Homeoffice statt Hörsaal: Studieren in den eigenen vier Wänden

13.05.2020
Studium
lki

Im Homeoffice zu lernen und zu arbeiten, hat Vor- und Nachteile und ist für viele eine Umstellung. Doch es gibt durchaus Möglichkeiten, wie man sich daran gewöhnen und den eigenen vier Wänden doch noch etwas abgewinnen kann.

Studierende werden in diesem Sommersemester auf eine harte Probe gestellt. Der Campus fällt wegen der Corona-Pandemie weg, der Hörsaal weicht den eigenen vier Wänden. Das birgt Fallen und Chancen.

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wurde die Präsenzlehre im Sommersemester 2020 durch eine digitale ersetzt. Veranstaltungen und Sprechstunden finden online statt und auch die Bibliotheken fallen trotz schrittweiser Wiedereröffnung als Arbeitsräume bis auf Weiteres weg. Das heißt, Studierende müssen das Sommersemester im Homeoffice bewältigen.

Herausforderungen im Homeoffice

Im Homeoffice zu arbeiten, ist für viele verlockend. Es ist einem selbst überlassen, zu welcher Uhrzeit man aufsteht, Pausen können so gut wie jederzeit eingelegt werden und Feierabend kann zu jeder beliebigen Tageszeit sein – wenn man will, auch schon frühmorgens. Konnte man in den vergangenen Semestern das Lernen von zuhause aus noch als gute Ausrede dafür verwenden, die Vorlesungen nicht besuchen zu müssen, weil alles problemlos aufzuarbeiten war, so ist man nun darauf angewiesen.

In den eigenen vier Wänden lauert aber bekanntlich die Ablenkung: Der Klick zu Netflix ist nicht weit, das Bett gemütlicher als der Schreibtisch und überall läuft man Gefahr, Studium und Freizeit zu vermischen. Prokrastination statt Produktivität, Bequemlichkeit statt Disziplin lautet die Devise.

Routinen steigern die Produktivität

Diplompsychologin Cornelia Seewald sieht gerade für diejenigen, die noch nie im Homeoffice gearbeitet haben und nun auf Rückzugsorte wie Bibliotheken verzichten müssen, die Chance, neue Gewohnheiten für sich zu etablieren.

Darunter gehöre v.a., bewusste Grenzen zu setzen, auch physische wie z.B. räumliche Marker und Barrieren. Um in den Arbeitsmodus zu schalten, reiche es schon aus, einen eindeutigen Arbeitsplatz mit den üblichen Utensilien wie Laptop, Literatur und Büromaterial zu schaffen. Dabei müsse unbedingt sichergestellt sein, Bereiche zum Essen, Arbeiten und Schlafen voneinander zu trennen, um eine eindeutige Arbeitsumgebung herzustellen. Dadurch ließe sich konsequent verhindern, dass man jeden Ort für jede Tätigkeit nutzen könne, so Seewald. Ablenkenden Faktoren werde somit entgegengewirkt und man könne effizienter arbeiten.

Das Homeoffice kennt keinen Dresscode

Im Homeoffice gibt es keinen Dresscode, den es einzuhalten gilt. Im Netz kursieren bereits Memes darüber, während einer Konferenz bewusst Hemd oder Bluse zu wählen, das Gegenstück hingegen durch Boxershorts oder Jogginghose zu ersetzen, weil diese im Bildausschnitt nicht zu sehen sind. Jedoch müsse man für Videokonferenzen durchaus seine Kleidungswahl überdenken, so Seewald, denn niemand wolle "in der Konferenz den Anschein erwecken, man sei gerade aus dem Bett gefallen." 

Ist man im Homeoffice hingegen keinen Videocalls ausgesetzt, so sei es Seewald zufolge dennoch ratsam, die alltäglichen Dinge wie das Zähneputzen und Rasieren nicht zu vernachlässigen. Denn wer morgens seiner Morgenroutine nachgeht, simuliert einen gewöhnlichen Studienalltag und erleichtert sich so den Start am Schreibtisch.

Recherchieren und Schreiben von zuhause aus

Auch im Homeoffice müssen Seminar- und Abschlussarbeiten geschrieben werden. Zur Recherche bieten sich fächerübergreifend nach wie vor die Bibliotheksbestände an. Diese werden aktuell zunehmend digitalisiert. Zusätzlich hat die Universitätsbibliothek (UB) angekündigt, dass Lehrende künftig einen digital zugänglichen Semesterapparat mit maximal 25 Monographien erstellen können. Dieser dient als Ersatz für die (Einführungs-)Literatur, die bislang ausschließlich in den Präsenzbibliotheken und nicht online verfügbar ist.

