Kunstprojekt "Imaginationsräume auf dem Campus"

03.06.2022
Freizeit
klb

Anstelle der "Schwangeren Auster" in Berlin spiegelt sich die "Muschel" in einem Wasserbecken mit Skulptur.

Das Hörsaalgebäude, auch "Muschel" genannt.

Wer aus einer bestimmten Perspektive vor der "NatFak" hoch sieht, könnte meinen, er stehe vor einem Wolkenkratzer in einer großen Metropole.

Die Schwarz-Weiß Aufnahmen verstärken den Eindruck des Verschwimmens zwischen Imagination und Wirklichkeit.

Das Gebäude der Naturwissenschaftlichen Fakultät ("NatFak") mit der Muschel im Vordergrund.

Bei dem Anblick des Abgusses der Moses-Skulptur von Michelangelo in der GFG-Bibliothek vereinen sich Renaissance und Gegenwart.

Der Abguss von Michelangelos Moses-Skulptur in der GFG-Bibliothek.

Die Fassade der Biozentren verwandelt sich mit ein bisschen Fantasie in ein abstraktes Gemälde à la Mondrian.

Der Blick auf die Fassade eines der Biozentren.

Der Blick in den Botanischen Garten im impressionistischen Stil.

Der träumerische Blick in den Botanischen Garten aus dem Holzpavillion.

Stell dir vor, du bist auf dem Campus und gleichzeitig an einem anderen Ort… Diese Vorstellung war der Antrieb zu meinem Kunstprojekt, bei dem ich mich mit einer künstlerischen Umsetzung von Motiven und Gebäuden auf dem Campus im Rahmen eines Praktikums bei Campus Mainz beschäftigt habe. Ich bin Kim, studiere Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Kunst ist theoretisch sowie praktisch schon lange eine Leidenschaft von mir. Bei dem Praktikum in der Redaktion von Campus Mainz konnte ich beide Aspekte miteinander verbinden.

Kunst(geschichte) trifft Campus

Mit einem besonderen Blick über den Campus gehen, ist vielleicht eine Folge meines Studiums der Kunstgeschichte an der JGU. Schon die Ausstellung “Wissen schafft Raum“, welche erst vor kurzem auf dem Campus zu sehen war, hat die architektonischen Qualitäten des Campus demonstriert. Viele Orte und Gebäude besitzen einen Bezug zu unmittelbaren Vorbildern und legen den historischen Kontext auf direkte und indirekte Weise offen. Das Projekt ist vor diesem Hintergrund mit dem Anspruch entstanden, genau diese Verbindung herzustellen. In verschiedenen Stilen und unter Verwendung von verschiedenen Techniken und Materialien werden ausgewählte Motive neu kontextualisiert und unter dem Motto “Imaginationsräume“ wiedergegeben.

Wasserwelt

Im ersten Bild tritt das Hörsaalgebäude, welches auch hauptsächlich durch sein äußeres Erscheinungsbild als “Muschel“ bekannt ist, anstelle der früheren Kongresshalle (Heute das “Haus der Kulturen“) in Berlin. Das Berliner Gebäude, ebenfalls aufgrund seiner Optik als “Schwangere Auster“ bezeichnet, gilt als architektonisches Vorbild zur Muschel. Diese wurde zur Zeit der Nachkriegsmoderne unter dem Architekten Lothar Leonhards errichtet. Der Blick im Bild fällt nun jedoch nicht mehr auf die Schwangere Auster, sondern auf einen betongrauen Bau mit dreischenkligem Grundriss und runder Dachverschalung. Seine Fassade spiegelt sich in einem Wasserbecken mit Skulptur. Wasser zeigt sich hier als das verbindende Element: sowohl die organische Form der Muschel, als auch ihre Spiegelung und die Aquarelltechnik, mit der hier gearbeitet wurde, zeigen diese Verbindung. Gleichzeitig schafft die Kulisse eine romantische Atmosphäre und lädt zum Träumen ein, fernab von der eigentlichen betongrauen Umgebung.

