Islamistische Propaganda unter der Lupe

02.09.2018
Campus-News, Studium
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Der sog. Islamische Staat versucht über Propagandavideos potentielle Rekruten zu erreichen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ein Forschungsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) zu "Dschihadismus im Internet" mit 2,7 Millionen Euro.

Im Zeitalter der Digitalisierung gehören Hasskommentare in den sozialen Netzwerken für viele Internetnutzer bereits zum Alltag. Die Partizipationsrate in den Kommentarspalten ist zwar insgesamt gering, aber bei bestimmten Themen heizt sich dort schnell die Stimmung auf. Die vermeintliche Anonymität im Netz mindert die Zurückhaltung vieler Nutzer und so verkommt eine öffentliche Diskussion oftmals zur politischen Stimmungsmache.

Konkrete Aufrufe zu Gewalt liest man dort eher selten, aber an anderer Stelle verbreiten inzwischen auch radikale Gruppen ihre Propaganda. Der sogenannte Islamische Staat bringt beispielsweise schon seit Jahren über soziale Netzwerke Bilder und Videos in Umlauf, um neue Anhänger zu rekrutieren. Dieses Material, das über verschiedene Verbreitungskanäle mitunter sehr unterschiedliche Rezipienten erreicht, ist das zentrale Untersuchungsobjekt der Nachwuchsforschergruppe am Institut für Ethnologie und Afrikastudien (IfEAs) der JGU.

Interdisziplinäre Ausrichtung

An dem Forschungsprojekt, das von Prof. Dr. Matthias Krings initiiert wurde, arbeiten neben dem Projektleiter Dr. Christoph Günther noch sechs weitere Forscherinnen und Forscher aus den Disziplinen der Islamwissenschaft, der Ethnologie sowie der Film- und Medienwissenschaft. „Die Videoanalyse ist ein kollaborativer Prozess, an dem alle Mitglieder der Forschergruppe beteiligt sind“, betont Christoph Günther.

Die Islamwissenschaftlerinnen und Islamwissenschaftler verfügen über vertiefte Kenntnisse zu Geschichte, Religionen, Kulturen und Sprache in der arabisch-islamischen Welt, die sie vor allem im Rahmen der Textanalyse einbringen können. Die Ethnologinnen „konzentrieren sich vor allem auf die Anschlusskommunikation und machen die vielfältigen Formen derselben im Web 2.0 sichtbar“, so Günther. Das Publikum besteht nämlich nicht nur aus radikalen Islamisten, sondern auch Künstlerinnen und Künstler oder Jugendlichen, die nicht mit dem Dschihadismus vertraut sind. Die Forscherinnen bemühen sich nicht nur, sich in die unterschiedlichen Positionen hineinzuversetzen, sondern versuchen auch mit den Rezipienten in Kontakt zu treten, um mehr über Beweggründe und Aneignungsformen zu erfahren.

Die Medienwissenschaftler analysieren schließlich das Bewegtbildmaterial mit Blick auf seine technischen sowie ästhetischen Gestaltungsmittel. Manche Videos sind sehr einfach gestrickt, andere sind wie Trailer zu Hollywood Blockbustern aufgebaut oder beinhalten Elemente aus Computerspielen. Auf diese Weise wird ein sehr breites Publikum angesprochen.

Ergebnisse dienen Präventionsarbeit

Die Erkenntnisse, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Laufe der Forschung gewinnen, sollen die aktuelle Medien- und Radikalisierungsforschung ergänzen. Außerdem können durch die Analyse der Ursachen und Entwicklung von Radikalisierung wirksame Präventionsstrategien entwickelt werden. Als Alleinstellungsmerkmal des Forschungsprojekts wertet Günther neben der Interdisziplinarität den auch den Aufbau einer Online-Datenbank, die "zum Ende des Projektes nach außen geöffnet werden soll, um Teile unserer Daten auch der weiteren Fachcommunity sowie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen". Auf diese Weise können zum Beispiel Lehrkräfte im Rahmen schulischer Aufklärungsprojekte auf die Informationen zurückgreifen. Aber auch Politik und Behörden hätten so "ein Werkzeug zur Hand, um gemeinsam Strategien gegen die Radikalisierung von Jugendlichen im Internet zu erarbeiten", schreibt das BMBF auf seiner Homepage.

Das lässt sich der Bund auch Einiges kosten: Im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit"  wird das Projekt bis 2022 mit 2,7 Millionen Euro gefördert.

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