#Ausland | Der lange Weg nach Wien

25.04.2021
Studium, Internationales
Henriette

Während meiner fünftägigen Quarantäne habe ich viel auf der Fensterbank meines Zimmers gesessen und den Blick auf die Donau genossen.

Der Blick aus dem Fenster zeigt neben der Donau, die nahegelegene Bahnstation sowie die Hochhäuser der UNO-City.

Für mich geht es nach langem Hin und Her im Sommersemester nach Wien. Bei der Vorbereitung eines Auslandssemesters in Pandemiezeiten begleiten mich neben der Vorfreude aber auch viele Unsicherheiten.

Endlich. Endlich habe ich es nach unzähligen Verzögerungen geschafft. Endlich kann ich meinen Auslandsaufenthalt antreten. Nach einer Odyssee von Verschiebungen, Anträgen, verzweifelten Nachfragen beim International Office der JGU Mainz, drei wieder gekündigten und einem verlängerten Mietvertrag und ständigem Checken von Einreisebedingungen, bin ich endlich in Wien angekommen. 

Eigentlich wollte ich im Februar 2021 hier sein. Ach, was sag ich, ursprünglich wollte ich mich schon im September 2020 auf den Weg in die Stadt der Habsburger:innen machen. Aber wie bei allem und jedem hat auch mir Corona gehörig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie hätte ich damals, im November 2019, als ich die Bewerbung für den ERASMUS-Aufenthalt in den Institutsbriefkasten der Filmwissenschaft warf, auch damit rechnen können, dass eine weltweite Pandemie ausbricht? Damals, in dieser weit zurückliegenden Zeit, als niemand wusste, wie lebensnotwendig Klopapier sein kann oder was das Robert-Koch-Institut macht. 

Verschiebung, Verschiebung und Ungewissheit

Im April 2020 war ich noch starrköpfig und weigerte mich trotz der Situation, den Aufenthalt vom Winter 2020/21, wie von der Universität Wien empfohlen, in den Sommer 2021 zu verschieben. Schuld daran waren meine Dickköpfigkeit und der Wunsch nach einem Tapetenwechsel und Abenteuer, gepaart mit sehr viel Naivität. Zwei Monate später fiel dann aber doch die Entscheidung für die Verschiebung, und ein schon unterschriebener Mietvertrag für ein Wohnheimszimmer direkt an der Donau wurde wieder gekündigt. Rückblickend auf die Ereignisse und Fallzahlen vom Winter war das eine sehr gute Entscheidung. 

Mit dieser Entscheidung schlich sich allerdings ein kleiner Tapetenwechsel in mein Leben. Mein Wohnheimszimmer in Mainz war mit Einhaltung der dreimonatigen Kündigungspflicht bereits für den Winter gekündigt und eine neue Unterkunft musste her. Die war zum Glück schnell gefunden und nur eine Seitenstraße von meinem alten Zuhause entfernt. Puh, eine Sorge weniger und hey, der Mietvertrag gilt auch nur bis März 2021. Perfekt, wenn ich dann im Februar nach Wien gehe, dann muss ich nicht kündigen. 

Im Dezember 2020, ein Jahr nach Bewerbungsschluss für das ERASMUS-Stipendium, begannen dann erneut die Vorbereitungen. Erneut wurde ein Vertrag mit dem Wohnheim an der Donau geschlossen, diesmal für den Februar. Dennoch glaubten die wenigsten in meinem Umfeld daran, dass ich tatsächlich nach Österreich ausreisen würde. Trotzdem hielt ich an dem Plan fest, zum einen, weil ich wusste, ich würde es bereuen, wenn der Sommer 2021 so ruhig wie der Sommer 2020 verlaufen würde, und zum anderen da, meine Hoffnung in den frisch zugelassenen Impfstoff groß war. 

Trotz Dickköpfigkeit und Entschlossenheit machten sich im Januar dann doch auch bei mir ein paar Zweifel bemerkbar, ob sich die Situation bis zum Februar entschärfen würde. Spoiler: Wie wir alle mittlerweile wissen, tat sie das nicht wirklich. Daher wurde mit sehr viel Hin und Her und vielen Rückfragen beim International Office beschlossen, erst am 1. April einzureisen. Gleichzeitig konnte der Beginn des neuen Mietvertrags an der Donau ohne Bürokratie auf dieses Datum verschoben werden. Und auch das Zimmer in Mainz wurde um ein Semester verlängert, falls erneut etwas dazwischenkommen würde. 

Abschied und Ankommen mit Alltagsmaske

Mitte März war dann klar: Es klappt. Ich ziehe es durch. Also wurde gepackt und sich mit vielen Spaziergängen auf Abstand von dem Mainzer Freundeskreis verabschiedet. Die Einreise erfolgte per ICE-Direktverbindung von Frankfurt nach Wien. Das bedeutete: sechs Stunden Maske, Ausfüllen einer Einreise-Erlaubnis und natürlich ein negativer Test. Die Fahrt verlief unkompliziert und am Bahnhof Wien fand sich schnell ein Taxi. Im Wohnheim ließen sich schnell die Schlüsselübergabe erledigen, die neue Mitbewohnerin begrüßen und dann fix die Tür des Zimmers verschließen und die angeordneten fünf Tage Quarantäne absitzen. 

Die fünf Tage gingen überraschend schnell und erholsam vorüber. Das mag am konstanten Puzzeln gelegen haben, an der atemberaubenden Aussicht aus dem siebten Stock über die Donau, dem schlechten Wetter oder der Tatsache, dass Österreich sich in einem Lockdown befindet und die befürchtete Angst, etwas zu verpassen, ausblieb. Jetzt freue ich mich sehr darauf, die Stadt trotz andauerndem Lockdown zu erkunden und trotz erschwerter Bedingungen spannende Menschen kennenzulernen. 

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