"Die schönsten Tage des Jahres" – Innenperspektiven von FILMZ – Teil 2

03.11.2021
hm

FILMZ – Festival des deutschen Kinos findet zu seiner 20-jährigen Ausgabe wieder in den Kinosälen der Stadt Mainz statt. Ein On Demand Angebot verschiedener Filme ergänzt das Programm für Zuhause.

Milena, die seit 2019 Teil des Dokumentarfilmteams ist, hat wie Verena und Nik von ihrer Fachschaft von FILMZ erfahren. Da sie die Arbeit eines Filmfestivals generell sehr interessant findet, entschied sie sich dazu die Festivalorganisation zu unterstützen. Vor allem die qualitativ guten Dokumentarfilme, die bei FILMZ eingereicht werden würden, haben sie überzeugt, im Team Dokumentarfilm mitzumachen. Außerdem freue sie sich jedes Mal mit den Filmschaffenden in Kontakt zu treten.

Bei den Dokumentarfilmen spiele die Länge des Filmes keine Rolle. Es könne kurze, mittellange oder lange Dokumentarfilme geben. Das Spektrum des Dokumentarfilms sei prinzipiell sehr gemischt, denn laut Milena könne man aus jedem Thema einen Dokumentarfilm machen. Für sie sei das Geheimnis eines guten Dokumentarfilms, ein Thema interessant vermitteln zu können. 

Besonders sei es immer, wenn sehr persönliche Filme eingereicht werden. Zum Beispiel habe ein Ehepaar mal einen Dokumentarfilm eingereicht, in dem darüber berichtet wurde wie es ihnen nach einer Fehlgeburt erging. Beide hätten den Film allein gemacht, was ihn auf einer anderen Ebene sehr persönlich gemacht habe. Milena erklärt, dass gerade solche Filme stark diskutiert werden, da diese immer in einer Ebene zwischen emotionalem Anklang und Desinteresse schweben würden.

"Das erste Filmfestival - und ich fands super!"

Moritz war vor knapp fünf Jahren das erste Mal zu Gast bei FILMZ. Durch Freund:innen, die dort arbeiteten, kam er auf die Idee. "Das war das erste Filmfestival, auf dem ich in meinem Leben war und ich fands super. Da habe ich beschlossen, dass ich mehr mit Filmfestivals zu tun haben will." Als er dann 2019 nach Mainz zog, entschloss er sich bei FILMZ mitzumachen. 

Als ehrenamtliches Mitglied im Finanzteam klärt Moritz campus-mainz.net über die Ausgaben und Einnahmen vor und während des Festivals auf. So erzählt er, dass in normalen Jahren das meiste Geld für die Kinomieten ausgegeben werden würde. Jeden Festivaltag würden drei bis fünf Kinosäle gleichzeitig gemietet werden. Auch wenn sie von Kinos wie dem Capitol & Palatin immer Rabatte bekämen, sei die Miete trotz allem noch ein "Batzen Geld". Die diesjährige Durchführung des Festivals in hybrider Form, stellt laut Moritz die bisher sowohl teuerste als auch aufwendigste Festivalausgabe in der 20-jährigen Geschichte des Festivals dar. 

2021 sei ein Großteil des Geldes vor allem für die Neugestaltung der Webseite ausgegeben worden. Diese Ausgabe stelle jedoch eine Ausnahme dar und komme nicht häufig vor, erklärt Moritz. Zusätzlich seien Einzelevents wie die Eröffnungsfeier, die dieses Jahr im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters stattfindet, sehr kostspielig. Weiterhin werde viel Geld für Fahrtkosten und Übernachtung eingeladener Filmschaffender benötigt. 

Die meisten Einnahmen erhält FILMZ hingegen über Sponsoring. Sponsoren, die schon sehr lange, in verschieden Formen, dabei seien, seien vor allem Sponsoren die das Festival mit Sachsponsoring wie Wein, Blumen und Brezeln unterstützen. Außerdem seien viele Hotels schon länger als Sponsoren dabei. 2020 hätte FILMZ generell weniger Sponsoring erhalten und Moritz erklärt, dass gerade die Hotels auf Grund der pandemischen Lage sehr vorsichtig gewesen seien.  

