt geworden, dass vor allem in Hinblick auf die Raumhöhen alternative Nutzungen "nur mit Einschränkungen umgesetzt werden" können. Außerdem ist der Bedarf an Büroflächen sowohl seitens der JGU als auch der Hochschule Mainz laut Renner sehr hoch.

Aus diesem Grund sollte im zweiten Bauabschnitt das Technische Medienzentrum (TMZ) gegenüber dem Inter I auf der Fläche des Haus Mainusch errichtet werden. Hier sollen Produktions- und Seminarräume sowie mit moderner Technik ausgestattete Fernseh- und Hörfunkstudios Platz finden. Für den Neubau rechnete man offenbar mit 20,8 Millionen Euro. Noch im Juni konnte der LBB jedoch nicht bestätigen, ob diese Zahlen zu den Kosten weiterhin aktuell sind. Auch verlässliche Aussagen über den Baubeginn könne man laut Renner nicht treffen, dafür müsse erst die Entwurfsplanung abgeschlossen werden.

Zurzeit sind die meisten medienwissenschaftlichen Fächer fernab des Universitätsgeländes in der Stadt verstreut. Durch den Um- und Neubau könnten diese Studiengänge zentral auf dem Campus vereint werden. So könnten beispielsweise die Film- und Theaterwissenschaft, Medienpädagogik, Audiovisuelles Publizieren und Journalistik besser mit anderen Fächern zusammenarbeiten. Außerdem wären engere Kooperationen mit der Hochschule Mainz möglich, da in den Räumlichkeiten des Inter I und des Medientechnikhauses auch der Medienbereich Hochschule Platz finden soll.

Haus Mainusch hat Tradition

Angesichts dieser Planung müsste das Haus Mainusch dem Neubau bald weichen. Dabei befindet es sich als selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum schon seit 1988 auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zahlreiche Studierende bringen sich an diesem Ort ehrenamtlich ein und organisieren unter anderem Lesungen, Workshops und Partys. Während der Vorlesungszeit kochen verschiedene Teams mittags vegane Mahlzeiten. All diese Angebote können Interessierte auf Spendenbasis wahrnehmen. Auf seiner Homepage beschreibt sich das Haus Mainusch außerdem als Ort "frei von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Lookismus und Homophobie".

Im Jahr 2012 schloss die Universität mit dem Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Mainz (AStA) einen Mietvertrag von fünf Jahren über das Gebäude. Der Verein Unabhängiges Kommunikationszentrum der Uni Mainz (Haus Mainusch) galt seitdem als Untermieter. In der Zwischenzeit wurde der Vertrag von der JGU jedoch nicht verlängert und lief so Ende November 2017 aus. Wie es danach für das Haus Mainusch weitergehen sollte, blieb lange Zeit unklar. Die JGU gewährte dem Verein schließlich eine Duldung der weiteren Nutzung des Gebäudes, die ursprünglich bis 30. Juni 2018 galt.

Mitte Juni wurde dem Verein schließlich mitgeteilt, dass die Duldungsfrist erneut durch die JGU verlängert wurde – dieses Mal bis zum 30. November 2018. Laut Petra Giegerich kam es angesichts "der Verzögerungen beim Planungsfortschritt der Baumaßnahme 'Technisches Medienzentrum'" zu dieser Fristverlängerung. Wenige Wochen vor Auslaufen der Frist hatte das Team aber längst alle Veranstaltungsanfragen für die Folgemonate gezwungenermaßen abgelehnt. Folglich hat sich die prekäre Lage des Haus Mainusch noch weiter verschärft: Innerhalb kürzester Zeit galt es für die Ehrenamtlichen genügend Veranstaltungen zu organisieren, um über die daraus gewonnenen Spenden die Kassen zu füllen. In einem Facebook-Post kritisiert das Team jedoch nicht nur die prekäre finanzielle Lage: "Dieses ständige Bedrohungszenario blockiert und zermürbt uns. So brennen Menschen aus, so verschwinden heimlich und leise Orte der Kultur, Solidarität und Emanzipation."

In einer Online-Petition forderten Unterstützer des Haus Mainusch indes die Universitätsleitung, den Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz und den AStA der Uni Mainz auf, "sich für eine langfristige Nutzung des Hauses einzusetzen oder für einen adäquaten Ersatz zu sorgen". Die Petition wurde von über 2200 Menschen unterzeichnet, bevor sie Anfang Juli gestoppt wurde.

