#Ausland | Bem-vindo a Lisboa! – Teil 2

30.11.2018
Lukas

Der Ausblick über Lissabon von einem der vielen Miradouros.

Zwischen den Touristenanstürmen lässt es sich hier auch ganz gut entspannen.

Der Praça do Comércio ist ein Touristenmagnet. Hinter dem prächtigen Arco da Rua Augusta beginnt eine große Einkaufsstraße mit vielen Restaurants und Geschäften.

Kaum ein Tourist kann diesem Anblick widerstehen: Pastéis de Nata.

Sieht man fast vor lauter Grün nicht: Das Hauptgebäude der Faculdade de Ciências Socias e Humanas (FCSH).

Die bunt bemalten Azulejos (Wandkacheln) verzieren in Lissabon viele Häuserfassaden.

Erasmus, ich komme! Ein lang ersehnter Traum geht in Erfüllung, denn ich habe mein Auslandssemester in Lissabon begonnen. In diesem Blog teile ich meine ersten Eindrücke nach der Ankunft in Portugal.

Frustrierende Sprachbarrieren

Für die Kurse an der Uni verstehe ich einfach (noch) zu wenig Portugiesisch. Bei der Einschreibung an meiner Fakultät, der Faculdade de Ciências Socias e Humanas (FCSH), gab es nämlich keine verpflichtenden Anforderungen an das Sprachlevel, lediglich eine Empfehlung. Mit Englisch bin ich hier bisher gut zurechtgekommen, aber mit Portugiesisch wäre es definitiv leichter.

Ich habe zwar einen Sprachkurs an der JGU absolviert, aber der liegt schon eine Weile zurück und so ist viel Vokabular wieder verloren gegangen. Trotzdem ist es überraschend leicht, portugiesische Texte zu verstehen. Generell kann ich mir durch andere Fremdsprachen einiges herleiten. Doch die Aussprache ist nochmal eine ganz andere Sache. Die Portugiesen haben ein recht hohes Sprechtempo und verbinden die Worte so miteinander, dass viele Laute verschluckt werden.

Das europäische Portugiesisch hat außerdem unglaublich viele sch-Laute; manche sagen, es klingt "wie besoffenes Polnisch", andere fühlen sich vielleicht wie im Schwabeländle. Letztlich klingt es für mich tatsächlich wie keine andere Sprache, hat dadurch aber einen ganz besonderen Reiz. Außerdem sind die meisten Portugiesen recht redselig, ich habe also immer wieder die Möglichkeit zu üben. Meinen Standardsatz "Desculpe, falo só um pouco de português!" ("Entschuldigung, ich spreche nur ein bisschen Portugiesisch!") kann ich mir so hoffentlich bald sparen.

Willkommen in Hogwarts? 

Ziemlich verwundert war ich zu Beginn des Semesters, als viele Studierende in schicken Anzügen und schwarzen Umhängen im Innenhof der Uni saßen, die mich unweigerlich an Harry Potter und Hermine Granger erinnerten. Vor meiner Abreise hatte ich weder etwas von einer speziellen Kleiderordnung an portugiesischen Unis gehört noch von einer ausgeprägten Fankultur rund um die berühmte Filmreihe - zudem besuchten genug "normal" gekleidete Kommilitonen die Kurse. Bald sah ich diese auffällig gekleideten Studis auch in großen Gruppen singend durch die Stadt laufen. Das ließ mich ratlos zurück, denn etwas Vergleichbares aus Deutschland kannte ich nicht.

Eines Tages begegnete mir schließlich so eine Gruppe auf dem Weg zur Uni. Zwischen ihnen lief eine Reihe von Pärchen Hand in Hand an mir vorbei, alle angemalt im Gesicht und mit bekritzelten weißen T-Shirts. Für mich war das anfangs sehr irritierend, im Nachhinein habe ich dann aber erfahren, dass das Ganze Teil der studentischen Tradition namens Praxe ist. Das ist quasi der (freiwillige) Initiationsritus für die Erstsemester hier. 

Die älteren Studis organisieren zu Beginn des Semesters einige Aufgaben und Spiele, die die Erstis dann bewältigen müssen. Liegestütze im Park, singend durch die Stadt joggen, alles in der "Harry Potter Uniform" und angeleitet im strengen Ton durch die höheren Semester – teilweise denkt man da als Außenstehender eher an eine Militärausbildung. Tatsächlich scheint es aber die Verbindung zwischen den Erstis und den "alten Hasen" zu stärken. Doch einige Erstis nehmen bewusst nicht an der Praxe teil. Einer Kommilitonin war es beispielswiese nicht wert von den höheren Semestern erniedrigt zu werden, nur um später die Uniform tragen zu dürfen.

Dass die ganzen Studis so stark an Hogwarts-Schüler erinnern, liegt übrigens nicht daran, dass alle jungen Portugiesen riesige Fans von dem berühmten Harry Potter Franchise sind, sondern daran, dass sich J. K. Rowling von der Kleidung der Studis in Portugal hat inspirieren lassen. Als sie am ersten Band arbeitete, lebte sie nämlich in Porto, der zweitgrößten Stadt des Landes. 

Mit diesem unnützen Wissen verabschiede ich mich fürs Erste und sage bis bald – até logo!

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