Buntes Partyleben weicht grauer Einsamkeit

10.01.2021
Essen, Freizeit
sho

Das sonst so freundliche Lächeln des Qkaff-Besitzers Andreas Licht lässt sich zu aktuellen Zeiten, in denen ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen ist, nur erahnen.

An einem Ort, der normalerweise von buntem Treiben und Freude erfüllt ist, herrschen zurzeit Stille und Einsamkeit.

Statt Party, Musik und Miteinander heißt es momentan im sonst so belebten und beliebten Kulturcafé Abstand, Maske und Essen nur To-Go. Ein Blick hinter die Kulissen eines Herzstücks des Campus der JGU Mainz.

Ob ein gemütlicher Nachmittag mit Freund:innen, ein Kaffee in der Mittagspause oder eine ausgiebige Einführung in das Kultur- und Partyleben im Studierendenalltag – wer nach diesen Dingen sucht, kommt um eine Institution auf dem Mainzer Universitätscampus nicht herum: das Kulturcafé (kurz: Qkaff). Dieser Ort zählt, wie der Name schon vermuten lässt, zu den kulturellen Hotspots der Mainzer Studierendenkultur und ist bereits seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil des Universitätscampus.

Doch auch ein sonst so lebhafter und gut besuchter Ort wie das Kulturcafé bleibt von den aktuellen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie nicht verschont. An einem Ort, der normalerweise von buntem Treiben gefüllt ist, an einem Ort, der vom Miteinander unterschiedlichster Menschen lebt, herrscht momentan gähnende Leere.

Zwar bietet das Qkaff derzeit Essen und Getränke To-Go an, doch da ein Großteil der eigentlichen Präsenzveranstaltungen der Universität seit dem Sommersemester 2020 Online stattfinden, sind derzeit kaum Studierende oder Mitarbeitende der Universität auf dem Campus. Folglich fehlt es dem Kulturcafé an Besucher:innen und Kund:innen. Da seit Mitte Dezember 2020 erneut der Gastronomiebetrieb vor Ort untersagt ist, wird das Kulturcafé auch weiterhin seine Türen nur für To-Go-Kunden öffnen können.

Finanzielle Unterstützung für das Qkaff

Im Gespräch mit Herrn Andreas Licht, dem Betriebsleiter des Kulturcafés, wird deutlich, dass gerade die Gastronomie-Branche stark unter der Corona-Pandemie leidet. Das Kulturcafé wird traditionell vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der JGU Mainz unterstützt, denn der AStA nutzt die Fläche des Qkaffs auch für seine Veranstaltungen. Da momentan jedoch alle Veranstaltungen wie Kulturabende, die Semestereröffnungsfeten und Fachschaftspartys als große Einnahmequelle wegfallen, ist das Kulturcafé nun auf weitere Unterstützung angewiesen.

Dabei setzt das Qkaff auf die Finanzhilfen der Bundesregierung, die beispielsweise Ende November 2020 ausgezahlt wurden. Zudem hat Herr Licht eine GoFundMe-Kampagne ins Leben gerufen, um Spenden zu sammeln.

Die besagten Novemberhilfen, die bereits Ende November ausgezahlt werden sollten, sollen laut Bundesregierung nun aber erst Mitte Januar ausgezahlt werden. Zudem kann diese Art der finanziellen Unterstützung noch bis einschließlich 31. Januar 2021 beantragt werden.

Im Interview gibt Andreas Licht Anfang Dezember 2020 Einblicke in die aktuelle Lage, die momentane Stimmung und den Gemütszustand im sonst so fröhlichen Kulturcafé.

Wofür steht das Kulturcafé Ihrer Meinung nach in drei Worten zusammengefasst?

Licht: Studentisches Leben, Party und Verpflegung.

Seit wann gibt es das Kulturcafé und was macht diesen Ort so besonders?

Licht: Das heutige Kulturcafé wurde 1996 unter dem Namen "AStA Kulturcafé" als alternativer Begegnungs- und Verpflegungsort ins Leben gerufen. Das Konzept ist bis heute gleichgeblieben und wir arbeiten noch immer mit dem AStA zusammen. Montags bis mittwochs bieten wir Live-Musik, Kleinkunst, Jazz und sonstige Veranstaltungen an. Donnerstag bis Samstag sind die Party-Tage, die das Ganze, also die kulturellen Veranstaltungen, finanzieren sollen.

Was sind Ihre Intentionen? Was wollen Sie mit diesem Ort an Studierende und an Außenstehende vermitteln?

Licht: Eine wichtige Intention vom AStA war es, Arbeitsplätze für Studierende anzubieten. Wir sind einfach ein Kommunikationszentrum. Normalerweise würden hier jetzt lauter Leute sitzen, sich unterhalten, arbeiten. Wichtig ist vor allem, dass unsere Gäste tagsüber nicht dazu gezwungen sind, etwas zu kaufen, sondern auch einfach ihre eigene Verpflegung, Essen sowie Getränke mitbringen können. Das ist für uns ein wichtiger Aspekt, einfach ein studentisches Leben auf dem Campus anzubieten, unabhängig von den Mensen.

"Wie Tom Hanks in 'Cast Away'"

In Bezug auf 2020: Wie hart trifft Sie die aktuelle Situation? Was hat sich grundlegend verändert?

