Ergebnisse des MLP Studentenwohnreports 2021

07.02.2022
Wohnen
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Die Ergebnisse des Studentenwohnreport 2021 sind veröffentlicht und zeigen erneut: Die Lage am Wohnungsmarkt ist für Studierende schwierig.

Weniger Dynamik, höhere Mieten – das zentrale Ergebnis des aktuellen MLP Studentenwohnreports zeigt: Die Wohnsituation für Studierende ist und bleibt schwierig.

Studierende und angehende Studierende müssen sich bekanntlich vielen Herausforderungen stellen – von der Bewerbung an einer Universität über die Wahl des Studiengangs bis hin zum Umzug in eine neue Stadt. Doch bleibt die Wohnungssuche lediglich eine "Herausforderung", wenn es jungen Menschen kaum möglich ist, eine eigene Bleibe oder auch nur ein Zimmer zu finanzieren? Der MLP Studentenwohnreport untersucht erneut den Wohnungsmarkt an 30 großen Hochschulstandorten und zeigt: Es muss sich etwas ändern. 

Jedes Jahr untersucht das Finanzdienstleistungs-Unternehmen MLP Hochschulstandorte in Deutschland und analysiert den Wohnungsmarkt für Studierende. Der Studentenwohnreport zeigt unter anderem Veränderungen am Wohnungsmarkt, zum Beispiel bezüglich der Preisdynamik bei den Mieten oder auch der Angebotszahlen einzelner Städte. 

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt ...

Der erste Blick auf die Preisdynamik der Mieten verdeutlicht ein minimales Abschwächen – Woran liegt das? Vor allem die Corona-Pandemie dürfte schuld daran sein. Durch sie ist das Einwohner:innenwachstum in Großstädten niedriger. Außerdem haben sich einige Studierende dazu entschieden, den Studienbeginn auf später zu verschieben. Folglich wurden Angebote in einzelnen Wohnungsmärkten auf andere Städte, wie zum Beispiel München, Stuttgart und Darmstadt, ausgeweitet. 

Allgemein verweisen die Mietentwicklungen zum Ende des Sommersemesters 2021 auch auf regionale Unterschiede. In einigen Teilen Deutschlands, wie zum Beispiel in Freiburg, Berlin, Konstanz, Leipzig und Münster, stiegen die Mieten zwischen vier und sechs Prozent an. Dagegen ließen sich in Stuttgart und Karlsruhe verminderte Mietpreise feststellen – sie sanken zwischen einem und drei Prozent. Letzteres bedeutet allerdings keine große Erleichterung für Studierende, Stuttgart befindet sich weiterhin im oberen Sektor der höchsten Mietpreise. Musterwohnungen kosten 750 Euro, während sich ein Muster-WG-Zimmer auf ca. 440 Euro beläuft. Im Vergleich dazu kosten Wohnungen in Dresden beispielsweise nur knapp 400, ein WG-Zimmer unter 250 Euro. Begründet wird dies womöglich dadurch, dass vor allem ostdeutsche Studienstandorte eine verminderte Anzahl an Studierenden aufweisen. In Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl an jungen Menschen rückläufig – das Studienangebot ist nicht überzeugend genug, um Studierende anzuziehen. 

Insgesamt zeigen die Ergebnisse des Reports zum Ende des Sommersemesters 2021 durchschnittlich 1,8 Prozent höhere Mieten auf als im Vorjahr. WG-Zimmer werden zwar separat gewertet, doch auch in diesem Segment ist eine Steigerung von 0,9 Prozent zu verzeichnen. 

Hohes Preisniveau in Universitätsstädten 

Vor allem die Universitätsstädte machen Zuziehenden bei der Wohnungssuche schweres Spiel. München geht hier als Beispiel voran – eine Musterwohnung beläuft sich auf 802 Euro und ein Muster-WG-Zimmer auf 554 Euro.

Das macht es Studierenden doppelt so schwer, denn meist verfügen sie sowieso schon über ein geringes Einkommen sowie niedrige bis keine Ersparnisse. Auch die Corona-Pandemie erschwert die Lage diesbezüglich. Sie verursachte bei einem großen Teil der Studierenden zusätzlich gravierende Einkommenseinbußen. 

Gerade die kleinen, günstigen Wohnungen in zentralen Lagen sind bei Studierenden beliebt, allerdings auch bei Pendler:innen, Auszubildenden oder Senioren, weshalb es hier meist nur geringe Kapazitäten gibt. Das Angebot ist niedrig, die Nachfrage und Preise sind hoch. Ausgerechnet kleine Wohnungen und WG-Zimmer weisen höhere Mietpreise auf, da sich die Fixkosten auf kleinere Flächen verteilen. 

In den Analysen wird nicht nur der Studentenwohnpreisindex, also die Mietentwicklung im Markt für studentisches Wohnen, berücksichtigt, auch wird auf die Entwicklung der Studierendenzahlen und der Inserat-Angebote geblickt. Erkennbar ist, dass die wegen der Coronapandemie nicht großartig verschärfte Dynamik wieder anziehen wird, sobald die verschobenen Studienbeginne stattfinden. Die 'Verschnaufpause', die trotz allem auf hohem Preisniveau geblieben ist, wird somit nur temporär gegeben sein. 

Studierende oft außerhalb des politischen Blickfeldes

"Die wohnungswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Studierende sind allgemein schwierig." Wie reagiert die Politik auf diese Lage der Studierenden, auch bezogen auf die Einkommenssituation, die sich coronabedingt "häufig verschlechtert" hat? Die Wahlprogramme verschiedener Parteien, bei denen eine Regierungsbeteiligung realistisch erschien, wurden auf Antworten und Vorschläge hinsichtlich der Wohnsituation sowie der finanziellen Ausstattung von Studierenden untersucht. 

