Blick über den Campusrand: Deutschland, Nigeria, Nicaragua

12.09.2018
Studium, Internationales
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Gibt es in Deutschland mittlerweile zu viele Studierende?

Pünktlich zur Prüfungsphase haben sich viele Mainzer Studis in die Uni-Bib oder die persönliche Lernhöhle verkrochen. In der Zwischenzeit hat sich fernab des JGU Campus einiges getan.

Deutschland im Akademisierungswahn?

Die Zahl der immatrikulierten Studierenden ist zuletzt auf 2,84 Millionen angestiegen. So viele Studierende gab es in Deutschland noch nie zuvor. Doch ist das zu viel? Ist ein Studium für junge Schulabsolventen mittlerweile so viel attraktiver als eine klassische Ausbildung? Politiker sprechen sich immer wieder für eine Stärkung von Ausbildungsberufen im Gegensatz zu einem Hochschulstudium in Deutschland aus. Die Gefahr einer "Überakademisierung" können Bildungswissenschaftler jedoch nicht bestätigen. Aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zeigen, dass die Arbeitslosenquote unter Akademikern nicht nur am niedrigsten ist, sie ist sogar in den letzten Jahren noch gesunken.

Aus Sicht einer Expertin für berufliche Bildung hinge der Rückgang der Azubis nicht mit der hohen Attraktivität eines Studiums zusammen. Ursache sei ein dringender Verbesserungsbedarf bei der dualen Ausbildung. In manchen Regionen gebe es beispielsweise schlicht zu wenige Ausbildungsplätze für alle Interessierten. Oftmals wichen auch Vorstellungen der Azubis von Gehalt, Arbeitszeiten und Aufstiegsmöglichkeiten stark von der Realität ab. Ein attraktives Zukunftsmodell sind für sie duale Studiengänge, bei denen man abwechselnd Zeit im Betrieb und an der Hochschule verbringt.

Recht auf Kopftuch

Die nigerianische Jura-Studentin Amasa Firdaus wurde endlich als Rechtsanwältin zugelassen. Vor einigen Monaten wurde ihr der Zutritt zur Abschlussfeier verwehrt, weil sie sich weigerte, ihr Kopftuch unter der Anwaltsperücke abzulegen. Gemäß einem Bericht der BBC ließ man sie aus diesem Grund nicht zu der Zeremonie zu.

Firdaus berief sich auf das Recht der Religionsfreiheit, das in der nigerianischen Verfassung festgeschrieben ist. Dies hätten die Obrigkeiten der Universität verletzt, indem sie ihre Teilnahme an der Abschlusszeremonie verhindert hätten. Daraufhin konnte sie mit etwa 1500 anderen Studierenden in der Hauptstadt Abuja graduieren. In den sozialen Medien gratulierten der jungen Muslima zahlreiche Menschen, darunter auch ein Berater des Präsidenten Muhammadu Buhari, zu ihrem Abschluss.

Studienkredit? Nein, danke!

Immer weniger deutsche Studis nehmen einen Studienkredit in Anspruch. Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Zwischen 2014 und 2017 ist die Anzahl der neu abgeschlossenen Verträge für einen Studienkredit von 59 000 auf 41 000 gesunken. Trotz wachsender Studierendenzahlen ist das ein Rückgang von knapp einem Drittel. Die Zahlen stammen aus dem Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Laut dem Test finanzierten mehr Studierende ihr Studium über einen Nebenjob und auch die Unterstützung aus dem Elternhaus könne eine bedeutsame Rolle spielen.

Studentenproteste enden tödlich

In Nicaragua sind bei Protesten zwei Studenten getötet worden. Dies bestätigte ein Sprecher der katholischen Kirche in dem mittelamerikanischen Land. Demnach hätten von der Regierung unterstützte Paramilitärs versucht, den Campus der National Autonomous University of Nicaragua wieder einzunehmen, den Studierende seit über zwei Monaten besetzt haben. Rund 100 von ihnen seien zusammen mit Priestern und Journalisten in eine Kirche geflüchtet, die daraufhin von den Paramilitärs belagert und offenbar auch beschossen wurde. Erst nach zwölf Stunden konnten kirchliche Vermittler offenbar die Befreiung der eingeschlossenen Demonstrierenden erwirken.

Die mehrheitlich studentisch organisierten Massenproteste, die ursprünglich gegen die geplanten Sozialreformen gerichtet waren, gehen nun direkt gegen den Präsidenten Daniel Ortega. Viele fordern seinen Rücktritt, weil sie ihn für korrupt und autoritär halten. Doch das lehnt Ortega, der seit elf Jahren an der Macht ist, kategorisch ab. Auch Vermittlungsversuche der katholischen Kirche blieben bisher erfolglos.

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