Das Queer*referat: Referat für schwule und bisexuelle Männer strukturiert sich neu

04.02.2020
Studium, Campus-News
jsc

Carlo Brauch, Lucas Görzen und Tobias Anspach (v.l.n.r.) haben als Vertreter des Referats für schwule und bisexuelle Männer in den vergangenen Monaten viel organisiert und reflektiert, um eine Erweiterung zum Queer*referat anzustoßen.

Nach einem langwierigen Prozess steht fest: Das Autonome Referat für schwule und bisexuelle Männer des AStA strukturiert sich zum Queer*referat um.

Das Queer*referat ist Teil einer Reihe weiterer Autonomer Referate des AStA, die sich für bestimmte studentische Gruppen einsetzen: Hierzu zählen das Referat für die Belange ausländischer Studierender, künftig Referat International, das Referat für die Belange behinderter und chronisch kranker Studierender, das Elternreferat, das Fachschaftenreferat sowie das AlleFrauen*-Referat. Nach der Genehmigung durch die Universitätsleitung wird das Autonome Referat für die Belange schwuler und bisexueller Männer in den kommenden Wochen zum Queer*referat erweitert. Damit richtet es sich u.a. auch an nicht-heterosexuelle Frauen und nichtbinäre Studierende. Rechtskräftig wird die Reform durch die Ankündigung im Veröffentlichungsblatt der Universität, die für Februar/März 2020 geplant ist. Bereits am 5. Juni 2019 wurde der Antrag des Schwulenreferats, der diese Erweiterung einleitete, vom Studierendenparlament (StuPa) einstimmig verabschiedet. 

Vom StuPa zur Universitätsleitung

Doch mit der Verabschiedung des Änderungsantrags an der Satzung der Verfassten Studierendenschaft durch das StuPa wurde die Reform noch nicht wirksam: Denn die Formulierung, die vom StuPa bestätigt wurde, beruht auf einer neuen Fassung der gesamten Satzung. Das StuPa hat ihr zwar zugestimmt, sie ist aber noch nicht in Kraft getreten. Dafür musste sie von der Universitätsleitung genehmigt werden, genauer gesagt von der Stabsstelle Rechtsangelegenheiten und der Finanzabteilung. Eine solche Überprüfung durch die Rechtsabteilung kann eine Vielzahl von Fehlern aufdecken, von Rechtschreibfehlern über falsche Verweise bis zu Verstößen gegen das Hochschulgesetz. Sind alle Kritikpunkte beseitigt, wird die Änderung mit der Unterschrift vom Präsidialbereich und der Veröffentlichung im monatlichen Veröffentlichungsblatt rechtskräftig.

Dass die Genehmigung nach der Übersendung der Anträge am 31. Juni vom StuPa an die Universitätsleitung ein halbes Jahr auf sich warten ließ, hat für Lucas Görzen, einen der drei aktuellen Referenten, mit der Auslastung der Rechtsabteilung, aber möglicherweise auch mit anderen Prioritäten zu tun: "Vielleicht ist der Unileitung das nicht das größte Anliegen. Möglicherweise interpretieren diese Menschen die Priorität dieser Angelegenheit anders als wir das tun, sag ich mal ganz diplomatisch. Aber natürlich haben sie auch viel zu tun."

Doch Lucas erlebt nicht zum ersten Mal monatelange Wartezeiten in der Referatsarbeit: Die Ausweitung des Referats für schwule Männer zum Referat für schwule und bisexuelle Männer habe von 2015 bis 2016 fast ein Jahr gedauert: "Manchmal mahlen die Mühlen der Hochschulpolitik sehr lange", so Lucas. Dass sie damals nur für eine kleinere Erweiterung eintreten konnten, begründet er damit, dass nur ein kleinerer Arbeitsaufwand in der damaligen Situation leistbar gewesen sei.

Langjährige Erweiterungsbestrebungen

Den Wunsch, das Referat für schwule und bisexuelle Männer mehr Studierenden zugänglich zu machen, habe es allerdings bereits in den vergangenen Jahren gegeben, so Lucas. Dass die Umstrukturierung erst in den letzten Monaten an Fahrt aufgenommen habe, liege daran, dass erst in der Legislatur vom Dezember 2018 bis zum Dezember 2019 alle Verantwortlichen des Referats genug Zeit, Energie und Elan gehabt hätten, um die Erweiterung voranzutreiben.

"Wenn man sich mal überlegt, wie viele Leute ausgeschlossen wurden, ist das eine sehr, sehr große Menge, möglicherweise eine noch größere Menge, als wir bisher eingeschlossen haben. Schwule und bisexuelle Männer sind vielleicht maximal 40 Prozent der queeren* Studierendenschaft", reflektiert Lucas. Es tue ihm weh, interessierte queere Studierende noch abweisen zu müssen.

