Das Ende einer Hochschulgruppe

02.05.2018
Freizeit
Gastbeitrag von Elisabeth Neuhaus

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Drei Jahrzehnte lang war "communicate!" als "Studenteninitiative für Marketing und Medien" aktiv. Im vergangenen Sommersemester lösten die verbleibenden Mitglieder den dahinterstehenden Verein auf. Warum?

Was ist "communicate!"?

Die Zwischenstellung steckte schon im Slogan. Eine Initiative für "Marketing und Medien" muss irgendwo zwischen Georg-Forster-Gebäude und Rewi-Bau angesiedelt sein. Marketing heißt Geld verdienen, Medien heißt in diesem Zusammenhang etwa so viel wie Imageaufbau und Reputationspflege. Und so war der eingetragene Verein zwar offiziell am Institut für Publizistik (IfP) am Fachbereich 02 ansässig, arbeitete eigenen Angaben zufolge aber auch eng mit dem Lehrstuhl für Marketing am Fachbereich 03 zusammen. Entsprechend kamen auch die meisten Mitglieder aus der Publizistik oder der Wirtschaftswissenschaft.
 
Seine Hauptaufgabe sah communicate! in einer Funktion als "Vermittlungszentrale zwischen Studierenden und Unternehmen" – so ist es noch heute auf der Webseite nachzulesen. Man wollte die Studis mithilfe von Vorträgen, Workshops und Exkursionen fit machen für die Praxis und die Firmen wiederum mit "Talenten von morgen" zusammenbringen. Mitglieder sollten sich ein Netzwerk aufbauen können und darüber bestenfalls schon vor Ende ihres Studiums etwa über Praktika oder Werkstudententätigkeiten einen Fuß in die Arbeitgebertür kriegen.
 
Damian Theato, der als letzter communicate!-Vorstand die Vereinsauflösung einleitete, erklärt, der Fokus der Initiative habe auf dem Marketingbereich gelegen. So besorgte sich communicate! in den vergangenen Jahren regelmäßig die Filmrolle des Werbefestivals Cannes Lions und zeigte die mit dem Löwen-Award ausgezeichneten Werbespots in einer Art Kino-Event.

Zu wenige aktive Mitglieder

Das Ende von communicate! begründet Theato damit, dass zum Schluss nur noch zwölf Mitglieder dabei gewesen seien, von denen acht – darunter Theato sowie seine Vorstandskollegin – das Studium beendet hätten. Zu wenig, um weiterzumachen. Der Beschluss, den Verein zum Sommersemester 2017 aufzulösen, sei demnach bereits im Winter 2016 gefallen. Anfang November 2016 hatte der Verein noch einen Infoabend und einen Sektempfang ausgerichtet. Das geht noch aus der Webseite hervor. Genügend Interessierte, die den Verein hätten weiterführen können, waren dabei offenbar nicht zusammengekommen.
 
Dass zuletzt nur noch sehr wenige Studierende bei communicate! dabei waren, kann sich Theato nicht so recht erklären. Das Engagement sei in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Er könne nur mutmaßen, "dass Kommunikation und Werbung generell an der JGU – vor allem im Bachelor – nicht so stark im Fokus stehen."

"Kommoguntia" vs. "Communicate!"

Die vier verbleibenden Mitglieder seien zur studentischen PR-Initiative Kommoguntia gewechselt, sagt Theato. Kommoguntia ist beim IfP am Arbeitsbereich für Unternehmenskommunikation angesiedelt. Kooperationen mit den Medienblättern Horizont und W&V seien ebenfalls in die Hände des "anderen Medienvereins" an der JGU übergegangen.
 
Studis und Unternehmen wollten beide Initiativen von Anfang an vernetzen. Kommoguntia ist allerdings deutlich jünger: Während der communicate!-Verein laut erster Eintragung beim Amtsgericht bereits seit 1987 existierte, wurde Kommoguntia erst 2010 gegründet. Der Hauptunterschied lag Theato zufolge in der Ausrichtung der Vereine: "Bei Kommoguntia liegt der Fokus auf PR. Wir haben uns auf Marketing, Kommunikation und Werbung konzentriert." Entsprechend seien auch die Praxispartner der Vereine andere gewesen.

Das Ende nach 30 Jahren

Obwohl sich Kommoguntia in den letzten Jahren seit der Gründung spürbar professionalisierte, habe man die jüngere Kommunikationsinitiative nicht als Konkurrenz empfunden, so Theato: "Für uns war Kommoguntia eine logische Ergänzung der Angebote an der Universität."
 
Leicht sei den Vereinsmitgliedern die Entscheidung nicht gefallen, die Initiative ausgerechnet nach genau 30 Jahren endgültig einzustampfen. "Wir waren schon traurig. Immerhin habe ich meine komplette Bachelorzeit bei communicate! verbracht", sagt Theato. Reaktionen auf den Schritt des Vorstands, beispielsweise von den communicate!-Gründungsmitgliedern, habe es bisher aber nicht gegeben.

 

 

Dieser Artikel wurde in ähnlicher Form im Publizissimus, der studentischen Fachschaftszeitung der Publizisten, im Wintersemester 2016/17 veröffentlicht. Die Bearbeitung für die Redaktion von campus-mainz.net übernahmen Daniel Böcher und Elisabeth Brachmann. Dem Publizissimus kann man auf Facebook und Instagram folgen.

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