Neben dem Sponsoring hinge auch die Förderung durch öffentliche Gelder stark von der aktuellen wirtschaftlichen Situation ab. FILMZ bekommt jedes Jahr eine Förderung vom Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz. 2020 hätte FILMZ sogar ein bisschen mehr Geld an Extraförderung vom Land Rheinland-Pfalz erhalten, erklärt Moritz. Dieses wurde nun in die Gestaltung der neuen Website gesteckt, die sie sich sonst nicht hätten leisten können. 

Moritz beschreibt das Festival auch als Chance, neue politische Themen mithilfe von Filmen aufzugreifen, zu bearbeiten sowie zu diskutieren. Außerdem stünde bei Filmfestivals die künstlerische Seite im Vordergrund. Filme würden auf Filmfestivals ausprobiert werden und setzten sich dann in weiter Zukunft erst im "Mainstream" fort. Gerade bei Filmfestivals wie FILMZ bei dem viele junge Filmemacher:innen teilnehmen, könne das Festival auch als Sprungbrett angesehen werden. 

"Zwischen Laien und Experten…"

Johanna, die erst seit einem halben Jahr Teil des Festivalteams ist, ist neben der Hochschulgruppenmesse auch durch viel Werbung auf FILMZ aufmerksam geworden. Gerade die nette Art der Leute und die Chance sich über sein Team hinaus auch in andere Bereiche zu integrieren, habe sie gereizt mitzumachen. Im Allgemeinen findet Johanna, dass das Festival „eine gute Mischung aus den verschiedensten Genres darstellt, aber auch die Bandbreite der Filmschaffenden - "zwischen Laien und Experten" - findet sie sehr interessant. 

Johanna hat sich für das Team Gästebetreuung entschieden, da dort ein enger Kontakt mit den Filmschaffenden entstehe. Das Gästebetreuungsteam ist für die Anreise, das Abholen an den Hotels, das Hinbringen zu den Veranstaltungen und das allgemeine Wohlbefinden der Gäste verantwortlich.

Auch Milena, die die Leitung des Gästeteams innehat, ist 2019 mehr oder weniger in das Team reingerutscht und hat es kennen und lieben gelernt. "Gerade weil man so viel mit den Gästen unterwegs ist und für sie da sein muss" habe man einen engeren Kontakt zu ihnen, erklären beide.  "Man kann die dann halt auch einfach Fragen was einen so interessiert, da haben vielleicht andere Mitglieder nicht so die Möglichkeit für. Bei uns ist es halt einfach unsere Aufgebe, deshalb haben wir natürlich mehr Möglichkeiten mit denen zu reden."

Prominente Gäste waren zum Beispiel 2019 der aus der Serie "Babylon Berlin" bekannte Schauspieler Julius Feldmeier und der Regisseur Malte Wirtz, dessen Film "Lichter der Stadt" die digitale Festivalausgabe 2020 eröffnete. Zur aktuellen Festivalausgabe sind viele andere Gäste wie der Schauspieler François Goeske ("Französisch für Anfänger"), die Filmemacherin Ulrike Ottinger und Andreas Kleinert, dessen Film "Lieber Thomas" das Festival 2021 eröffnen wird, geladen.  Milena und Johanna freuen sich in diesem Jahr besonders auf die Gespräche mit den Gästen und Zuschauern. 

Auch die Pandemieausgabe hatte etwas Positives

Auf das diesjährige Festival in Präsenz freuen sich sowohl die Ehrenamtlichen als auch die Zuschauer:innen. Die einzig gute Erfahrung, die das FILMZ-Team in der Coronapandemie gemacht habe, wäre auf die Gesprächsrunden mit den Filmschaffenden zurückzuführen. So erklärt Nik "das einzig Positive am online Festival letztes Jahr war, das die Gespräche mit den Filmschaffenden nicht nach zwei Fragen aus Zeitgründen abgebrochen wurden, sondern solange man es wollte und brauchte fortgesetzt werden konnten." Moritz vom Finanzteam erzählt außerdem, dass das letzte Filmfestival auf Grund der rein digitalen Durchführung viel billiger gewesen sei. Aus diesem Grund hätten sie auch einen Teil der Förderung zurückgezahlt, weil sie einfach nicht gebraucht wurde.

Bei der Festivalausgabe 2021 freut sich Milena als Mitglied in der Gästebetreuung schon ganz besonders auf die diesjährigen Filmschaffenden aber auch das Zusammenkommen der Arbeit jedes einzelnen Teams "Das Coolste ist während dem Festival zu sehen, was man zusammen im Verein auf die Beine gestellt hat, mit wenig Möglichkeiten."

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