Kritik an Präsenzklausuren trotz Pandemie

26.01.2021
Studium
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Bereits im Sommersemester 2020 wurden u. a. Zelte aufgestellt, um einige Prüfungen auf dem Campus abzuhalten. Auch im Wintersemester 2020/21 setzt die JGU wieder auf Prüfungen vor Ort. Dies trifft bei vielen auf Unverständnis.

Die JGU Mainz hat sich dazu entschieden, viele der anstehenden Klausuren vor Ort stattfinden zu lassen. Eine Petition fordert nun, alle Prüfungen ausschließlich online durchzuführen.

Angesichts der aktuellen Infektionszahlen bleibt die JGU vorerst bis zum 14. Februar 2021 im Notbetrieb (campus-mainz.net berichtete). Die 15. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz ermöglicht der Universität jedoch, Präsenzprüfungen auf dem Campus durchzuführen.

Präsenzklausuren sind in allen Fachbereichen geplant, insgesamt 188 mit 5121 Teilnehmenden, so die Universität auf Anfrage des Podcasts "Lage der Nation". Das Dezernat Hochschulentwicklung informierte Studierende am 13. Januar 2021 per E-Mail, dass Präsenzklausuren als "beruflicher Grund" gelten, um den eingeschränkten Bewegungsradius von 15 Kilometern bei hohen Inzidenzwerten zu durchbrechen.

Petition äußert Unverständnis

Am 16. Januar, wenige Tage nach der E-Mail des Dezernates Hochschulentwicklung, wurde eine Onlinepetition gestartet, die sich gegen die Präsenzklausuren ausspricht. Die Initiatorin Judith Straub fordert von der JGU-Leitung, alle Prüfungen ausschließlich online durchzuführen. Die Petition hat mit über 2500 Unterstützenden bereits ihr Sammelziel erreicht, läuft allerdings noch bis Sonntag, den 31. Januar. Danach wird sie bei der Universität eingereicht und das Gespräch gesucht. Die Forderung wird u. a. vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der JGU unterstützt.

Das Anliegen wird in erster Linie damit begründet, dass die Klausuren den aktuellen Maßnahmen des Lockdowns zuwiderlaufen und das Infektionsrisiko für die Anwesenden und andere erhöhen. Darüber hinaus seien wegen des Onlinesemesters etliche Studierende nicht nach Mainz gezogen und müssten nun am Klausurtag extra mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

In der Petition heißt es weiter, es drohe "die Überschreitung der Regelstudienzeit mit den entsprechenden Konsequenzen für den BAföG-Bezug". Allerdings hat das Wissenschaftsministerium in Rheinland-Pfalz bereits im Dezember entschieden, dass für das laufende Wintersemester 2020/21 die Förderungshöchstdauer weiter ausgesetzt bleibt. Damit können auch Studierende, die aktuell ihre Regelstudienzeit überschreiten, weiter BAföG beziehen.

Die Petition bemängelt zudem, dass die Teilnahme an "etlichen" Lehrveranstaltungen "nachträglich überflüssig" werde, da diese Kurse für eine spätere Prüfung wiederholt werden müssten. Studierende, die am Klausurtag mit Symptomen aufwachen, seien außerdem vor ein moralisches Dilemma gestellt: Entweder nehme man sicherheitshalber den Fehlversuch und ein verlängertes Studium in Kauf oder man schreibe die Klausur trotzdem mit, in der Hoffnung, es handle sich nicht um Corona. 

Die JGU weist unterdessen ausdrücklich darauf hin, dass die Prüfung nicht angetreten werden darf, wenn zuvor Symptome auftreten, die auf eine Covid-19-Infektion hindeuten. Auch bei entsprechenden Symptomen während der Prüfung könnten Studierende die Prüfung ohne einen Fehlversuch abbrechen, sofern ein Attest vom Amtsarzt nachgereicht werde.

JGU verteidigt die eigene Prüfungsstrategie

JGU-Präsident Dr. Georg Krausch betonte im Voraus, dass die Präsenzprüfungen "als Angebot im Interesse der Studierenden" zu verstehen sind. Während der Klausuren gilt eine Maskenpflicht, auch darüber hinaus sind etwaige Hygienemaßnahmen und eine Kontaktnachverfolgung per QR-Code vorgesehen. Studierende könnten frei entscheiden, ob sie an den Klausuren teilnehmen möchten oder nicht. Eine Abmeldung von den Klausuren sei "ohne Nachteile" bis zu 48 Stunden vor dem Prüfungstermin möglich. Die Studienleistung müsse jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, wodurch es zu einer längeren Studienzeit kommen könne.

Darüber hinaus bietet die JGU Studierenden, die Teil einer Risikogruppe sind oder mit Angehörigen einer Risikogruppe zusammenleben, nach eigenen Angaben Alternativen an: Die Betroffenen könnten sich demnach an den Prüfungsausschuss wenden und dort "eine Erbringung gleichwertiger Studien- und Prüfungsleistungen in anderer Form bzw. einem anderen Prüfungsformat beantragen". Auch eigene Räume seien ggf. für die Prüfung der Betroffenen möglich.

Die Universität argumentiert allerdings auch, dass die Klausuren nicht in die Zeit nach dem Lockdown verschoben werden könnten, da viele Studierende in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren.  

Computer-Klausuren auf dem Campus

Kritische Stimmen an der Strategie der JGU werden auch außerhalb der Petition laut. Eine Mainzer Medizinstudentin berichtet von Klausuren, die normalerweise am Computer in der Universität geschrieben werden würden, aktuell jedoch trotzdem nicht als Take-Home Klausur vorgesehen seien. Aufgrund der fehlenden Hygieneanforderungen des Computerraumes müssten die Prüfungen im Gegenteil sogar ausgedruckt werden, um sie in einem anderen Raum schreiben zu können.

Die Studentin weist ebenfalls auf ein mögliches Szenario hin, das eintreten könne, wenn ein:e Infizierte:r bei einer Klausur festgestellt wird. Die anschließende Quarantäne führe möglicherweise für anwesende Studierende dazu, dass sie von den noch anstehenden Klausuren ausgeschlossen würden. Das sei "ein gefährlicher Anreiz, sich nicht testen zu lassen".

Auch der AStA fordert unterdessen Rücksicht auf diejenigen, die einerseits eine Ansteckung fürchten und andererseits im Lehrbetrieb mithalten müssen: "Wir haben Angst, uns anzustecken, und wir haben Angst, abgehängt zu werden."

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