#Ausland | How to Find Friends Online (Fast)

06.07.2021
Studium, Internationales
Henriette

Wie für die beiden Statuen im Schlosspark Schönbrunn hieß es in Wien lange Abstand halten. Nicht so einfach, wenn man in einer neuen Stadt neue Kontakte knüpfen möchte.

Wie knüpft man in einem fremden Land und im reinen Online-Unterricht Bekanntschaften? Henriette zeigt, welche analogen und digitalen Wege sie gegangen ist.

Sind wir mal ehrlich. Vielen Studierenden geht es beim Antreten eines Auslandssemesters nicht darum, die Lehre an anderen Universitäten kennenzulernen. Stattdessen geht es ihnen vor allem darum, Kontakte zu knüpfen, Städte zur erkunden und Party zu machen. In Pandemiezeiten sind alle dieser drei Punkte nicht beziehungsweise nicht einfach umzusetzen. Schwierig, schließlich steuern besonders die neuen Kontakte viel zum allgemeinen Wohlbefinden in einer neuen Stadt bei.

Ich habe das Glück, dass ich in meinem Wohnheim mit zwei weiteren Studentinnen zusammenwohne. Zwei Kontakte sind damit automatisch schon geschaffen, um die anfängliche Einsamkeit, besonders während Quarantäne und Lockdown, zu verringern. Dennoch suche zumindest ich auch nach Personen, mit denen ich gemeinsame Interessen ausleben kann. In einer von der Wohnheimsverwaltung zusammengeworfenen Gemeinschaft finden sich solche Seelenverwandten eher selten, auch wenn eine meiner Mitbewohnerinnen ebenso gern über Filme redet wie ich. 

Kontakte knüpfen – doch schwerer, als es sein sollte

Zum Glück sind sich auch offizielle ERASMUS-Stellen der aktuellen Schwierigkeit des Kontakteknüpfens bewusst und versuchen zumindest, die Präsenzkennenlern-Veranstaltungen digital aufzumotzen. Aufgehen tun diese Konzepte allerdings nicht immer. So kann es schonmal vorkommen, dass man zu zweit in einer Online-Yoga-Stunde sitzt und sich nicht traut, den digitalen Raum zu verlassen. Auch stellt sich mir bis heute die Frage, wie man beim digitalen Dehnen vor ausgeschalteter Kamera mit Menschen ins Gespräch kommen soll.

Das für mich halbwegs erfolgreiche Konzept war das des Speedfriendings, bei dem man fünf Minuten Zeit hat, herauszufinden, ob der:die Gegenüber auf einer Wellenlänge mit einem selbst ist, bevor schon der:die nächste Gesprächspartner:in wartet. 

Die Studierenden selbst versuchen ebenfalls, in diversen WhatsApp-Gruppen Veranstaltungen oder gemeinsame Museumsbesuche zu planen. Dies geschah allerdings vermehrt in der Anfangszeit des Semesters, sprich den Monaten, in denen ich noch nicht vor Ort war. Seitdem merkt man den Gruppen an, dass sich bereits Freundeskreise gebildet haben und sich die meisten in diesen Gruppen sehr wohl fühlen. Pech für mich, schön für die anderen. Zumindest an einem gemeinsamen Spaziergang konnte ich teilnehmen und habe dort glücklicherweise auch die Person kennengelernt, mit der ich jetzt die meisten Dinge unternehme. 

Die Freundschaft ist nur einen Rechts-Swipe entfernt

WhatsApp-Gruppen und offizielle ERASMUS-Veranstaltungen haben bei mir also nur mäßig funktioniert. Allerdings gibt es in unserer digitalen Welt ja noch mehr Optionen: Datingapps. Mein persönlicher Favorit, den ich auch schon in Mainz hin und wieder benutzt habe, ist Bumble. Dies liegt vor allem daran, dass Bumble abseits vom Datingmodus auch einen reinen Freund:innenmodus hat. Das entspannt sehr, denn auf klassischen und berühmt-berüchtigten Apps wie Tinder nur nach Freundschaften zu suchen, ist eher schwierig. Zudem ist man bei Bumble gezwungen, innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums den Kontakt zu suchen, ansonsten verfällt ein Match. 

Ich habe mich schon mit mehreren Personen von Bumble getroffen. Mit manchen war es ein einmaliges Treffen, mit manchen haben sich mehrere Aktivitäten ergeben. Bisher sind zwar aus den wenigsten Treffen Freundschaften entstanden, trotzdem ist es spannend, mit unbekannten Menschen eine schöne Zeit zu verbringen. Mein wichtigster Tipp für den Umgang mit Bumble: Nicht zu lange nur hin und her schreiben, sondern zügig ein Treffen planen. Viele Gespräche schlafen nach den üblichen Floskeln ein. Wirklich kennen lernt man den Menschen aber erst im persönlichen Gespräch. Dort lässt sich auch viel schneller feststellen, ob man überhaupt zueinander passt.

Großveranstaltungen als zweischneidiges Schwert

Kontakte knüpfen macht Spaß – gleichzeitig muss ich aber auch an die Pandemie denken. Kostenlosen Coronatests sei Dank, verlaufen Treffen zu zweit relativ sicher, da beide Personen sich in der Regel zuvor testen lassen. Bei größeren Gruppen wird diese Zusicherung jedoch nicht mehr nachvollziehbar. Dies wird besonders zum Problem in den ERASMUS-Gruppen. Das Wetter wird schöner, die Coronaregeln lockern sich und schon werden Partys oder Flunkyballturniere auf der Donauinsel veranstaltet.

Lust habe ich auf jeden Fall darauf – nach eineinhalb Jahren ohne ist das selbstredend. Dennoch stecke ich immer in einer Zwickmühle, wenn ich Ankündigungen neuer Veranstaltungen lese. Hingehen und Spaß haben, aber eine Infektion riskieren, oder sicher zu Hause bleiben und eine Auslandserfahrung verpassen? Ich ahne, dass mich diese Entscheidung immer und immer wieder über den Sommer verfolgen wird und kann nur hoffen, dass die Entwicklung der Pandemie mir die Entscheidung bald vereinfachen wird.

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