Ferienausflug ins MoschMosch

16.04.2015
Essen, Mensablog
daniel

Meine Gutscheine am letzten Tag.

Mensablog (16.04.2015): Wenn auf dem Campus kein Platz mehr ist, dann kommt der Mensablogger in die Stadt. Wie ich in den Ferien vom Campus getrieben wurde und nach Japan ging...

Wenn in der Zentralmensa nur noch die Theken 1 und 2 offen sind, die Mitarbeiter des Studierendwerkes (Zu Recht!) streiken und man die Uni vor lauter Bachelorarbeit selbst in der vorlesungsfreien Zeit täglich um 10 Uhr morgens betritt, dann wird es Zeit, den Campus mal gen Stadt zu verlassen und sich dort auf die Suche nach Essbarem zu machen. Am besten natürlich nach Nahrung, die gut schmeckt, gesund und nicht zu weit weg ist und einem hilft, die Theorien von Karl Kompliziert und Ludmilla Langweilig endlich zu verstehen. Vielleicht wäre günstig auch ganz gut. Also schon hauptsächlich günstig. Naja gut, VOR ALLEM günstig, der Rest ist eigentlich erstmal egal.

In letzter Zeit war ich dazu immer bei der Sammelstelle für asiatische Gerichte mit "japenglischen" Namen, der Restaurantkette MoschMosch*. Jedoch betrat ich den Laden in der Vergangenheit nie ohne Gutschein. Denn mit diesen ist "das zweite Hauptgericht gratis" und ich bezahlte nie mehr als 12 Euro. Es waren wundervolle Tage!

An einem dieser Tage begleiteten mich ein Freund und seine japanische Frau. Ich hatte mich besonders auf dieses Essen gefreut, da ich hoffte, von einer waschechten Japanerin mehr über die Gerichte und die Beilagen erfahren zu können. Jetzt weiß ich ein bisschen mehr Bescheid über japanische Esskultur und die eingesetzten Zutaten. Vor allem aber darüber, wie egal es eigentlich ist, wie man die Stäbchen hält. Was ich allerdings mit tiefer Bestürzung feststellen musste: die meisten Bezeichnungen der Gerichte bestehen aus einem verschwurbelten Englisch-Japanisch-Mix und sind dadurch wahrscheinlich ehrlicher als so manche Gerichtbeschreibung in anderen Restaurants. Denn seien wir mal ehrlich, dass ist nicht wirklich pur asiatisch bzw. japanisch, sondern eine europäisierte, angepasste, vielleicht auch eine zusammen gemischte, sich über die Jahre entwickelnde, asiatische Esstradition europäisch deutscher Prägung. "Reddo Karê Don" bedeutet zum Beispiel Schüssel mit Reis (Jap. "Don", Kurzform von "Donburi") mit rotem ("Reddo", Fantasiewort angelehnt an die engl. Farbe "Red") Curry (Jap. "Karê"). Bei "Gurin Karê" handelt es sich entsprechend um das grüne Curry Pendant. Das spannende an der ganze Geschichte ist jedoch folgendes: Nicht das MoschMosch hat sich zur Vereinfachung diese Namen ausgedacht, sondern die Japaner selbst. Die haben dort drüben ein eigenes Schriftsystem, die sogenannten Katakana und die werden auch für Lehnwörter und Namen aus anderen Sprachen verwendet, für die es keine chinesischen Schriftzeichen gibt. Jetzt fragt ihr euch Chinesisch... Japanisch? Ich weiß doch auch nicht..., wenn ihr euch aber weiter gehend informieren wollt, dann tut das einfach unter diesem Wikipedia Link. Ich beende jetzt diesen Teil der Geschichte mit den Worten meines Japanischexperten: "Da benutzt man halt einfach englische Bezeichnungen für jeden Scheiss."

Als am letzten Gültigkeitstag der Gutscheine immer noch nicht alle verbraucht waren, machte ich mich mit den übrig gebliebenen auf ins MoschMosch, um ein letztes Mal Gerichte mit japenglischem Namen zu essen. Da wir nur zu zweit zum MoschMosch aufbrachen, versuchte ich die übrigen Gutscheine im Restaurant unter die Leute zu bringen - frei nach dem Motto: jeden Tag eine gute Tat. Enttäuscht musste ich feststellen, dass die anderen Gäste aus den gleichen Beweggründen im Restaurant waren - strahlend zeigten sie mir ihre Gutscheine. "Ist hier denn überhaupt jemand freiwillig hier?“, dachte ich mir, sagte es aber nicht laut. Später legte ich die Gutscheine einfach unter die Kissen des Wartebereichs - natürlich in der Hoffnung, einen Gast glücklich zu machen, der das Lokal ohne Schein im Gepäck betritt.

Und jetzt ist mein kulinarischer Sparausflug nach Japan wieder vorbei und die Mensa hat mich wieder - die Bibliothek und die Bachelorarbeit aber leider ebenfalls.

 

* (Ich habe keinen Werbevertrag mit der Restaurantkette MoschMosch)

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