Anstehen für Abkühlung: Lernbedingungen im Sommersemester

02.08.2018
Studium
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Angesichts der aktuellen Hitzewelle sind die klimatisierten Arbeitsplätze in der GFG-Bib heiß begehrt.

In der Vergangenheit mussten Studierende auf den Boden ausweichen, weil alle Arbeitsplätze belegt waren.

Auch dieses Sommersemester fallen Prüfungsphase und Hitzewelle wieder zusammen. Besonders die Plätze in der klimatisierten Bereichsbibliothek des Georg Forster-Gebäudes sind unter den Studierenden aller Fachbereiche sehr beliebt.

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2013 wird die Bereichsbibliothek im Georg Forster-Gebäude stark genutzt. Sie beherbergt unter anderem Literatur für die Fächer Publizistik, Politikwissenschaft, Soziologie und Kunstgeschichte sowie die USA-Bibliothek. Unter der Woche ist jedoch keine Ausleihe möglich, denn sie ist eine Präsenzbibliothek. Es kann demnach nur vor Ort mit den Büchern und Magazinen gearbeitet werden. Die klimatisierten Räume und die moderne Ausstattung ziehen aber Studierende aus allen Fachbereichen an.

Prekäre Lage in den letzten Jahren

Besonders im Hochsommer, wenn in der Prüfungsphase draußen Extremtemperaturen herrschen, sind die Arbeitsplätze schon kurz nach der Öffnung restlos belegt. Bereits vor Jahren wurde deswegen die Pausenscheibenregelung eingeführt und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das hat allerdings nicht das Problem des Platzmangels gelöst. Aus diesem Grund sind viele Studis, die die Literatur der Bibliothek eigentlich für ihre Hausarbeit bräuchten, aber keinen Platz finden, um zu arbeiten, über die vielen "fachfremden" Besucher verärgert.

Online machen einige User ihrem Frust in der Kommentarspalte zum GFG-Meme Luft. "Wer auf fachgebundene Bücher angewiesen ist, der ist oft der Depp. Die GFG-Bib ist total überfüllt mit Medizinern und Leuten aus dem Rewi, die das angenehme Klima schätzen", ärgert sich ein Nutzer. Ein anderer kritisiert ebenfalls, dass "ausnahmslos und zu 100% immer nur Medizin- und Jurastudenten die Arbeitsplätze belegen". Doch es gibt auch andere Stimmen. Eine Nutzerin kommentiert aus Sicht der Medizinstudierenden: "Die Mediziner haben halt keine eigene Bib auf dem Campus. Und selbst die an der Uniklinik ist für viel zu wenig Leute ausgelegt. Irgendwo muss man ja hin".

Ähnlich sieht das auch die Fachschaft Medizin Vorklinik: "Für die Vorklinik Mediziner ist die Bibliothekslage auf dem Campus sehr ungünstig. Für uns gibt es keine eigene Bereichsbibliothek, sodass wir leider gezwungen sind auf Bibliotheken wie die Rewi und das GFG auszuweichen". Zahlen machen das Platzproblem deutlich: In der Bereichsbibliothek Universitätsmedizin gibt es insgesamt 158 studentische Arbeitsplätze. Zusätzlich bietet der Fachbereich Medizin den Studierenden neben der ZMK-Bibliothek noch vier weitere, kleine Institutsbibliotheken an, die teilweise nur nach telefonischer Vereinbarung genutzt werden können. An der JGU sind jedoch für den Studiengang Humanmedizin etwa 2650 und für Zahnmedizin etwa 680 Studierende eingeschrieben – also knapp ein Zehntel der gesamten Studierendenschaft der JGU.

Der Zentrale Fachschaftsrat (ZeFaR) sieht einen akuten Handlungsbedarf: "Allein die Tatsache, dass diverse Bibliotheken nicht klimatisiert sind […] oder dass die Medizin Vorklinik keinerlei eigene Bibliotheksplätze zur Verfügung hat, zeigt, dass es definitiv viel zu wenig […] Kapazitäten in den Bibliotheken gibt". In der Vergangenheit habe man vor allem mit der Leitung der GFG-Bibliothek Gespräche geführt, die sehr konstruktiv verliefen. Doch was kann die Universitätsleitung konkret gegen den Platzmangel tun?

Neue Zentralbibliothek in Planung

Dass die Zentralbibliothek für die aktuellen Studierendenzahlen längst nicht mehr ausreichend ist, ist lange bekannt. Laut Petra Giegerich, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Presse der JGU, habe die Universität mittlerweile in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hochschulentwicklung in Hannover ein Konzept für einen Neubau erstellt. Das wurde bereits 2016 beim Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur eingereicht. Mit einer Stellungnahme des Wissenschaftsrates zur langfristigen Tragfähigkeit der Planungen rechne man im Januar 2019.

