Betreff: AW: AW: WG: AStA, bitte melden!

13.02.2020
Campus-News, Studium...
jsc, eb

Studierende erhalten per Mail kaum Informationen über das hochschulpolitische Tagesgeschäft des AStA. Eine gemeinsame Campusmedienrecherche zeigt: Das liegt vielerorts auch an Einschränkungen durch Hochschulleitungen.

Die Mailadresse "AStA Info" liefert kaum Infos über die Tätigkeit des AStA. Das liegt nicht nur am AStA. Eine Campusmedien-Recherche zeigt, wie Hochschulen die Kommunikation der ASten mit ihren Studierenden einschränken.

Die Senats- und Fachbereichsratswahlen sind erst wenige Wochen her, da werden die Plakate wieder abgehängt und damit schleicht das Thema Hochschulpolitik allgemein wieder aus dem Bewusstsein vieler Studierender der JGU Mainz. Von dem, was der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Mainz (AStA) beschließt oder woran er scheitert, dringt meist wenig zur Studierendenschaft durch. Darüber haben Vertreter:innen aus Hochschulpolitik und Campusmedien bereits im Oktober bei der von Campus Mainz mitorganisierten Podiumsdiskussion "Wer geht denn schon zur StuPa-Wahl?!" diskutiert. Diese fand im Rahmen des Projekts "Warum wählst Du?" des Recherchezentrums CORRECTIV statt. Ein Thema war dabei die Kommunikation des AStA mit den Studierenden: Wie könnte der AStA die Studierenden besser erreichen? Und wie könnte er sie über seine Arbeit besser informieren?

Eine Möglichkeit wären E-Mail-Verteiler der Hochschule, die alle Studierenden erreichen. Zwar erreicht der AStA in Mainz alle Studierenden über die "AStA Info"-Mailadresse, aber darüber informiert er nur wenig über seine Tätigkeit. Neben Veranstaltungshinweisen und Ausschreibungen erhalten Studierende kaum  Informationen über das hochschulpolitische Tagesgeschäft. Das erschwert auch die hochschulpolitische Meinungsbildung unter Studierenden. Und das könnte wiederum einer der Gründe für geringes Interesse an Hochschulpolitik sein und eine regelmäßig niedrige Wahlbeteiligung von unter zehn Prozent teilweise erklären. Im Rahmen des CORRECTIV-Projekts "Warum wählst Du?" haben wir deshalb in einer gemeinsamen Recherche studentischer Medien bei AStA und Universität nachgefragt: Wie genau funktioniert die Mailkommunikation des AStA an die Studierenden? Und woran hakt es?

Umweg in Mainz: AStA abhängig vom Präsidialbereich

Petra Giegerich, Leiterin Kommunikation und Presse der JGU Mainz, berichtet: "Der Präsidialbereich erhält während des Semesters pro Monat ca. zwei E-Mails des AStA mit der Bitte um Weiterleitung." Denn um alle Studierenden zu kontaktieren, nutzt der AStA die Mailadresse "AStA Info", die vom Präsidialbereich der Universität verwaltet wird. Die Abteilung habe vom Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV) die Befugnis, alle derzeit aktiven Studierenden- und Mitarbeiter:innenkonten zu suchen und als Mail-Empfänger:innen anzugeben, erklärt Giegerich. So leite der Präsidialbereich Mails des AStA an alle eingeschriebenen Studierenden der JGU Mainz weiter. Neben dem AStA wende sich auch der Personalrat an den Präsidialbereich, um den Universitätsmitarbeiter:innen E-Mails zukommen zu lassen.

Der Präsidialbereich muss den Inhalt der Mails, die der AStA an die Studierenden weiterleiten möchte, vor dem Versenden zunächst genehmigen. Das könne mehrere Tage dauern, sagt Elisa Kautzky vom Arbeitsbereich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des AStA. Der AStA habe die Frequenz der Mails stets mit Bedacht gewählt, so Kautzky. Darauf habe man sich 2013 mit der Universitätsleitung geeinigt, damit die Studierendenschaft "nicht mit Informationen überflutet wird".

