"Den Moment genießen" – Niklas Kaul holt Gold im Zehnkampf bei der WM

15.10.2019
Campus-News
chh

"But first, let me take a selfie!" Der frisch gebackene Champion Niklas Kaul mit dem stolzen Universitätspräsident Prof. Dr. Krausch bei der Begrüßung der Erstsemester der JGU Mainz.

Stolz grinsen der frisch gebackene Zehnkampfweltmeister Niklas Kaul und Oberbürgermeister Michael Ebling in die Kamera. Soeben trug sich der Zehnkämpfer in das Goldene Buch der Stadt Mainz ein.

Der Lehramtsstudent der JGU Niklas Kaul vollbrachte bei der Weltmeisterschaft in Doha Unglaubliches und sicherte sich Gold in der Gesamtwertung. In Mainz wurde er dafür im Rathaus und der Uni geehrt.

Der Student und Zehnkämpfer Niklas Kaul konnte in seiner jungen Laufbahn bereits einige Erfolge verzeichnen. Mit mehreren Goldmedaillen und EM-Titeln zeigt er, dass er seine Karriere im Leistungssport trotz Doppelbelastung durch das Lehramtsstudium Physik und Sport erfolgreich meistert. Jetzt kann der Mainzer, der an der Johannes Gutenberg-Universität studiert, auch noch einen neuen Weltrekord im Speerwurf und den Weltmeistertitel verbuchen. Für diese Überraschung sorgte er bei der Leichtathletik-WM 2019 in Doha (Katar) im Zehnkampf.

Im zweitägigen Wettkampf vom 2. bis zum 3. Oktober zeigte er hochkonzentriert Topleistungen in den verschiedenen Disziplinen und erbrachte seine persönliche Bestleistung im Speerwurf. Mit dem 1500-Meter-Lauf ließ er seine Konkurrenten hinter sich und sicherte sich die Goldmedaille. 

Goldene Ehrungen für die Goldmedaille

Pünktlich zum Semesterbeginn landete der neue und jüngste Zehnkampf-Weltmeister nun wieder in Frankfurt und wird nicht nur von seinen Liebsten empfangen. Für den Erfolg seines WM-Debüts wurde der erst 21-jährige am 5. Oktober in Mainz im Rathaus geehrt und trug sich als jüngster Zehnkampfweltmeister in das Goldene Buch der Stadt ein. Dabei ist er sichtlich berührt, bei seiner Unterschrift sogar aufgeregt.

"Ich glaube, ich habe noch nie vor so vielen Leuten gesprochen", gesteht Kaul auch ein paar Tage später bei der Begrüßung der neuen Studierenden durch Universitätspräsidenten Prof. Dr. Georg Krausch. Auch hier wurde der Weltmeister für seine Erfolge gefeiert: Nachdem er sich auch in das Goldene Buch der Johannes Gutenberg-Universität eintragen durfte, bedankt er sich am Rednerpult bei der JGU, die seinen Verein und ihn in seiner dualen Karriere unterstützt. Er verfolgt die gesamte Veranstaltung und macht am Ende der Veranstaltung zusammen mit Prof. Dr. Krausch ein Selfie mit den Anwesenden. Seine zitternden Hände zeigen deutlich, dass solche Situationen für den Zehnkampf-Weltmeister noch nicht alltäglich sind.

Zehnkampf – Was ist das eigentlich?

Zehnkämpfer gelten als die "Könige der Athleten". In den zehn Disziplinen, die einen hohen Grad an Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination erfordern, wird in Wurf-, Sprung- und Laufdisziplinen um wertvolle Punkte, Zentimeter und Millisekunden gekämpft. Der Wettkampf wird an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen und erfordert ungeheure Willenskraft und Konzentration.

