Mainzer Student rappt über Onlinesemester an der JGU

23.06.2020
Freizeit
lki

Maxømøa beschwert sich in seinem Song "Onlinesemester" darüber, dass die Server an der JGU besonders zu Beginn des digitalen Semesters überlastet, der Workload viel zu hoch und das Homeoffice frustrierend seien. ©Maxømøa

Der Rapper Maxømøa studiert an der JGU Mainz und hat zu Beginn des Semesters den Song "Onlinesemester" veröffentlicht. Wie sich sein Studium verändert hat und was er vermisst, verrät er im Interview.

Sven Brellochs, Künstlername "Maxømøa", ist 27, studiert im fünften Semester Deutsch und Englisch auf Lehramt an der JGU Mainz und widmet sich nebenher seinem langjährigen Hobby, dem Rappen und den Beats. Nun beschwert er sich in seinem Song "Onlinesemester" über die anfänglichen Startschwierigkeiten im Homeoffice.

"Ich bin nicht auf dem Campus, ich moodle jetzt"

Diese Zeilen aus "Onlinesemester" verweisen auf die durch die Corona-Pandemie verursachte Maßnahme (campus-mainz.net berichtete), nun in den eigenen vier Wänden statt auf dem Campus zu studieren, und die JGU-Anwendung Moodle (campus-mainz.net berichtete), die nun mehr genutzt wird. In enger Anlehnung an einen bekannten Werbeslogan eines Datingportals heißt es weiter: "Oder auf ILIAS, dem Reader – alles wird schwerer, alle elf Minuten verzweifelt ein Student grad an den Servern." 

Am Anfang des digitalen Semesters ging im Homeoffice "alles drunter und drüber", erinnert Maxømøa sich. Das hing v.a. damit zusammen, dass die Server der neuen JGU-Anwendungen größtenteils überlastet waren, man dort allerdings trotzdem Abgaben und Diskussionsbeiträge hochladen sollte. Aus seiner Sicht begünstigen die vielen Neuzugänge der JGU das "sehr anstrengende und lästige" Springen zwischen den einzelnen Plattformen und den erhöhten Workload. Denn zu den Onlinekonferenzen kommen oftmals Referate, Gruppenarbeiten und Aufgaben hinzu, sodass sich die Semesterwochenstunden über das eigentliche Selbststudium hinaus summieren.

In seinen Augen sei nicht automatisch jedes Veranstaltungsformat digitalisierbar: Zwar funktionieren Vorlesungen laut ihm online besser, Seminare würden jedoch darunter leiden, da sich Diskussionen schwieriger gestalten lassen und Inhalte, beispielsweise in den Literaturwissenschaften, nicht ausreichend behandelt würden. Das vorausgesetzte Lektürepensum sei darüber hinaus auch viel besser in Präsenzveranstaltungen abzuarbeiten und aufzubereiten, da der Austausch von Lehrenden und Studierenden nicht durch einen Bildschirm unterbrochen werde.

Zu Beginn sei der Song nur für ihn selbst gedacht gewesen, berichtet Maxømøa. Allerdings habe er im Song die Chance gesehen, andere damit zu erreichen, um die aktuelle "Situation mit Humor zu sehen" und den eigenen Frust zu bewältigen. Sein Song versuche v.a. diese Stimmung einzufangen, denn die Einschränkungen würden schließlich die meisten Studierenden betreffen und müssten thematisiert werden.

"Onlinesemester at its best"

Er selbst sieht den Song als "Momentaufnahme". Während er anfangs kaum im Homeoffice zurechtkam, hätten sich die Umstände mit der Zeit gebessert. "Scharfe Kritik" an den Maßnahmen der JGU als Ganzes habe er nicht üben wollen, denn wie einzelne Veranstaltungen organisiert werden, hänge vielmehr von einzelnen Lehrenden ab. Letzten Endes gewöhne man sich ein Stück weit an die jetzige Ausnahmesituation.

Dem digitalen Semester kann er trotz der anfänglichen Umstellung etwas abgewinnen. Besonders die neue Plattform Moodle schätzt er mehr als das bisher übliche ILIAS. Er selbst sei sowieso "gern mal zuhause" und findet, dass man im Homeoffice sogar produktiver arbeiten könne. So schreibe er Essay über Essay und lese noch einen Text und nutze das "Onlinesemester at its best". Für ihn fühlt sich das Studieren von zuhause aus mehr "wie zu Zeiten vom Abi" an, als er noch mit Videos von "The Simple Club" auf YouTube lernte.