Eine Kommission des Wissenschaftsrats hat dafür erst vor kurzem den Ist-Zustand vor Ort begutachtet. "Sollte der Wissenschaftsrat einen Neubau befürworten, könnten bis 2021 die Planungen konkretisiert werden, ein Architektenwettbewerb durchgeführt und die Haushaltsunterlage Bau erstellt werden", so Giegerich. Danach gilt es natürlich, die Finanzierung des Mammutprojekts zu klären. Gemäß den Angaben des Wissenschaftsrates wären für den Neubau mit etwa 21 000 Quadratmetern über 100 Millionen Euro nötig.

Klimaanlage und Zugangsbeschränkungen nicht umsetzbar

Doch bis die ersten Studierenden die neue Zentralbibliothek nutzen können, werden wahrscheinlich noch viele Jahre vergehen. Welche Maßnahmen sind für die Universitäts- und Bibliotheksleitung also unmittelbar umsetzbar, um dem Platzmangel in der Bereichsbibliothek GFG entgegenzuwirken? Im Rahmen einer Flipchart-Aktion im Eingangsbereich der Zentralbibliothek und in der Bereichsbibliothek GFG erhoffte sich die UB, mehr über die aktuellen Probleme der Studierenden zu erfahren. Anhand der Rückmeldungen wollte man konkrete Maßnahmen ableiten, um die Lernbedingungen weiter verbessern zu können. Nach Abschluss der Aktion veröffentlichte die UB online ihr Feedback.

Petra Giegerich schließt indes den Einbau einer Klimaanlage in die Zentralbibliothek oder die Bereichsbibliothek im Philosophicum aus. Das wäre in beiden Gebäuden weder finanzierbar noch bautechnisch umsetzbar. Auch eine großflächige Reservierung von Arbeitsplätzen für Studierende, die auf den Präsenzbestand angewiesen sind, sei nicht realisierbar, da man dann in anderen Bereichsbibliotheken analog vorgehen müsste. "Ein interdisziplinäres Arbeiten wäre hierdurch nicht mehr möglich", meint Giegerich. Nur für Abschlussarbeitsschreibende und Studierende der Kunstgeschichte, die mit großformatigen Büchern arbeiten müssen, sind einige Arbeitsplätze reserviert worden.

Konkrete Alternativen

Um das Platzproblem zu umgehen, gibt es für Studierende mehrere Möglichkeiten: Zunächst bietet es sich an, auf Randzeiten auszuweichen. Selbst an Tagen mit extremer Hitze lichten sich am Abend die Tischreihen, sodass man ab etwa 18 Uhr in der Regel einen Platz findet. Während der Prüfungszeiten (aktuell 18. Juni bis 5. August) gelten zudem verlängerte Öffnungszeiten (8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts). Wer abends keine Zeit hat, kann sich tagsüber auch im Georg Forster-Gebäude umschauen. Während der vorlesungsfreien Zeit sind die Seminarräume im GFG zwar verschlossen, den Studierenden bleibt aber die Möglichkeit, zwei studentische Arbeitsräume und die PC-Pools während den Öffnungszeiten der Bibliothek für Stillarbeit zu nutzen.

Wer unmittelbar an die Bücher der Präsenzbibliothek im GFG gebunden ist, darf sie zum Arbeiten mit in die Zentralbibliothek nehmen. Außerdem steht es den Studierenden offen, die Kurzausleihe über das Wochenende zu nutzen. Die Ausleihe ist freitags zwischen 12 und 17 Uhr möglich, die Rückgabe muss montags zwischen 8 und 16 Uhr erfolgen. Weiterhin befindet sich im Lesesaal 2 in der Zentralbibliothek ein Buchscanner. Wer also weiß, welche Quellen er für seine Arbeit braucht, kann diese einscannen, auf einen USB-Stick speichern und ist so völlig unabhängig vom Standort der Bücher. Auf dem Uni-Campus gibt es insgesamt neun große Bibliotheken und einige kleinere Institutsbibliotheken, die genutzt werden können.

Neues Lerncenter im ReWi

Inzwischen gibt es auch Hoffnung auf mehr klimatisierte Arbeitsplätze: Momentan laufen die Umbaumaßnahmen für das neue Lerncenter im ReWi. Auf einer Fläche von 680 Quadratmetern sollen hier 150 studentische Arbeitsplätze eingerichtet werden, die vor allem auf Gruppenarbeit ausgerichtet sind. Außerdem werden alle rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Bücher von der Zentralbibliothek in die Bereichsbibliothek ReWi verlagert. Aller Voraussicht nach besteht so ab dem Sommersemester 2019 eine echte Alternative zur GFG-Bibliothek, denn die neuen Räumlichkeiten im Haus Recht und Wirtschaft können gekühlt werden.

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