Cui bono? Aufbegehren gegen die Latinumspflicht

22.02.2018
Campus-News, Studium
jsc

Mehr Freiheit in Studiengängen romanischer Sprachen – das fordert eine Petition gegen die Latinumspflicht im Lehramtsstudium.

Das Lehramtsstudium romanischer Sprachen setzt in Rheinland-Pfalz das Latinum voraus. Doch die Prüfung ist vielen ein Dorn im Auge. So auch Johann Everding, der eine Petition dagegen gestartet hat.

In seiner Petition an das rheinland-pfälzische Bildungsministerium fordert er, den Fachbereichsräten der Universitäten bei der Veränderung der betroffenen Prüfungsordnungen mehr Handlungsspielraum zu ermöglichen. Derzeit müsse eine derartige Veränderung noch von allen rheinland-pfälzischen Universitäten in gleichem Maße umgesetzt werden, was eine Änderung der Anforderungen erheblich erschwere. 

Regionale Regelungen statt einheitlicher Standards

Laut Everding sollen die Universitäten selbstständig entscheiden können, wie und ob sie die Lateinkenntnisse der Studierenden prüfen. Als mögliche Alternative zur überregionalen Prüfung könne beispielsweise ein universitätsinterner Lateinkurs dienen, der mit einer eigenen Prüfung abgeschlossen wird. Sie soll flexibler gesetzt werden können und so terminliche Probleme lösen.  Denn bisher sei es oft zu Überschneidungen der überregionalen Latinumsprüfungen mit den im Bachelor of Education vorgesehenen Schulpraktika sowie dem Uniwechsel im Mainz-Dijon-Austauschprogramm der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Université de Bourgogne in Dijon gekommen. 

Eine Uni, zwei Systeme

Doch unterschiedliche Anforderungen finden sich bereits gegenwärtig innerhalb der rheinland-pfälzischen Universitäten: Wer romanische Sprachen wie Spanisch, Italienisch und Französisch an der JGU mit dem Ziel Bachelor of Arts studiert, für den ist das Latinum im Gegensatz zu den Lehramtsstudierenden nicht mehr verpflichtend. Allerdings müssen sowohl Bachelor of Arts- als auch Bachelor of Education-Studierende der Fächer Geschichte, Griechisch und Latein einen derartigen Nachweis im Laufe ihres Studiums erbringen. Ähnlich sieht es auch an den Universitäten in Koblenz, Landau und Trier aus, wobei diese Hochschulen das Studium der betroffenen Sprachen nicht alle anbieten.

Es geht auch anders

Dass ein Lehramtsstudium romanischer Sprachen ohne Latinum möglich ist, zeigt beispielsweise die Goethe-Universität im benachbarten Frankfurt am Main. Für viele Studierende spielt auch die Zeit eine Rolle: Wer das Latinum machen muss und durch die Prüfung fällt, kann häufig nicht dem Regelstudienverlauf folgen und verliert so unter Umständen bereits nach dem vierten Semester den Anspruch auf BAföG. Studierende der Ruhr-Universität Bochum starteten deshalb bereits 2015 eine Petition  – mit Erfolg. 2016 wurde die Latinumspflicht für das Lehramt für die Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch in NRW gestrichen, für Geschichte und Philosophie braucht man nur noch das kleine Latinum.

Widerstand mit Tradition

Als Reaktion auf die Reformen wurden bundesweit viele Studierende aktiv, um ähnliche Veränderungen an ihren Universitäten durchzusetzen. Unter ihnen war auch Julia Adams, Lehramtsstudentin an der JGU Mainz. Sie startete eine Petition, allerdings blieb ihre Initiative trotz der 724 Mitunterzeichner erfolglos.

Johann Everding hat bisher zwar lediglich 303 Mitunterzeichner für sein Anliegen gefunden, allerdings ist seine Petition damit derzeit die populärste laufende Anfrage für den rheinland-pfälzischen Landtag. Die Mitunterzeichnungsfrist endet am 27. Februar 2018. Wie die rheinland-pfälzischen Hochschulen selbst zu den Forderungen der Studierenden stehen, bleibt noch abzuwarten.

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