Für all diejenigen, die nach wie vor Schwierigkeiten haben, sich in den eigenen vier Wänden zu Onlinevorlesungen zu motivieren, empfiehlt Maxømøa, sich mit Kalendern und entsprechenden Apps zu organisieren. Er selbst sei zwar "nicht der organisierteste Mensch", aber insbesondere dieses Semester verlange einem noch mehr Selbstorganisation und Zeitmanagement ab, als es bei Präsenzlehre der Fall gewesen sei. Sein Rat an alle ist ein durchweg entspannender: Meditation habe er zwar erst dieses Semester für sich entdeckt, es helfe aber mehr, als man denkt.

Für das kommende Semester schlägt er vor, die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen vor Ort als freiwillig anzubieten und die Onlinelehre weiter verpflichtend beizubehalten. Somit könne man für sich selbst entscheiden, ob man den Campus wirklich aufsuchen möchte, da nur dieser einem das "Feeling, Student zu sein" gebe. Eine solche Mischung digitaler und analoger Formate ist laut einer Rundmail der Universitätsleitung vom 12. Juni tatsächlich für den Lehrbetrieb im Wintersemester 2020/21 geplant (campus-mainz.net berichtete).

Wie sich Musik mit Uni vereinen lässt

Bereits vor 14 Jahren hatte er den Hang zu Rapmusik entwickelt, vor sechs Jahren kam das Interesse für Beats hinzu. Inspiriert hat ihn dazu ein Freund, der ebenfalls rappen konnte. Inzwischen produziert Maxømøa seine Raps und Beats seit zwei Jahren professionell, doch das brauche viel Zeit: "Ein bis zwei Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – da hat man kein Frei", resümiert Maxømøa. Rapsongs und Beats zu produzieren, sei ein sehr teures und v.a. zeitintensives Hobby, das er mit der Uni zu vereinen versucht. Seit neuestem ist er auf BeatStars unterwegs, einer Plattform, auf der Kreativschaffende ihre Beats hochladen und andere diese erwerben können. Zwar verdiene er damit noch kein Geld, wenn sich dies aber in naher Zukunft ermögliche, so "wäre das natürlich schön". Zu Zeiten von Corona habe er allerdings eher damit gerechnet, mehr Popularität zu generieren, "da man als Konsument mehr Zeit hat". Stattdessen gehen seine Klickzahlen viel eher zurück. Zurzeit sei es sein Ziel, mindestens einen Beat pro Woche zu produzieren und herauszubringen. Erst am 30. Mai ist seine EP "Home Cooking" erschienen.

Was hinter dem Namen "Maxømøa" steckt

Mit 13 Jahren stand Rap bereits auf seiner Agenda, vor zwei Jahren war es dann Zeit für einen Neuanfang. Frühere Künstlernamen gab er für seinen jetzigen auf, der abgeleitet von der englischen Phrase "Make some more" ist. Die Wahl fiel auf Maxømøa, da er für die eigene Motivation stehe, "immer weiter zu machen und auch weiterhin zu produzieren". Der dänische Buchstabe ø solle dabei nicht wie im Dänischen ausgesprochen werden, sondern verleihe dem Namen vielmehr besondere Aufmerksamkeit.

Seine Rapsongs und Beats leitet er mit "Shit, it’s Max" ein. Dieses Intro, im Fachjargon Beattag, sei von früheren Freestyles inspiriert und diene v.a. als Wasserzeichen seiner eigenen Produktionen. Eingesprochen wurde der Satz von einem guten Freund aus Mexiko, den Maxømøa über Instagram kennengelernt hat. Mit diesem habe er eine tiefgreifende "Connection", denn er ist das Feature auf seinem erst kürzlich erst erschienenen Song "Broken Promises".

Deutsche vs. englische Raps

Zu Beginn rappte Maxømøa auf Deutsch. Freunde, die er durch Instagram kennengelernt hat, hätten ihm vor zwei Jahren dazu geraten, künftig auch auf Englisch zu rappen, da es "besser fürs Marketing" und "cooler" sei. Eine "gute Übung" sei es auf jeden Fall, es mache ihm auch "echt Spaß", auch wenn es eine "echte Herausforderung" sei. Besonders sein Spoken-English-Kurs im Rahmen seines Studiums habe ihm geholfen, seinen Akzent so gut wie möglich zu verschleiern. Maxømøa fühlt sich allerdings wohler, auf Deutsch zu rappen. Auch weil es seine Muttersprache ist, "fühlt man es einfach viel mehr". Außerdem sei laut ihm Deutsch im Vergleich zum Englischen "lyrisch stärker". Seine neueste Single "No BS" spiegelt das ebenfalls wider: Zwar hat sie ein englisches Feature von Obi-Don, aber er selbst hat sich in seinen Zeilen fast ausschließlich der deutschen Sprache verschrieben.

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