Gespräche auf Eis?

Auf die Frage, ob noch Gespräche mit dem Haus Mainusch laufen, weicht die JGU aus: Primärer Ansprechpartner der Universitätsleitung sei in dieser Angelegenheit nicht das Haus Mainusch, sondern der AStA. Der AStA und das Haus Mainusch bestätigten Ende Juni auf Anfrage, dass keine Gespräche über den Fortbestand des Hauses geführt würden.

Dazu erklärt der AStA, er vertrete im Allgemeinen die Interessen studentischer Initiativen gegenüber der Universitätsleitung. Jedoch halte er "die Forderungen, die die Petition enthält für nicht umsetzbar und vertritt diese daher nicht gegenüber der Universitätsleitung. Exemplarisch hierfür steht die Forderung 'ein frei stehendes Gebäude auf dem Zentralcampus, welches sofort zur Verfügung steht' für das Haus Mainusch zu finden. Ein solches Gebäude existiert nicht, daher ist eine solche Suche vergebens".

Das Haus Mainusch gibt an, dass "alle bisherigen Asten auf den Wunsch des Hauses eingegangen sind, die Verhandlungen direkt mit der Universitätsleitung zu führen, ohne sie als zwischengeschaltete Instanz. Das heißt der AStA war bei Gesprächen anwesend, hat aber die Verhandlungen in erster Linie den Menschen, die im Haus aktiv sind, überlassen." Das Verhältnis mit dem AStA 2017/18, dessen Koalition aus Jusos, RCDS und LHG im Juni 2018 wiedergewählt wurde, sei jedoch angespannt. "Was wir lediglich über Ecken an Informationen bekommen, ist, dass [2017/18] offenbar eine komplette Entsolidarisierung seitens der AStA-Koalition stattgefunden hat und dem Haus vorgeworfen wird, den Frieden auf dem Campus zu gefährden und die Unileitung für die eigenen Ziele einzuspannen."

Geplantes Studihaus als Alternative?

Im Übrigen sei die Universitätsleitung mit dem AStA im Gespräch über die mögliche Errichtung eines zusätzlichen Gebäudes für studentische Aktivitäten, so Petra Giegerich. Solch ein Studihaus würde beispielsweise Hochschulgruppen und deren Aktivitäten Platz bieten, denen momentan keine Räumlichkeiten zur Verfügung steht. Das Anliegen hat die JGU gemeinsam mit dem AStA auch dem Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur vorgetragen, wo es noch zur Entscheidung vorliegt.

Ob und in welchem Umfang in einem solchen Gebäude der Verein Unabhängiges Kommunikationszentrum an der Uni Mainz Platz finden wird, sei laut Pressestelle der JGU Entscheidung des AStAs. Dieser gibt an, dass es bisher keine konkrete Planung zur Raumvergabe in einem Studihaus gebe. Allerdings sei ein Veranstaltungsraum vorgesehen, dessen Nutzung allen studentischen Initiativen offenstehen soll, "ohne jedoch eine bestimme Gruppe zu bevorzugen".

Doch zieht der Verein das geplante Studihaus überhaupt als Alternative zu dem Haus im Staudingerweg in Betracht? Man begrüße das Projekt für andere Hochschulgruppen, jedoch sei man darüber bisher nicht informiert worden und habe es deshalb nicht auf das Haus Mainusch bezogen: "Dadurch, dass wir nichts über die Pläne wissen und deshalb auch nicht wissen, was die Konditionen sind, können wir diese Frage nicht klar beantworten." Vermutlich könnte ein Umzug des unabhängigen Kultur- und Kommunikationszentrums eben diese Unabhängigkeit aber maßgeblich verändern. Gegebenenfalls müsste man sich im Hinblick auf Räumlichkeiten und Veranstaltungen mit anderen studentischen Gruppen arrangieren. Das neue Medienzentrum auf dem Campus lässt also weiterhin auf sich warten.

Die Galgenfrist für das Haus Mainusch wurde daher erneut verlängert. So können die Unterstützerinnen und Unterstützer für einen kurzen Moment aufatmen. Es bleibt offen, ob die Beteiligten bis November zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werden.

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