Am ersten Tag werden die Disziplinen 100-Meter-Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung und 400-Meter-Lauf geprüft. Tag 2 beginnt mit 110 Meter Hürden, die Kategorien Diskuswurf, Stabhochsprung und Speerwurf folgen danach. Mit dem 1500-Meter-Lauf wird der Wettkampf, der pro Tag bis zu 13 Stunden andauern kann, beendet. Der Athlet hat bei allen Wurf- und Sprungdisziplinen jeweils drei Versuche und versucht mit seinem besten gültigen Ergebnis Punkte zu erreichen. Diese Punkte werden nach einem Leistungsschlüssel vergeben, der sich an den Weltrekorden in den einzelnen Disziplinen orientiert.

Aufholjagd zur Goldmedaille

Auch Niklas Kaul hatte der Wettkampf einiges abverlangt. Beide Tage hatte er nicht nur mit Magenschmerzen zu kämpfen, sondern musste zudem der Müdigkeit und Erschöpfung standhalten, mit denen die Athlet:innen über die langen Wettkampftage konfrontiert werden. Nachdem er nach dem ersten Tag auf Rang 11 in der Gesamtwertung verblieb, sprach er selbst bereits von "Schadensbegrenzung".

Dass er sich an Tag 2 bis zur Goldmedaille vorkämpfte, hätte er selbst nicht für möglich gehalten: "Es fühlt sich sehr surreal an", berichtet der Sportler. "Dass es jetzt am Ende noch Gold geworden ist, kann ich selber noch nicht glauben und da brauche ich, glaube ich, einfach noch eins, zwei Tage.".

Neuer Spitzenrekord im Speerwurf

Die spektakuläre Aufholjagd, die er mit den Disziplinen Diskuswurf, Stabhochsprung, 1500-Meter und seiner Lieblingsdisziplin Speerwurf demonstrierte, beeindruckte nicht nur seine beiden deutschen Mitstreiter Tim Nowak (10. Platz) und Kai Kazmirek (17. Platz). Im Diskuswurf erzielte Kaul 49,20 Meter, im Stabhochsprung 5,00 Meter und mit einem gekonnten Speerwurf von überraschenden 79,05 Metern komplettierte der Zehnkämpfer eine Serie von drei persönlichen Bestleistungen. Bei letzterem löste er zudem den bisherigen Weltrekordhalter Leonel Suarez aus Kuba ab, der 2016 stolze 78,29 Meter warf.

Vor der letzten Disziplin, dem 1500-Meter-Lauf, gesteht Niklas Kaul im Nachhinein, "hatte ich Angst und war aufgeregt. Ich hatte Angst, alles zu ruinieren." Doch auch diese Angst meisterte er mit einer Zeit von 4:15,7 Minuten. Mit einer Gesamtwertung von 8691 Punkten ist Kaul nicht nur der jüngste Weltmeister im Zehnkampf, auch ist er nach DDR-Athlet Torsten Voss 1987 erst der zweite Deutsche mit diesem Weltmeistertitel.

Nächster Stopp: Tokio, aber erstmal wieder Uni

Somit gilt er auch als großer Favorit für die olympischen Spiele, die 2020 in Tokio stattfinden. Auf die Frage hin, wie er durch seinen Titel mit dem stärkeren Druck in Zukunft umgehe, antwortet er jedoch gelassen: "Für mich ist es die gleiche Situation wie zwei, drei Tage bevor ich Weltmeister wurde: Ich will Spaß haben". Für die kommenden Wettkämpfe und die Olympischen Spiele wolle Kaul versuchen, aus allen Disziplinen noch mehr rauszuholen, insbesondere in den etwas weniger geliebten Schnellkraftdisziplinen.

Erstmal jedoch "genieße ich einfach den Moment", berichtet Kaul, bevor das Studium zum Wintersemester an der JGU für ihn weitergeht: "Es ist schön, wieder an der Uni zu sitzen." Er freue sich auf den wiederkehrenden Alltag, den er als gute Ablenkung betrachtet, um ihn nach den vielen Terminen zu "erden und auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen."

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