Einzelne Beschwerden führten zu weniger Mails

Dem vorausgegangen waren laut Giegerich Beschwerden Studierender an den Präsidialbereich, die sich gegen Informationsschreiben und Veranstaltungshinweise gerichtet hätten. Dazu hätten u.a. die Mails des AStA gezählt. Das habe den Präsidenten dazu veranlasst, "an den AStA zu kommunizieren, dass die Anzahl der Rundmails an alle Studierenden begrenzt sein muss".

Der Präsident habe aber "nicht per se ein Interesse daran, die Nutzung des Mailverteilers einzuschränken", so Petra Giegerich. Seit 2013 habe nur noch der AStA als studentische Vertretung die Möglichkeit, die Studierenden mithilfe der Berechtigungen des Präsidialbereichs zu informieren. Anfragen anderer Stellen würden "mit Verweis auf andere Kommunikationsmöglichkeiten und die Option, eigene Verteiler aufzubauen, abgelehnt".

Auf Nachfrage bestätigt Giegerich jedoch, dass die Beschwerden nie statistisch erfasst worden seien. Seit der Einrichtung der E-Mail-Adresse "AStA Info" seien dem Präsidialbereich zwar auch keine Beschwerden mehr bekannt geworden, jedoch lägen auch keine Daten darüber vor, ob die Studierenden seither zufriedener mit der Anzahl der E-Mails seien, die sie allgemein bzw. vom AStA erhalten.

Bei der Weiterleitung werden nach Angaben des AStA und der Universitätsleitung weder Änderungen am Inhalt der Mails vorgenommen, noch Mails, die der AStA versenden möchte, vom Präsidialbereich zurückgehalten. Die Hochschulleitung sieht die Verwaltung des Verteilers als "Service des Präsidialbereichs, mit dem er den AStA in seiner Arbeit und seiner Kommunikation mit den Studierenden unterstützen möchte", so Giegerich. Die Zusammenarbeit zwischen AStA und Präsidialbereich laufe aus Sicht der Universitätsleitung insgesamt "gut".

Neuer Newsletter soll über Hochschulpolitik informieren

Giegerich betont, an dem Modell der Weiterleitung durch den Präsidialbereich müsse nicht festgehalten werden: Die Universitätsleitung stelle es dem AStA frei, einen eigenen, unabhängigen Verteiler zu nutzen. Allerdings besitzt der AStA nicht die nötige Berechtigung, um dabei selbstständig alle Studierenden zu erreichen.

Der Nachfrage, ob etwas dagegen spräche, dem AStA eine solche Berechtigung zu erteilen, weicht Giegerich aus: Da der Präsidialbereich in den letzten Jahren keine Anfrage des AStA abgelehnt habe und den Präsidenten keine Beschwerden des AStA erreicht hätten, gehe man davon aus, "dass das aktuelle Vorgehen den Interessen aller Studierenden Rechnung trägt und auch im Sinne des AStA ist." Für eine Weiterleitung seiner Mails an alle Studierenden ist der AStA also aktuell auf die Hochschulleitung angewiesen.

Der Arbeitsbereich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des AStA will diesbezüglich "in nächster Zeit" mit dem Präsidialbereich Kontakt aufnehmen, um Alternativen zu besprechen. Um unabhängiger zu werden, könne derzeit lediglich über das Online-Listensystem der Universität ein Verteiler eingerichtet werden, so AStA-Pressereferentin Kautzky. Dafür müsse allerdings eine nur dafür geschaffene, bezahlte Stelle besetzt werden. Zudem würde der AStA über das Listensystem "nicht alle Studierenden erreichen, was für uns unabdingbar ist".

Aktuell setze der AStA zwar bereits zusätzlich zum universitären Mailverteiler auf soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook und Twitter, um Studierende über Veranstaltungen und Themen zu informieren. Man sei sich aber bewusst, dass auf diesen Wegen nicht alle Studierenden erreicht werden, so Kautzky.

