Drei Semester im Homeoffice – ein Resümee

02.11.2021
Studium
Thessa

Trübe Aussichten für die Studierenden im Corona-Semester. Ob die Wolkendecke bald aufbricht, bleibt abzuwarten.

Im Rahmen der Reihe "Humans of Campus Mainz" bloggt Thessa darüber, was sie in ihrem Studienalltag erlebt und bewegt.

Im Sommersemester 2020 ging alles plötzlich ganz schnell. Die Informationsmails drückten einander die Klinke in die Hand und ehe man sich versah, war der ungebetene Gast auch schon eingezogen: das Homeoffice. Für jeden entstand dadurch von jetzt auf gleich eine ganz neue Situation, eine Herausforderung, die man nur bestehen konnte, indem man sich an die neuen Gegebenheiten möglichst schnell anpasste.

Für mich war es ein bisschen so, als ob mit dem Homeoffice auch die Universität bei mir mit eingezogen wäre: Uni am Frühstückstisch, beim Mittagessen, Uni beim Kochen, beim Aufräumen und Abwaschen, Uni beim Abendessen. Ich will ehrlich sein: ein Abgrenzen zwischen Beruf und Privatleben gelang mir überhaupt nicht. Die Uni wurde schnell zu meinem besten Freund und dauerhaften Begleiter, ich arbeitete von früh bis spät.

Was nun tendenziell kräftezehrend klingt (und zweifelsohne auch war), brachte aber auch den Vorteil mit sich, in Lichtgeschwindigkeit im Studium vorwärtszukommen. Nun ist das voraussichtlich letzte Homeoffice-Semester zeitgleich auch mein letztes Bachelor-Semester geworden. Eine Tatsache, welche die Situation für mich noch unbehaglicher gemacht hat, als sie vorher schon war. Denn wo ich ein Semester zuvor noch eine lockere Anbindung an den Unialltag hatte, an Fristen und Vorlesungszeiten, saß ich plötzlich zu Hause und hatte - neben den Gesprächen mit meiner Betreuerin und dem ein oder anderen Besuch in der Bibliothek - mit der Uni praktisch gar nichts mehr zu tun. Meine Thesis wurde sozusagen zum Endgegner des selbstorganisierten Arbeitens.

Das alles hat sich sehr merkwürdig angefühlt und wirkt auf mich nicht weniger skurril, wenn ich an die Zukunft denke. Denn wenn ich meinen Bachelor abschließe, bekomme ich ein Zeugnis von einer Institution, die sich für mich fremd und unheimlich weit entfernt anfühlt. Immerhin wirkt das letzte Mal normaler Unialltag für mich mittlerweile wie aus einem anderen Leben, das Jahrzehnte zurück liegt.

Gleichzeitig bleibt aber auch das Gefühl, als ob ich als Sieger aus der Geschichte hervorgehe. Denn eine Sache kann mir niemand mehr nehmen: Die Erfahrung gemacht zu haben, plötzlich und ohne Vorwarnung oder der Gelegenheit, sich vorzubereiten, in einer ganz neuen Situation zu landen und diese trotzdem zu meistern. Mich organisieren zu können, leistungsfähig zu sein und meine Ziele letztlich trotz allem zu erreichen. Eine Erfahrung, die sich - da bin ich mir sicher - auch später im Berufsleben als hilfreich erweisen wird. Aber das muss noch warten. Zuerst kommt das Wintersemester, das, so scheint es, ein Präsenzsemester wird. Und für mich wird es ein Neuanfang im Master und ein Neuanfang an der Uni.

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