Frauenbibliothek der Uni Mainz sieht sich durch Anfeindungen bestätigt

14.01.2020
Freizeit, Arbeit...
kaz

Die Frauenbibliothek des AlleFrauenReferats der Uni Mainz: Seit 20 Jahren Quelle für feministsche Literatur und sicherer Ort für Austausch.

Die Frauenbibliothek an der Universität Mainz suchte vor kurzer Zeit neue Mitarbeiterinnen zur Verstärkung des Teams. Neben einigen Bewerbungen erhielten sie jedoch v.a. eins: Hass im Internet.

Wie viele andere Arbeitnehmer:innen sowohl auf als auch neben dem Campus, suchte das autonome AlleFrauenreferat (AFR) der Uni Mainz nach Unterstützung bei der Arbeit in der Frauenbibliothek auf dem Campus, u.a. eine Reinigungskraft und zwei hauptamtlich angestellte Mitarbeiterinnen. Jedoch führten die am 10. Oktober 2019 veröffentlichten Stellenausschreibungen nicht zur gewünschten Verstärkung des Teams, sondern brachten eine Welle an Kommentaren und Hassmails mit sich, besonders auf der Onlineplattform 9gag.

Darin wird dem AFR vorgeworfen, sogenannte cis-Männer zu diskriminieren. Von diesen Personen sollten keine Bewerbungen berücksichtigt werden. Cis-Männer identifizieren sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Der Begriff stellt das Pendant zu "trans-" dar, mit dem sich manche Menschen beschreiben, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde.

Das Team der Frauenbibliothek reagierte mit einer klaren Zurückweisung der Anschuldigungen. Die Bibliothek sei ein "Safer Space", also ein Ort, an dem sich diskriminierte Personen ohne Angst aufhalten können.

Rechtliche Prüfung der Vorkommnisse

Im Verlauf des Shitstorms wurde die E-Mail-Adresse des AlleFrauenReferats veröffentlicht. Daraufhin erhielt das AFR Mails, die das AFR als "Abschaum für Deutschland" beschrieben und in denen Sätze wie "die Behinderten werden immer mehr" zu lesen waren. Mindestens eine der eingegangenen Nachrichten soll zur Anzeige gebracht werden, der Vorgang wird zur Zeit noch rechtlich geprüft.

Die Mitglieder berichten, dass die Flut an solchen Nachrichten besonders bedrückend sei. Sie fühlten sich angegriffen, obwohl sie mit ihrer Stellenausschreibung lediglich die vorliegende Absicht des Safer Space weiter unterstützen wollten. Auch die Anzahl der Kommentare von Cis-Männern sei überraschend gewesen, da die Ausschreibung für einen Job in der Frauenbibliothek laut AFR eine Bewerbung von Männern eigentlich ausschließe.

AFR durch die Vorkommnisse in seinem Vorhaben auch gestärkt

In einem öffentlichen Statement wies das AFR jegliche Form der Diskriminierung zurück und zeigte sich entsetzt über die Reaktionen im Netz. Viele der Kommentare enthielten u.a. "rassistische, antisemitische, trans- und frauenfeindliche Aussagen", wodurch man sich noch einmal bestätigt fühle, einen Raum für diskriminierte Personen zu schaffen, an dem diese sich ohne Angst unterhalten und Erfahrungen austauschen können.

Auch außerhalb des Campus erhielt das AFR Zuspruch von vielen Seiten, darunter der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Mainz. Die Berichterstattung der Allgemeinen Zeitung und des SWR machte ebenfalls auf die Geschehnisse aufmerksam.

Frauenbibliothek stellt sich seit über 20 Jahren gegen Diskriminierung

Trotz allem verwehren die Mitarbeiterinnen des AFR Personen des männlichen Geschlechts nicht den Zugriff auf die in der Bibliothek lagernde Literatur. Wie auf der Website der Frauenbibliothek nachzulesen, ist es auch cis-Männern bei Interesse möglich, die zumeist feministische Literatur auszuleihen. Dazu muss lediglich eine E-Mail an die Bibliothek mit einer entsprechenden Literaturliste gesendet werden, um anschließend die Bücher und Medien an einem vereinbarten Ort abzuholen.

Bereits seit über 20 Jahren stellt das AFR schon einen sicheren Ort für unter Diskriminierung leidende Personen zur Verfügung.

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