Ich packe mein Leben in Kisten und nehme mit …

22.07.2020
Wohnen
nh

Die ersten eigenen vier Wände. Schlüssel habe ich abgeholt, Kisten gepackt und dank helfender Hände den Umzug vollbracht. Jetzt sitze ich im Chaos und mir wird bewusst, wie unvollständig dieses und damit meine Ausstattung ist.

Die Schlüssel zu meiner ersten eigenen Wohnung abgeholt? Check. Panisch den riesigen Umzugswagen gesteuert? Check. Den Rücken aller Beteiligten durch volle Kisten verrenkt? Check. Alles eingepackt?

Ich atme auf. In der zuvor von Menschen durchwuselten Wohnung ist endlich Stille eingekehrt. Wo zuvor noch schwitzend meine Habseligkeiten platziert wurden, herrscht nun Chaos. Mit Aufwand meiner gesamten Muskelkraft bahne ich mir stöhnend meinen Weg durch die Kartons in Richtung Bett, lasse mich seufzend fallen und nehme mein neues Reich in Augenschein. Meine erste eigene Wohnung.

Ich grinse die Decke an, die gräulich zurückstrahlt, und breite meine Arme aus. Dabei fällt mein Blick auf einen nicht identifizierbaren Fleck direkt neben meinem Kopf. Hastig springe ich auf, schüttele mich und notiere in Gedanken Matratzenschoner auf meiner Liste der Vergessenheit. Bisweilen hat die Liste schon beeindruckende Ausmaße angenommen, denn neben Haushaltsutensilien wie Spülmittel, Klobürste, Putzmittel und Mülltüten finden sich auch noch verschiedene Dekoelemente, ein Wasserkocher und ein Verlängerungskabel, dessen Nützlichkeit ich erst jetzt so richtig beginne zu begreifen.

Dann öffne ich den ersten Karton. Was ich beim Packen noch sorgsam gestapelt habe, kommt nun, teilweise in Einzelteilen, wieder zum Vorschein. Zerbrochene Tassen und Teller sind wohl die Kollateralschäden eines Umzugs. Noch ein Punkt auf meiner Liste: Sekundenkleber. Irgendwie ganz schön teuer so ein Umzug, denke ich und rufe mir meinen ungefähren Kontostand vor das geistige Auge. Es folgt der nächste Schweißausbruch. Neben der Einkaufsliste gibt es jetzt noch eine To-do-Liste, auf der ich Nebenjob dreimal gedanklich umkreise.

Ich atme tief ein. Dann aus. Eins nach dem anderen. Ich greife mit der Hand in die nächste Kiste. Kleiderbügel. Im Geheimen danke ich nun doch meinen Eltern, dass sie mir all das angedreht haben, was sie nicht mehr zu gebrauchen wussten. Eine Packung Waschmittel und ein Wäscheständer waren da leider nicht dabei, bemerke ich mit Blick auf die aus drei Kartons herausquellende Kleidung.

Am Boden der Kiste blickt mir mit vorwurfsvollen Augen Igor entgegen. Ich klopfe mir in Gedanken selbst auf die Schulter, dass ich bei all dem Umzugsstress an meinen nie genutzten Plüschesel gedacht habe. Augenverdrehend stehe ich auf und begebe mich in das Badezimmer um mir die gelb-orangefarbenen Fliesen noch einmal genauer anzusehen. Dabei fällt mir auf, dass ich weder Duschvorhang und -vorleger, noch einen Mülleimer besitze. Geschweige denn Toilettenpapier.

Ich lasse die gewagte Farbkombination hinter mir und begutachte die Küchenzeile, die sich direkt vor der Eingangstür befindet. Zwischen gräulichen Verfärbungen fristen hier auch braune Verkrustungen ihr Dasein, die ich mit leisem Ekel betrachte. Jetzt danke ich in Gedanken meinem auf Hygiene bedachten Bruder, der vor der Abfahrt noch Schwämme, Geschirrtücher und Putzmittel in einen der Kartons gepackt hat. Die Frage ist nur, in welchen. Doch eins nach dem anderen.

Ich drehe mich in Richtung des Schreibtischs, um meine Liste der Vergessenheit auf Papier zu bringen. Die Frage ist nur, auf welches Papier. Und mit welchem Stift. Es scheint so, als wäre mir während meiner nächtlichen Packaktion sämtliches Schreibutensil vorenthalten worden. Noch nicht einmal ein Notizzettel offenbart sich mir in der mit wichtige Unterlagen versehenen Kiste. Ein guter Start in das künftige Unileben.

Um nicht noch weiter im Loch der unbedachten Dinge zu versinken, muss mein Smartphone als Erinnerungsstütze herhalten. Ich ziehe meine Schuhe an, lasse das Durcheinander hinter mir und mache mich auf den Weg zu meinen direkten Nachbarn, Drogerie- und Baumarkt. Dabei starre ich grimmig auf die mir hell entgegenleuchtenden Stichpunkte, die den Bildschirm füllen.

Unbedachtes und Unentbehrliches

Wohnen

Für schöne Träume:

  • Matratzenschoner
  • Bettlaken und -bezug
  • Bettdecke
  • Kissen
  • Sichtschutz/Gardinen

Damit Steckdosen auch genutzt werden können:

  • Schreibtischlampe
  • Ladekabel für Handy und Laptop
  • Musikanlage
  • WLAN-Router
  • Verlängerungskabel
  • Wasserkocher

Zum angenehmen Lernen:

  • Schreibzubehör (Stifte, Blöcke, …)
  • Schere
  • Kopfhörer
  • Klebezettel
  • Kalender
  • Büroklammern
  • Locher

Für mehr individuelle Gemütlichkeit:

  • Erinnerungsstücke
  • Plakate und Bilder
  • Pflanzen
  • Spiegel

Um Ordnung zu schaffen:

  • Kleiderbügel
  • Wäschesack
  • Wäscheständer
  • Ringordner
  • Mülleimer
  • (Sekunden-)Kleber

Um außerhalb der Mensa essen und trinken zu können:

  • Teller
  • Besteck
  • Tassen
  • Schüsseln
  • Töpfe und Pfannen
  • Brotdosen und Wachspapier
  • Backpapier
  • Flasche aus Aluminium, Glas, …
  • Flaschenöffner

Sauberkeit und Hygiene

Für ein reines Bad:

  • Seife
  • Klobürste
  • Mülltüten
  • Toilettenpapier
  • Duschvorhang und -vorleger
  • Putzeimer
  • Reinigungsmittel

Damit es in der Küche blitzt:

  • Spülmittel
  • Geschirrhandtücher
  • Besen
  • Schwämme

Zum eigenen Wohlbefinden:

  • Waschmittel
  • Kosmetika
  • Nagelschere

 


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