Um Studierende zukünftig besser zu informieren, arbeitet der Arbeitsbereich für Presse des AStA derzeit an der Umsetzung eines monatlichen Newsletters. Dieser soll weiterhin über den Präsidialbereich verbreitet werden und alle Studierenden neben Veranstaltungshinweisen auch mit Tätigkeitsberichten des AStA versorgen. Frühestens Anfang Februar sollen "gestalterische sowie auch technische Hindernisse" überwunden sein und ein erster Testlauf im Posteingang der Studierenden landen, berichtet Kautzky. Wenn im kommenden Sommersemester 2020 allerdings ein neues Studierendenparlament gewählt wird, wird sich daraus auch ein neuer AStA bilden. Nach der Umsetzung müsste der neue AStA diesen Newsletter dann weiter betreiben.

Deutschlandweite Defizite

Wie unsere gemeinsame Recherche mit anderen Studierendenmedien zeigt, ist die Situation an der JGU Mainz kein Einzelfall. Studentische Vertretungen haben häufig nur eingeschränkten Zugang zu Mailverteilern oder -adressen, über die sie die Studierenden direkt erreichen.

Wie die Studierendenzeitung UnAufgefordert berichtet, darf an der Berliner Humboldt-Universität der Referent_innenRat, wie der AStA dort heißt, keine Newsletter über den Verteiler der Hochschule verschicken.

An der Ruhr-Universität in Bochum ist die Situation ähnlich wie an der JGU Mainz. Das zeigt die Recherche der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung. Die Anzahl der Mails, die das Studierendensekretariat der Ruhr-Universität für den AStA und das Studierendenparlament weiterleitet, wurde reduziert. Dies begründet die Hochschule ebenfalls mit früheren Beschwerden von Studierenden. In Bochum prüfen das Sekretariat und das Rektorat jedoch in jedem Einzelfall, ob sie die Mail für relevant halten.

Eine ähnliche Prüfung vor der Weiterleitung findet auch an der Friedrich Schiller-Universität in Jena durch das Studierenden-Service Zentrum statt. Auch hier gibt die Hochschule die Beschwerden der Studierenden als Grund an. Das berichtet das studentische Medium Akrützel.

Mehr Transparenz durch gegenseitiges Vertrauen

Allerdings gibt es auch ein Beispiel für einen freien Zugang zu Mailverteilern: An der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena verfügt der Studierendenrat über einen uneingeschränkten Zugang zu einem Verteiler, der alle Studierenden erreicht, wie die Recherche der Studierendenzeitung Akrützel zeigt. Zuvor sei auch hier die Universitätsleitung stärker involviert gewesen, die Autonomie gelang laut Studierendenrats-Vorstand Martin Schmidt durch "Gespräche und gegenseitiges Vertrauen".

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse Gespräche des AStA und der Universitätsleitung der JGU Mainz zutage fördern. Denn noch ist völlig offen, ob eine uneingeschränkte Regelung auch in Mainz möglich oder überhaupt gewollt ist. Solange könnte ein Newsletter, der Tätigkeitsberichte der Studierendenvertretung zusammenfasst und mithilfe der Universitätsleitung über die Mailadresse "AStA Info" verbreitet, ein Anfang sein: Auf diese Weise könnte der AStA die Studierenden ab sofort über Ausschreibungen und Veranstaltungshinweise hinaus auch über hochschulpolitische Themen informieren.


Dieser Artikel ist in Kooperation mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum CORRECTIV entstanden. Im Rahmen des Rechercheprojekts "Warum wählst Du?" untersucht CORRECTIV zusammen mit 24 studentischen Partnermedien die Situation der Demokratie an deutschen Hochschulen.

Campus Mainz e.V. unterstützen!

Campus Mainz e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und die meiste Arbeit ist ehrenamtlich. Hilf uns dabei auch in Zukunft tolle Dienste für alle kostenlos anzubieten. Unterstütze uns jetzt!