Zwar habe das Referat für schwule und bisexuelle Männer bisher versucht, "immer ein Programm allgemein für queere* Studierende zu machen", jedoch kann nach der bisherigen Satzung nur wählen und sich selbst wählen lassen, wer sich als schwuler oder bisexueller Mann identifiziert. Dieses aktive und passive Wahlrecht zu erweitern, bezweckt nun der Änderungsantrag: So öffnet sich das Referat für "die Belange aller Studierender, die sich auf einem Spektrum von Aromantik, Asexualität, Biromantik, Bisexualität, Homoromantik, Homosexualität, Intergeschlechtlichkeit, geschlechtlicher Nichtbinärität, Panromantik, Pansexualität, Transgeschlechtlichkeit oder Queer* befinden."

Lucas hofft, dass durch die Erweiterung mit den nächsten planmäßigen Referent:innenwahlen im Dezember 2020 mehr queere* Studierende Teil des umstrukturierten Referats werden. Er spricht sich aber dagegen aus, Referent:innen jeweils nur für die Belange einzelner Gruppen einzusetzen: "Es gibt nach wie vor drei Plätze", betont Lucas. Er zeigt sich auch zuversichtlich, dass die Umstrukturierung mit vielfältigeren Angeboten für die Studierenden einhergehen wird, die nach der Erweiterung zum Queer*referat, so hofft er, besser repräsentiert werden können.

Mehr Bezugsgruppen = mehr Budget?

Obwohl das Referat in Zukunft mehr Bezugsgruppen repräsentieren wird, ist sein Budget zurzeit noch nicht signifikant erweitert worden. Lucas sieht die gegenwärtige finanzielle Situation eher entspannt: "Wir leben nicht in Luxus oder können nicht Gelder rausschmeißen. Aber das, was wir machen, können wir schon okay umsetzen mit den Geldern, die wir haben."

Anträge auf ein höheres Budget angesichts der größeren Zielgruppe hält er erst für sinnvoll, wenn die Umstrukturierung abgeschlossen ist, neue Referent:innen im Amt sind und sie eigene Vorschläge einbringen, bei denen eher abgeschätzt werden kann, wie viel die Vorhaben kosten werden.

Unterstützung innerhalb und jenseits des Campus

Bei der Vorbereitung der Erweiterung zum Queer*referat holten die Referenten sich auch Hilfe und Inspiration von anderen Studierenden: Zum einen wurden auf einem offenen Treffen an der JGU Mainz alle interessierten Studierenden dazu angeregt, den Änderungsantrag vor seiner Vorstellung im StuPa kritisch zu beleuchten und neue Aspekte darin aufzunehmen. "Ich glaube wirklich, dass sich unser Satzungsänderungsvorschlag dadurch verbessert hat, weil einfach nochmal andere Perspektiven reingekommen sind", vermutet Lucas.

Zum anderen vernetzten sich die Referenten mit anderen Referatsmitgliedern in ganz Deutschland. Mithilfe von zahlreichen Queer*-, Schwulen- und Bisexuellenreferaten bundesweit erarbeiteten sie Formulierungen und Arbeitsweisen für ihr Engagement an der JGU und verschafften sich einen Überblick über die aufwändige Organisation des Übergangs. Lucas musste dabei mit den anderen Referenten aber auch feststellen: "Wie Studierendenschaften organisiert sind, ist deutschlandweit sehr unterschiedlich." So spielen etwa die Satzung der Verfassten Studierendenschaft oder das StuPa nicht überall eine so große Rolle bei der Umstrukturierung wie an der JGU.

Mehr Schnittpunkte mit dem AlleFrauen*-Referat

Durch die Umstrukturierung vom Referat für die Belange schwuler und bisexueller Männer zum Queer*referat ergeben sich größere Überschneidungen mit dem AlleFrauenReferat. Dass nun etwa für lesbische Frauen mehr Anlaufstellen verfügbar sind, etwa zur Unterstützung gegen Diskriminierung, sieht Lucas positiv. Beide Referate haben bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet, etwa mit Blick auf queere* Magazine und gemeinsame Veranstaltungen. Lucas ist zuversichtlich, dass mit der Erweiterung der Zielgruppe und den damit wachsenden Überschneidungen solche Kooperationen künftig noch zunehmen werden. Während der Umstrukturierung des Referats habe man sich mehrmals miteinander abgesprochen.

Doch nicht nur Veranstaltungen mit dem AlleFrauen*-Referat sind das Ziel: Zur Feier der Erweiterung zum Queer*referat ziehen die Referenten auch in Betracht, einen größer angelegten "Öffnungssektempfang" zu veranstalten, sobald die Satzungsänderung in Kraft getreten ist. Dabei soll nach Lucas im Mittelpunkt stehen, "alle Leute willkommen zu heißen, die jetzt neu Teil der Wähler:innengruppe und der Gewähltengruppe sind."

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