Joachim Gauck wird Inhaber der Stiftungsprofessur 2020

28.11.2019
Campus-News
jsc

Im Mai 2018 war er schon mal an der JGU Mainz, nun kommt er mit einem umfangreicheren Programm zurück: Joachim Gauck wird neuer Inhaber der Stiftungsprofessur im Jahr 2020.

Helmut Rüttgen (links) und Prof. Dr. Cornelis Menke (rechts) verkündeten am 27. November, dass der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck im Sommersemester 2020 die von ihnen organisierte Stiftungsprofessur innehaben wird.

Im Sommersemester 2020 wird der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck als 21. Stiftungsprofessor die Vorlesungsreihe "Demokratie in Frage" leiten.

Unter dem Thema "Demokratie in Frage" werden der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck und weitere Redner:innen für das Studium Generale im Sommersemester 2020 aktuelle politische Entwicklungen im Ausland, etwa in China, aber auch die Gefahren durch Populismus und Autoritarismus beleuchten. Auch Herausforderungen der Demokratie durch die Digitalisierung und den Klimawandel stehen auf dem Programm. Diskutiert wird dabei die Frage, "welche Stellung und welche Zukunftsperspektiven die westliche liberale Demokratie hat", so Prof. Dr. Cornelis Menke. Er leitet das Studium Generale und ist im Vorstand der Stiftung tätig, die die Stiftungsprofessur mitbestimmt.

“Wir freuen uns sehr, mit Bundespräsident außer Dienst Joachim Gauck eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens als Stiftungsprofessor gewonnen zu haben, der für Themen wie Toleranz, Freiheit und Verantwortung steht und mit diesen Themen als Bundespräsident, aber auch davor und danach die gesellschaftlichen Debatten mitgeprägt hat", verkündete Menke auf einer Pressekonferenz am 27. November. Als Theologe, Mitbegründer des Neuen Forums im Jahr 1989, Politiker und elfter Bundespräsident von 2012 bis 2017 setze sich Joachim Gauck seit Langem gegen die Diktatur, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Seit 2017 ist er Ehrenvorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.".

Von den zehn Vorlesungen der Reihe "Demokratie in Frage" werde Gauck drei selbst halten und bei einigen weiteren zu Gast sein, so Menke. Allerdings werde es auch Gastvorträge ohne Gauck geben. Zurzeit wird noch nicht bekanntgegeben, um wen es sich bei den anderen Redner:innen handelt. Alle Veranstaltungen werden dienstagabends als einstündiger Vortrag mit anschließender Diskussionsmöglichkeit in Form eines Kolloquiums stattfinden. "Zehn Termine erlauben, relativ tief in Gebiete einzusteigen. Das ist etwas anderes als ein Abendvortrag", sagt Menke. Somit sei es auch möglich, die Entwicklung der Demokratie aus juristischer und ökonomischer Perspektive zu beleuchten.

Der Fokus auf die "Demokratie in Frage" habe sich nach Menke auch dadurch ergeben, dass das westliche liberale Demokratiemodell heute nicht mehr wie noch nach dem Kalten Krieg als unumstößliche Zukunftsvision gelte. Es sei etwas, "was uns heute, gerade in den letzten Jahren, nicht mehr so selbstverständlich zu sein scheint wie vor zehn, 15 Jahren", so Menke.

Viel organisatorische Vorarbeit

Helmut Rüttgen, der Vorsitzende der Freunde der Mainzer Universität, die die Stiftungsprofessur mitorgansieren, gibt auf der Pressekonferenz auch einen Einblick in die organisatorische Vorarbeit, um den renommierten Amtsträger von der Arbeit an der JGU Mainz zu überzeugen: "Das ist kein Selbstgänger, das ist eine Menge an Abstimmung."

Die erste Idee, Joachim Gauck für die Vorlesungsreihe gewinnen zu wollen, ergab sich im Sommer 2018: Damals hatte der ehemalige Bundespräsident die Abschlussveranstaltung von Prof. Herfried Münklers Stiftungsprofessur moderiert (campus-mainz.net berichtete). "Daher kennt er uns, dadurch hatten wir einen Zugang nach der Stiftungsprofessur von Prof. Münkler zu ihm", so Rüttgen.

Auf das Thema habe man sich gemeinsam mit Gauck verständigt. Die Konzeption stamme zwar von Gauck, allerdings habe etwa auch Dr. Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte an der JGU Mainz, maßgeblich an der weiteren Koordination der Reihe mitgewirkt, so Menke.

Das Budget der Stiftungsprofessur, mit dem unter anderem Gaucks Engagement finanziert wird, ergibt sich nach Rüttgen aus den Beiträgen der knapp 1000 Mitglieder der "Freunde der Mainzer Universität e.V.", den Spenden, die bei dem Verein eingehen und einem jährlichen, großangelegten Spendenabend, der am 26. April stattfindet.

Zahlreiche Themenfelder und Interessierte

Mit den verschiedenen fachlichen Schwerpunkten erreichen die Organisator:innen der Vorlesungsreihen jedes Jahr etwa 8000 Zuhörer:innen. Für Prof. Dr. Menke ist dies ein Zeichen erfolgreicher Wissenschaftskommunikation. Allerdings wurde diese hohe Marke auch schon geknackt: "In der Spitze, wenn es sehr bekannte Leute sind, hatten wir schon 1000 Leute und haben teilweise diese Vorträge in Nebenräume übertragen müssen, weil so viele Besucher dort waren", erzählt Helmut Rüttgen.

Auch im Sommersemester ist solch ein Andrang denkbar. Die Stiftung kann damit ihrem Ziel, "eine lebendige Verbindung zwischen Universität und Bevölkerung, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu pflegen" ein Stück näherkommen.

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