Licht: Es ist einfach das Fehlen von Leben. Im Sommer ging es noch, da hatten wir unseren Biergarten, wir haben Konzerte veranstaltet, da hat man noch das Gefühl dafür gehabt. Aber mittlerweile sind ja auch kaum noch Leute auf dem Campus. Man kann diese Situation mit Western-Filmen vergleichen, mit Szenen, in denen einsame Strohballen durch das Bild wehen – genau so kommt man sich im Moment auf dem Campus vor. Oder wie Tom Hanks* in "Cast Away".

Wie ist die momentane Gefühlslage?

Licht: Schwankend. Im Oktober hatten wir uns noch auf den November gefreut, weil es hieß, dass es wieder Präsenzveranstaltungen geben wird. Dann kam der "Lockdown-Light". Man hatte sich vorbereitet, man hat Sachen angeschafft und das leider letztendlich für nichts, weil eben momentan niemand da ist. Wir hoffen einfach auf den nächsten Sommer und dass dann wieder mehr stattfinden wird; dass es ab April wieder losgeht mit den Präsenzveranstaltungen und dass man endlich wieder weiß, wofür man arbeitet. Im Moment sind wir eigentlich nur hier, damit wir nicht zu Hause sind.

"Sich aktuell zu motivieren ist schwer."

Was macht die Arbeit momentan besonders schwer?

Licht: Schwer macht es, dass keiner da ist. Dass man sich immer wieder motivieren muss, irgendetwas zu tun, und nicht nur Trübsal bläst und die Sachen auf sich zukommen lässt. Man kann die Zeit nutzen, um aufzuräumen oder zu putzen, aber es ist tatsächlich eine Kraftanstrengung, sich dazu zu motivieren, gerade weil es so langweilig ist.

Wenn man die momentane Corona-Situation einmal außer Acht lässt: Was macht Ihnen an der Arbeit im Kulturcafé am meisten Spaß?

Licht: Der Kontakt mit Menschen, der momentan nicht da ist. Es sind aktuell immer die gleichen drei Leute, mit denen man hier täglich zu tun hat. Normalerweise würden alleine vom Personal hier mindestens fünf Leute herumspringen, das ist gerade eben nicht gegeben.

Gab es eigentlich trotz allem 2020 auch positive Momente?

Licht: Ja, tatsächlich die Veranstaltungen, die wir vergangenen Sommer im Biergarten gemacht haben. Früher haben wir, auch im Sommer, alles drinnen gemacht. Gerade die Konzerte waren diesen Sommer ein schönes Erlebnis, das wir auch für nächsten Sommer mitnehmen; dass wir eben vermehrt auch draußen Konzerte und sonstige Veranstaltungen anbieten werden.

Was ist für Sie aktuell schlimmer: finanzielle Aspekte, also weniger Einnahmen, oder kulturelle Aspekte wie weniger Trubel, Leute und weniger Miteinander?

Licht: Beides. Also tatsächlich sind wir finanziell nicht so sehr am Verzweifeln, wir hoffen auf die groß angekündigte Novemberhilfe, die ja jetzt immerhin letzten Freitag (Anm. d. Red.: am 27.11.2020) freigeschaltet wurde.

"Trotzdem fühlen sich viele allein gelassen."

Die Gastronomie ist einer der Bereiche, die momentan mitunter am stärksten unter den Corona-Maßnahmen leidet. Wenn Sie jetzt die Chance hätten, ein Statement an die Regierung abzugeben, was würden Sie an dieser Stelle gerne loswerden?

Licht: Ich glaube, was guttun würde, wären mehr Transparenz und mehr Ehrlichkeit. Ein einfaches Statement der Bundesregierung im Sinne von: "Ja, wir wissen selbst nicht so genau, was wir tun können, aber wir tun unser Bestes und es sind eben Maßnahmen, die getroffen werden müssen" - das würde schon helfen. Als der zweite Lockdown kam, haben viele meiner Kollegen gesagt, dass wir in der Gastronomie doch ausgereifte Hygienekonzepte entworfen haben, wir haben so gesehen auch die niedrigsten Infektionszahlen. Klar, man muss natürlich auch beachten, dass die Leute zu den Gastronomien oft mit Bus und Bahn anreisen, das muss natürlich auch eingeschränkt werden. Trotzdem fühlen sich viele allein gelassen. Im Dezember geht es ja nun weiter mit dem "Lockdown Light" – ich würde mir einfach eine größere Planungssicherheit wünschen.

Und welche Botschaft haben Sie sowohl an Ihre Stammgäste als auch all die Menschen, die normalerweise gerne und oft in das Kulturcafé gehen?

Licht: Wir sind auch im nächsten Jahr für euch da!

Und nun noch eine letzte Frage zum Abschluss: Für was sind Sie momentan, trotz allem, besonders dankbar?

Licht: Für die Leute, die trotzdem zu uns kommen und immer Zeit für kurze, aufmunternde Worte haben. Für die Menschen, die uns weiterhin unterstützen. 

Herzlichen Dank Ihnen für dieses Gespräch.

 

 

* Anm. d. Red.: Im Interview sprach Herr Licht von Tom Cruise in "Cast Away". Die Rolle wird allerdings von Tom Hanks gespielt.

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