Filmkritik | Kids Run

08.11.2020
Freizeit
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Im Film "Kids Run" geht es um Andi, der alleinerziehender Vater von drei Kindern ist und Mietschulden hat. ©: Flare Film / Falko Lachmund.

Ein alleinerziehender Vater ist im Kampf mit der Welt und sich selbst. Der Film "Kids Run" ist Teil des Programms des FILMZ - Festival des deutschen Kinos 2020.

Andi (Jannis Niewöhner) ist Mitte 20 und versucht, seine drei Kinder über die Runden zu bringen, während er gleichzeitig bis zum Hals in Schulden steckt. Sonja (Lena Tronina), seine Exfreundin und Mutter seiner jüngsten Tochter, hilft ihm mit dem Geld ihres neuen Freundes aus. Als sie es jedoch zurückhaben will, kann Andi das Geld nicht aufbringen und Sonja droht ihm mit dem Sorgerechtsentzug für die gemeinsame Tochter.

In der Teilnahme an einem hochdotierten Boxturnier sieht Andi seine einzige Chance, genug Geld zu gewinnen, um die Schulden zurückzuzahlen.

"Kids Run" erzählt die Geschichte eines Vaters, der überfordert ist. Nicht nur in seinen Boxturnieren, sondern auch darüber hinaus erlebt Andi eine Niederlage nach der anderen. Es wirkt, als würde er pausenlos rennen und nie zur Ruhe kommen. Denn seine drei Kinder allein zu versorgen und gleichzeitig genug Geld als Tagelöhner zu verdienen, lässt ihm kaum Zeit für sich selbst.

Doch Andi ist nicht einfach Opfer der sozialen Ungerechtigkeit. Er ist kein perfekter Mensch und kein perfekter Vater. Jannis Niewöhner spielt Andi überzeugend als schnell aggressiven, verzweifelten, aber auch verantwortungsbewussten und liebevollen Menschen.

Der Protagonist ist kein einfacher Held, der immer auf der moralisch korrekten Seite steht: Andi hat Stärken und Schwächen und all seine Fehler werden ohne Scheu auf der Leinwand gezeigt.

Grau in Grau gegen den Rest der Welt

Das Sozialdrama zeigt, wie sich familiäre Zuneigung vor dem Hintergrund von grauen Plattenbauten, Industrieflächen und schimmelnden Badezimmerwänden anfühlt. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Barbara Ott zeichnet ein pessimistisches Bild von trister Lebensrealität, die nur ab und zu von kleinen Lichtstrahlen durchbrochen wird. Graue und entsättigte Farben prägen die triste Landschaft.

Die radikale Montage von Szenen der familiären Geborgenheit zu brutalen Boxkämpfen zeigt, wie schwer es dem Protagonisten fällt, eine Balance in seinem Leben zu finden.

Der letzte Boxkampf, der in sozialkritischen Filmen beinahe zu oft als letzter Ausweg und großes Finale des Protagonisten genutzt wird, wirkt damit hier etwas klischeehaft. Häufig stellt sich die Frage: Wäre es nicht leichter, anders Geld zu verdienen, wenn Andi sich nur mehr Mühe geben würde? Aber genau dort liegt das Problem: Andi bemüht sich, nimmt harte, schlecht bezahlte Jobs an, die er dann immer wieder verliert. Ist Andi also selbst schuld an seiner Situation? Oder lässt die Gesellschaft ihm keine Wahl?

Diese Frage überlässt Barbara Ott den Zuschauer:innen.

"Kids Run" als Anwärter beim FILMZ-Festival 2020

Als Teil des FILMZ – Festival des deutschen Kinos wird "Kids Run" ab dem 12. November um 18 Uhr auf alleskino.de verfügbar sein. Das Festival findet vom 5. bis zum 14. November statt. Aufgrund der Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen die Festivalfilme nicht wie geplant in den Mainzer Spielstätten gezeigt werden. Stattdessen ist ein großer Teil der Filme online über die Streamingplattform alleskino verfügbar.

Auf alleskino.de kann man sich die Filme für 48 Stunden ausleihen und ebenfalls online bewerten. Da es sich um ein Publikumsfestival handelt, entscheidet allein die Meinung der Zuschauer:innen darüber, welche Filme in den jeweiligen Kategorien gewinnen. Damit ist nicht nur die Handlung des Films "Kids Run" geprägt von Wettkämpfen – denn der Film selbst tritt in der Kategorie Langfilm gegen "Coup", "Jiyan", "Fluten" und "Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt" an.

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