Blick in den Kühlschrank - Wohnen im Inter 2

26.04.2016
Wohnen, Wohnblog
Pia

Das Gemeinschaftsgeschirr in der Küche von Pias Wohngemeinschaft.

Auf der Suche nach freier Arbeitsfläche.

Ein Blick in Pias Kühlschrank.

Pias Kühlschranktür.

Die abschließbaren Fächer in Pias WG-Küche.

Der Blick in den Kühlschrank verrät mehr, als nur den persönlichen Geschmack. Er gibt auch preis, wie das WG-Leben organisiert ist. Im Falle des Studiwohnheims also: getrennt.

Eine WG hat Routinen. Es gibt Putz- und Einkaufspläne, Listen, Klebezettel, Absprachen, Lebensmittel zum Teilen, Gemeinschaftsgeschirr… Zumindest im besten Fall. Ich persönlich stelle mir das recht angenehm vor, so ein bisschen Durchblick und Organisation. Davon berichten kann ich jedoch nicht, denn in meiner Flurgemeinschaft im Studiwohnheim Inter 2 trifft nichts davon zu. Außer ab und zu ein paar Klebezettel, dazu später mehr.

Wohlfühlfaktor Kühlschrank 

„My Kühlschrank is my Castle“, das würde ich so unterschreiben. Daher bin ich wirklich dankbar (wie bereits in einem vorherigen Artikel  erwähnt), dass in meiner WG jeder Mitbewohner ein eigenes Exemplar  im Zimmer hat. Ich bin nicht super penibel und es muss auch nicht alles klinisch steril sein, aber wenn es um mein geliebtes Essen geht, verstehe ich keinen Spaß. 

Weil ich gerne esse, koche ich auch gerne. Oder andersherum. Aber in der WG ist das leider nur sehr beschränkt möglich. Da ich aus verschiedenen Gründen nicht mehr Zeit als nötig in meiner persönlichen „Küche des Schreckens“ verbringen möchte, ist mein Kühlschrank vor allem mit Dingen gefüllt, die sich schnell und ohne großen Aufwand zubereiten lassen. Gemüse, Pesto, viel Käse, Quark und Joghurt sowie einige Tiefkühlsachen sind in meinem Kühlschrank immer vorhanden. 

Zusätzlich zum eigenen Kühlschrank hat jeder ein festes Fach in der Küche, um sonstige Utensilien aufzubewahren. Neben Kochlöffeln, Essig und Öl, Nudeln und Reis, verstaue ich darin vor allem unzählige Gewürze. Diese Fächer kann man bei Bedarf auch abschließen.

Die restlichen Schränke und Schubladen beherbergen Relikte unserer Vorfahren. Ja wirklich, ich habe teilweise keine Ahnung, wem das alles gehört oder was es mal war. Kaputte Lampen, uralte Senfgläser, klebrige Pfützen, Elektrogeräte, deren Funktionen mir entweder unklar erscheinen oder vor lauter „Gebrauchsspuren“ nicht mehr ersichtlich sind und Verpackungen aller Art (gerne auch ohne Inhalt): Wir bewahren offensichtlich alles davon in unseren Küchenschränken auf. 

Kommunikation in der Küche

Dieses Wirrwarr an Gegenständen, das keinem so richtig gehört, ist meiner Meinung nach den fehlenden Absprachen geschuldet. Alles, was in einem Haushalt so benötigt wird, kauft jeder für sich. Auch Produkte, die nicht allzu oft in Benutzung sind, wie zum Beispiel außergewöhnliche Gewürze, werden nicht geteilt. Auch für Putzmittel, Grundnahrungsmittel und ähnliches gibt es keine Regelung innerhalb der WG. Somit sammelt sich pro Mitbewohner (zur Erinnerung: wie sind sieben Leute) Einiges an. 

Das Klopapier wird vom Studiwerk gestellt, immerhin darüber muss man sich keine Gedanken machen. Mein komplettes Geschirr bewahre ich mittlerweile in meinem Zimmer auf, da mein Fach in der Küche einfach zu klein dafür ist. Es gibt zwar das Gerücht von Gemeinschaftsgeschirr, aber dieses umfasst einen Haufen uralter und teilweise kaputter Töpfe und Pfannen, lieblos in eine Ecke geworfen, von denen der Großteil meist noch benutzt (aber selbstverständlich ungespült) in der Spüle oder auch noch auf dem Herd steht. 

So gibt es auch einen Kühlschrank, der aus einem Zimmer in die Küche verbannt wurde. Aber so richtig zuständig fühlt sich dafür keiner. Meistens liegen angebrochene Produkte darin und vor allem auch Dreck. Zur gemeinschaftlichen Nutzung lädt er daher nicht ein. Das einzige, was ganz gut funktioniert, ist die kleine private „Resterampe“. Wenn jemand für längere Zeit nicht in der WG ist, dann legt er einfach alles Verderbliche auf einen freien Fleck der Arbeitsfläche, sofern einer zu finden ist, und versieht es mit einem Klebezettel. Es ist dann sozusagen für alle Mitbewohner zum Abschuss frei gegebenen. 

Ähnliche Klebezettel findet man übrigens auch an anderen Stellen der WG, sie sind das Hauptkommunikationsmittel. Wenn einer mal wieder nicht getroffen hat, zack, Klebezettel auf die Klobrille. Es wird deswegen zwar nicht sauberer, aber immerhin kann man seinem Unmut Luft machen. 

Der Weg ist das Ziel

Eine WG-Besonderheit ist im Inter 2 definitiv der Flur. Mein Zimmer liegt ganz am Ende, die Küche direkt am Anfang. Dieser Abstand, der eigentlich nur wenige Meter umfasst, kann sich aber je nach Bedarf ganz schön in die Länge ziehen. Da ich alle frischen Lebensmittel und Töpfe et cetera in meinem Zimmer horte, muss ich vor jedem Kocheinsatz alles in die Küche schleppen. 

So gehe ich dann bepackt mit Jutebeutel und Pfanne unter dem Arm meines Weges. Wenn man dann den Deckel vergessen hat, rennt man eben nochmal schnell zurück. So geht das dann gefühlte zehn bis 100 Mal hin und her. Und am Ende muss natürlich auch alles wieder zurück wandern. Spaß ist anders. 

Abenteuer Wohnheim

Aus verschiedenen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, umzuziehen. Ja, ein Hauptgrund war der unterirdische Zustand der Küche, der durch Eigeninitiative nicht mehr zu beheben ist (bei Benutzung des Backofens wird die gesamte Küche in dichten schwarzen Rauch gehüllt, sodass man das Fenster öffnen und die Dunstabzugshabe auf höchster Stufe laufen lassen musste). 

Da ich dennoch die Vorzüge des Wohnheims sehr schätze, beträgt mein Umzug die sagenhafte Strecke von ca. 150 Meter Luftlinie in ein Einzelappartement im Inter 2. Ich hatte mich beim Einzug damals sehr auf das gemeinschaftliche Wohnen gefreut, da ich aber von meinen Mitbewohnern hauptsächlich ihre Hinterlassenschaften mitbekommen habe, freue ich mich nun sehr auf meine eigene Küchenzeile und mein eigenes kleines Bad. Ich kenne auch andere WGs im Inter 2, bei denen das Zusammenleben um einiges besser klappt, bei uns war das leider nicht der Fall. 

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