Zwar ist auch die Ausleihe an verschiedenen Standorten der UB seit Ende April teilweise wieder möglich, allerdings werden die dafür nötigen Bibliotheksausweise nicht vor Ort ausgestellt. Stattdessen lassen sie sich nun per Online-Formular beantragen. Nach erfolgreicher Anmeldung kann der virtuelle Ausweis über die JGU-App genutzt werden. Die Studicard, mit der das Druck- und Kopierkonto aufgeladen werden kann, wurde nicht digitalisiert. Sie ist nun in der Mensa des Georg Forster Gebäudes erhältlich (campus-mainz.net berichtete).

Technik statt Tafel

Das Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV) stellt außerdem zahlreiche Angebote zur Verfügung, die das Lernen und Arbeiten zuhause erklären und erleichtern sollen (campus-mainz.net berichtete). So richtet sich etwa Erste Schritte für Studierende insbesondere an Erstsemester und erklärt den Umgang mit den gängigen Anwendungen im Studium an der JGU.

Bei diesen Anwendungen gibt es im digitalen Sommersemester einige Neuzugänge: So hat das ZDV für alle Studierende einen Zugang für Skype for Business eingerichtet, um künftig an Online-Besprechungen und digitalen Seminaren teilnehmen zu können. Über den ZDV-Account kann man sich außerdem bei Microsoft Teams, Mattermost und Moodle anmelden. Diese Anwendungen ermöglichen gemeinsame Absprachen sowie das Teilen von Notizen und Anhängen. Darüber hinaus lassen sich über Seafile Dokumente gemeinsam bearbeiten, von Studierenden wie auch Dozierenden. Wer Videovorträge bearbeiten und teilen bzw. auf diese zugreifen möchte, kann über das ZDV Panopto nutzen.

Flexible Freizeitgestaltung

Trotz aller Anstrengungen, die das Coronavirus mit sich bringt, kann man dem Homeoffice auch seine positiven Aspekte hochhalten. Für viele Studierende fällt nun etwa auch das tägliche Hin- und Herpendeln weg. Nicht erst seit dem Semesterstart im Homeoffice, auch schon in der vorlesungsfreien Zeit sind viele Studierende außerdem bereits in ihren eigenen vier Wänden geblieben. Dort haben sie neue Beschäftigungen gefunden oder alte wiederaufleben lassen, weil durch die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie etwa der Kinobesuch mit Freund:innen nicht mehr möglich war. Die Ablenkung, die in dieser Zeit Anklang gefunden hat, kann auch in der digitalen Vorlesungszeit zuhause weitergeführt werden. Allerdings sollten dafür feste Zeiträume etabliert werden, denn mit dem Start der digitalen Seminare und Vorlesungen kommen auch die Klausuren und Hausarbeiten immer näher. Als Belohnung zum Feierabend sollte man sich die neuen Leidenschaften dennoch nicht nehmen lassen.

Aber was, wenn man das Gefühl nicht loswird, bereits alle Serien gesehen, alle Bücher gelesen, ausgemistet und sogar den Frühlingsputz erledigt zu haben? In diesem Fall kann es sich lohnen, an den Dingen zu arbeiten, die bisher zu kurz kamen – seien es technisches Knowhow, Fremdsprachenkenntnisse oder das Puzzle, das man schon ewig fertigstellen wollte. Trotz Kontaktbeschränkungen lassen sich Spaziergänge nach wie vor auch allein genießen und auch Konzerte kann man bequem per Livestream von zuhause aus miterleben.

Allerdings gilt dabei, dass jeder nur das umsetzen sollte, was ihm auch wichtig ist. Das Homeoffice kann dem Einzelnen auch viel abverlangen und man sollte in der Selbstisolierung nicht anstreben, ein anderer Mensch zu werden. Wer schon immer ein Sportmuffel war, muss sich auch in dieser ungewöhnlichen Zeit nicht dazu zwingen, Homeworkouts zu bewältigen. Niemand muss einmal die Woche Bananenbrot backen und wer ohnehin den Status eines Stubenhockers genießt und die verbleibende freie Zeit für sich ausnutzen will, sollte das ohne schlechtes Gewissen tun.

Die Selbstoptimierung sollte nicht die Selbstfürsorge ablösen. Und wer weiß: So viel Zeit werden wir wahrscheinlich – und hoffentlich – bald nicht mehr zuhause verbringen können.

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