Ja ist denn schon wieder Buch-Fluch-Zeit?

30.09.2019
Studium, Masterkolumne...
cbu

Sich nur im Schein der Recherchelaterne einem Thema von gebirgsmassivischem Ausmaß zu nähern – das ist die Krux des Schreiberlings.

Die Vorfreude auf den Semesterbeginn klirrt schon zwischen den Bier- und Weinflaschen, der Soundcheck der SÖF Boxen hallt über den Campus. Die ganze Studierendenschaft ist freudig erregt.

Die Ganze? Nein! Einige wenige tigern in der Schweißminute ihrer Hausarbeiten durch die Bibliotheken.

 

 

 

 

Eine lyrische Momentaufnahme

Hausarbeiten wollen geschrieben werden
Quellen meistens auch gefunden
Bücher lang breit groß gebunden
Leben in Bibs zu Hauf als Herden

Mit Laptop, Wasser und Kampfesgeist
Betrete ich die Wissenshallen
Aus lauter Welt bin ich gefallen
In Räume, wo der Lärm verwaist

Ich suche nach KL Strich 3 Quadrat Punkt 4
Viele Bücher tuscheln leise
Bunte Rücken wispern weise
Und schon steh' ich wieder hier
Doch gefunden hab ich's nicht

Das Licht strahlt schal von oben
Vor dem angeblich richtigen Regal
Dem Buch, scheint mir, ist das egal
Ich bin bloß hoch gestreckt und tief gebogen
Doch gefunden hab ich's nicht

Mir ist, als wär' ich hier schon gewesen
Tastenklappern füllt nervös die Luft
Blicke sagen: "Setz dich, Schuft"
Ein Wachkopf regt sich leicht am Tresen
Doch finden kann ich's nicht

Ich such' ein Buch, wie ihr das Bernsteinzimmer
Versteckt, vergraben, geklaut, imaginär
Das gibt's doch nicht, das ist nicht fair
Meine Schweißperlen zittern immer schlimmer
Doch sehen kann ich's nimmer

Bin ich dumm und oder gar blind
Die Nummer habe ich klar notiert
Hat die Enigma mich chiffriert
Das schafft normal auch jedes Kind
ZEIG DICH BUCH, KOMM HER, GESCHWIND

Haare rauf ich und die Augen tränen
Wär' das Buch bloß nicht so wichtig
Und die Arbeit völlig nichtig
Ach, zur Hölle mit all den Plänen

Kurz darauf dreh ich die nächste Runde
Den Marathon schaff ich am Stück
Vielleicht hab' ich ja doch noch Glück
Und so vergeht hier Stund' um Stunde

Hätt' ich nur früher angefangen
Und wär' ich nicht so wild verzettelt
Hab' doch alle Götter angebettelt
Und muss nun doch schon wieder bangen
Denn gefunden hab ich's noch nicht

Ich zieh' ab, bin tief betrübt
Will mich in mein Bett vergraben
Will die Arbeit weit vertagen
Bin wohl nie wieder vergnügt

Es ist kein Zufall
Dass Buch und Fluch sich so gut reimt
Und jede Hoffnung, die in mir keimt
So schnell vergeht wie Rauch und Schall

Buch, du allein hast mich verlassen
An dir scheitert mein Semester
Von Mittsommerwende bis Silvester
Und zurück will ich dich hassen

Ich hege Schusslust wie im Western
Schlag' wüst auf meinen Schreibtisch ein
Oh Buch, das muss so unverzeihlich sein
Ausgeliehen hab' ich dich schon gestern

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