AStA will Referat gegen Rassismus und Antisemitismus gründen

08.06.2020
Campus-News
jsp

Der AStA sucht für die Mitgestaltung und Neugründung des Referats gegen Rassismus und Antisemitismus Betroffene, die sich engagieren und gegen diskriminierende Strukturen an der Universität einsetzen wollen.

Der AStA der JGU Mainz plant die Schaffung eines Referats gegen Rassismus und Antisemitismus. Er sucht nun Betroffene, die sich an der Ausgestaltung beteiligen wollen.

Dass rassistische Denkmuster und Verhaltensweisen noch immer allgegenwärtig zu finden sind, zeigt nicht nur die oftmals diskriminierende Polizeigewalt, die zuletzt am 25. Mai 2020 zum Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA geführt hat und seitdem zu globalen Protesten gegen Rassismus führt. 

Auch im Studienalltag an der JGU Mainz gibt es nach Einschätzung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der JGU viele, die von Rassismus und Antisemitismus betroffen sind. Daher will der AStA nun aktiv gegen diskriminierende Strukturen an der Universität vorgehen. Um das zu erreichen, möchte er ein neues Referat gegen Rassismus und Antisemitismus aufstellen. Das gab er am 20. Mai 2020 in einer Rundmail an alle Studierenden bekannt. 

Durch Sensibilisierungsarbeit Aufklärung schaffen

Mit dem neuen Referat gegen Rassismus möchte der AStA durch Sensibilisierungsarbeit rassistischen und antisemitischen Verhaltensweisen von Studierenden entgegentreten. Viele würden sich, dem AStA zufolge, selbst zwar als aufgeklärt betrachten, aber dennoch Rassismen und Antisemitismus reproduzieren – meist unwissentlich. Ein Abbau dieser Denkmuster solle durch Selbstkritik und Selbstreflexion gefördert werden, was der AStA anstoßen will.

Daneben möchte sich das neue Referat auch für die Aufarbeitung der historischen Vergangenheit Deutschlands stark machen. Lehrende würden sich nach der Einschätzung des AStA zu selten mit dem kolonialrassistischen Erbe auseinandersetzen, wie z.B. rassentheoretische Positionen in der Philosophie oder deutscher Kolonialismus in der Geschichte. Außerdem könne man angesichts der vielen gesellschaftlich unkommentierten antisemitischen Äußerungen die antisemitische Vergangenheit Deutschlands nicht als aufgearbeitet betrachten, kritisiert der AStA in der Mail vom 20. Mai.

Viele Studierende erleben rassistische Ausgrenzung

Ob diskriminierende Begriffe im Seminar oder "rassistische Narrative über den Islam" in der Hochschulpolitik – viele Studierende müssten in ihrem Unialltag Rassismen oder Antisemitismus ertragen. Da es dem AStA zufolge keine Stelle an der Universität gebe, die sich mit der Bekämpfung von strukturellem Rassismus und Antisemitismus beschäftigt, solle das neue autonome Referat eine Hilfestelle für Betroffene darstellen, die ihre Interessen in der Hochschulpolitik vertritt. Auch Weiterbildungen für Studierende und Lehrende durch rassismus- und antisemitismuskritische Veranstaltungen solle es geben. 

Damit würde der AStA zusätzlich zur Diversitätskoordinationsstelle der Uni, die eine diversitätsorientierte Lehre fördert, eine neue Möglichkeit der Rassismus- und Antisemitismusbekämpfung anbieten. Die Diversitätskoordinationsstelle der JGU hat bisher beispielsweise Beratungs- und Unterstützungsangebote an der Uni für mehr Diversität in der Lehre zusammengefasst oder auch eine Materialsammlung zu Themen wie Antidiskriminierung, geschlechtliche Vielfalt oder Diversity Management zusammengestellt.

Betroffene als Referierende 

Um Rassismen und Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen, können nach Ansicht des AStA nur Betroffene als Referierende eingesetzt werden, wie dies bereits bei seinen bestehenden autonomen Referaten der Fall ist. Wer Interesse an der Mitgestaltung des neuen Referats hat und sich bei der Errichtung beteiligen möchte, kann sich mit einer Mail beim AlleFrauen*-Referat für den Verteiler zur Neugründung anmelden. Der AStA betont in seiner Mail jedoch auch, dass dieses erste Engagement im Arbeitskreis, der die Schwerpunkte des Referats abstecken soll, jedoch nicht dazu verpflichte, sich daraufhin als Referierende aufstellen zu lassen.

AStA als Anlaufstelle für verschiedene Gruppen 

Das neue Referat gegen Rassismus und Antisemitismus reiht sich in die bereits bestehenden AStA-Referate Queer*, AlleFrauen*, Eltern, International, Behinderte und chronisch Kranke ein und etabliert so auch eine Anlaufstelle für rassismuskritische und antisemitismuskritische Arbeit. Der AStA hat darüber hinaus am 7. Mai 2020 ebenfalls per Rundmail an alle Studierenden bekanntgegeben, ein Referat für Arbeiter:innenkinder und gegen Klassismus gründen zu wollen. In diesem Kontext hatte er nach Studierenden gesucht, die ihre Erfahrungen und Ideen bei der Schaffung des Referats einfließen lassen wollen (campus mainz.net berichtete). 

Daneben gehören dem AStA verschiedene Arbeitsbereiche an, wobei der Arbeitsbereich für Finanzen beispielsweise den Umgang mit den Semesterbeiträgen verwaltet und der Arbeitsbereich für Kultur u.a. für die Kooperation mit dem Staatstheater verantwortlich ist. Außerdem gibt es einen Arbeitsbereich für Hochschulpolitik, Soziales, Ökologie und das Studierendenwerk, Rechtsangelegenheiten, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Verkehr und Politische Bildung. Letzterer hat für Studierende zum Beispiel auch einige Medienformate zusammengestellt, um sich – auch im Homeoffice – mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen auseinanderzusetzen.

Der AStA vertritt bei seiner Arbeit in den verschiedenen Bereichen und Referaten die Interessen von Studierenden der JGU. Denn sie haben durchaus einen Einfluss auf seine Zusammensetzung, indem sie das Studierenden-Parlament (StuPa) wählen, aus dem der AStA hervorgeht. Die diesjährige StuPa-Wahl ist jedoch durch die Corona-Pandemie zunächst auf unbestimmte Zeit (Stand: 07.06.2020) verschoben worden (campus-mainz.net berichtete). 

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