Beim Thema der finanziellen Ausstattung ist zu erkennen, dass sich FDP, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke in ihren Wahlprogrammen vor der Bundestagswahl 2021 für elternunabhängiges BAföG einsetzten. Lediglich die CDU/CSU machte Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Studierenden. Außerdem unterscheiden sich die Parteien in der Gestaltung des BAföG. Während die CDU/CSU das bereits bestehende System, bei dem eine Hälfte der Zuschuss ist und die andere ein Kredit, beibehalten will, plant die FDP ein zinsloses Darlehen, das abhängig von der Leistungsfähigkeit zurückgezahlt werden muss. Die restlichen Parteien schlagen ein vollständiges Zuschussprogramm vor. Die Höhe des BAföG wird nicht in jeder Partei klar benannt – CDU/CSU sowie SPD äußern sich dazu gar nicht, bei der FDP gibt es keine Maximalhöhe und Die Linke würde die Pauschale von 861 auf 1200 Euro monatlich erhöhen. Bündnis 90/Die Grünen wollen Studierende in eine Garantieabsicherung einbinden, die sich nach dem individuellen Bedarf richtet. Studienorte wurden, trotz erheblicher Mietkosten-Unterschiede, in der Differenzierung des BAföG allerdings nicht berücksichtigt. 

Bezahlbares Wohnen, die Ausweitung des Wohnungsbaus und die stärkere Regulation der Mietwohnungsmärkte wurden in jedem Wahlkampfprogramm thematisiert und als wichtig deklariert. Doch überraschend ist, dass speziell Wohnungen für Studierende sowie das Thema Wohnheime kaum eine Rolle spielen. Konzepte, wie beispielsweise der von FDP und Bündnis 90/Die Grünen vorgestellte Dachausbau – also das Errichten kleiner, bezahlbarer Wohnungen – blieben schlussendlich vage und nicht sonderlich wirkungsvoll. Konkreter sieht es in den Parteien hinsichtlich der Mietpreisregulierung aus. Die SPD fordert ein Mietenmoratorium, also einen zeitlich befristeten Mietenstopp, außerdem möchte sie die Mietpreisbremse entfristen – genauso Bündnis 90/Die Grünen. Die Linke fordert zusätzlich einen bundesweiten Mietendeckel und somit die Absenkung der Mieten. Diese Vorschläge klingen zwar vorteilhaft, könnten aber gerade für Studierende eine noch schwierigere Lage bedeuten. Auf Mieten unterhalb des Preisniveaus folgt nämlich eine erhöhte Nachfrage und somit eine größere Konkurrenz bei der Wohnungssuche. Darüber hinaus werden einige Wohnungen nur noch an Selbstnutzer:innen verkauft oder lediglich über persönliche Verbindungen vermietet. Für Studierende könnte dies zu einem Problem werden: Geringere Bonität, kürzere Mietlaufzeiten und wenig vorhandene Beziehungen erschweren den Prozess der Wohnungsfindung. 

... bleibt schwierig

Zwar ist die Dynamik der Mietpreissteigerung nachlassend, befindet sich aber gleichzeitig noch immer auf einem hohen Ausgangsniveau. Dieses Jahr sowie in den vergangenen Jahren wurden starke Wachstumsraten verzeichnet. 

Studierende hatten neben dem sowieso sehr geringen Einkommen zusätzlich mit finanziellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zu kämpfen. Des Weiteren haben viele, durch die geringe Mobilität aufgrund der Coronakrise, ihren Studienanfang auf später verschoben, weshalb die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die verlangsamten Mietpreissteigerungen nur vorübergehend sind. 

Auch das Bevölkerungswachstum ist mit der aktuellen Krise zurückgegangen. Doch die Großstädte werden in Zukunft wohl wieder dynamischer wachsen, denn: Wanderungen zwischen Großstädten laufen in Wellen ab und hängen mit der Preisentwicklung zusammen – je höher die Preise, desto mehr Haushalte verlagern sich in das Umland. Entspannt sich die Lage in den Großstädten wieder – so wie es nach der Pandemie erwartet wird – wird es eine neue Zuwanderung geben. Die internationale Wanderung ist momentan ebenfalls gering, da das Reisen sowie Umzüge nur mit einem bestehenden Risiko möglich sind. Doch der hohe Fachkräftebedarf und die Tatsache, dass es ein Industrieland ist, das mit Krisen vergleichsweise gut umgehen kann, könnte Deutschland wieder attraktiver für internationale Zuwanderer:innen machen. Das bedeute einen Profit für Großstädte. Außerdem hängt Zuwanderung mit wirtschaftlichen Strukturverschiebungen zusammen. Gerade in der Industrie werden mehr Beschäftigte im Dienstleistungsbereich benötigt. 

Mainz im Mittelfeld

Mainz befindet sich mit einer geringen Mietpreissteigerung von rund einem Prozent im Mittelfeld. Auffällig ist, dass in Mainz insbesondere die Angebotszahl kleiner Wohnungen überproportional angestiegen ist. Im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent. Dies ist sehr wahrscheinlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, in der die Nachfrage nach ebendiesen Wohnungen gesunken ist. Eine studentische Musterwohnung liegt in Mainz durchschnittlich bei 491 Euro. Für ein Muster-WG-Zimmer gibt man dort durchschnittlich rund 335 Euro aus.   

Insgesamt wird von einer Kehrtwende beim Wachstum der Großstädte ausgegangen, wodurch sich die Lage für Studierende weiter deutlich verschärfen könnte. 

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