American Dream

Wer sich mit der Muschel beschäftigt, kommt auch an der naturwissenschaftlichen Fakultät (kurz „NatFak“) nicht vorbei. Leonhards dachte sich die Gebäude wohl als „Ensemble“ und schuf mit ihren gegensätzlichen Ausführungen ein spannendes Verhältnis zwischen den Baukörpern. Im Gegensatz zur Muschel wirkt die NatFak mit ihrer Skelett-Konstruktion aus Stahlbeton aufgrund der vielen Fensteröffnungen leicht und ragt in die Höhe. Architektonische Vorbilder für diese hochmoderne Gebäudekonstruktion finden sich in großen amerikanischen Metropolen, wie bspw. in New York oder Chicago. Die Architekturfotografien verstärken genau diesen Effekt: Je nach Perspektive und Standpunkt entsteht der Eindruck, man stehe vor einem Hochhaus inmitten einer Großstadt. Zusätzlich lassen die Aufnahmen in Schwarz-Weiß die Grenze zwischen Imagination und Wirklichkeit verschwimmen.

Renaissance

Wer sich bei Kälte im Winter oder bei Hitze im Sommer einen angesagten Platz in der angenehm temperierten Bereichsbibliothek des Georg-Forster-Gebäudes ergattert hat, ist ihm bestimmt schon einmal begegnet: dem Moses von Michelangelo. Die Statue thront über den aufgereihten Bücherregalen auf einem Podest im Zentrum der Bibliothek. Bei der Skulptur handelt es sich um einen Abguss des Originals, welches von Michelangelo zwischen 1513 und 1516 aus Marmor für die Kirche San Pietro in Vincoli in Rom geschaffen wurde und als Teil des Juliusgrabmals gedacht war. Seit 2013 in der Bibliothek des GFGs aufgestellt, vereint die Statue die Werte der Geistes- und Sozialwissenschaften, die dort ansässig sind. Durch eine Zeichnung mit Tusche und Aquarell, wie sie schon in der italienischen Renaissance zu Studienzwecken eingesetzt wurde, wird das Motiv wieder mit seinem eigentlichen Standort vereint und es entsteht eine interessante Kulisse zwischen Renaissance und Gegenwart.

Abstraktion

Im Südwesten des Campus vermitteln die zwei Bauten des neuen Biozentrums mit ihren “formsprechenden“ Fassaden einen mehrdeutigen Eindruck. Die Gebäude wurden zum Ausbau des Forschungsstandortes an der JGU errichtet und leisten mit ihrer architektonischen Umsetzung einen visionären Beitrag. Um die kubisch strengen Körper legen sich durchkomponierte Fassaden, bestehend aus vertikalen beigen Klinkerbauwänden mit horizontalen Fensterbändern, die in ihrer Formsprache an Moderne Kunst erinnern. In ihrer Gesamtansicht wird das Bild einer Komposition mit Linien, Rechtecken und Quadraten vermittelt und Assoziationen mit den Bildern bspw. von Piet Mondrian erweckt. Mit ein bisschen Fantasie sieht man also nicht nur auf ein Gebäude, sondern betrachtet auch ein abstraktes Gemälde, wie es hier auf Leinwand zu sehen ist.

Impression

Der Botanische Garten lädt auf dem Campus zwischen Vorlesungen und Seminaren mit seinen ruhigen Plätzen zur Erholung ein. Der Blick aus dem Holzpavillion in den Garten, welcher in dem Ölgemälde festgehalten wurde, hätte auch der von Claude Monet um 1900 in seinen Garten in Giverny gewesen sein können. Mit einer impressionistischen Malweise verlieh der französische Künstler seinen Empfindungen von Licht und Atmosphäre Ausdruck und betonte damit das Augenblickliche in dem Motiv. Das Gemälde zeigt, wie der abwechselnde Einfall von Licht und Schatten ein prächtiges Farbenspiel in dem sommerlichen Korridor kreiert. Für einen Augenblick begeben auch wir uns mit unserem Besuch hier auf die Spuren des Künstlers und tauchen in die Welt der “Impression“ ein.

 

Das Projekt konnte hoffentlich zeigen, dass der Campus Mainz nicht nur ein Ort für Studium und Lehre ist, sondern auch auf vielfältige Weise rezipiert werden kann. Ob in einem Aquarellbild, einer Zeichnung, einer Fotografie, mit Acryl auf Leinwand oder einem Ölgemälde – die verschiedenen Orte werden zu perfekten “Imaginationsräumen“. Der künstlerische Exkurs hat hoffentlich einige Anregungen gegeben und Lust gemacht, ein eigenes Bild vom Campus zu kreieren. Viel Spaß!

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