65. Lindauer Nobelpreisträgertagung

04.08.2015
Studium
sp

Ira Schmid mit Bruce Beutler, Nobelpreis 2011 Medizin/Physiologie beim bayrischen Abend

Ira Schmid mit Jean-Marie Lehn, Nobelpreis 1987 in Chemie

Science Picnic auf der Insel Mainau with Elizabeth Blackburn, Nobelpreis 2009 in Physiologie/Medizin, und William Moerner, Nobelpreis 1014 in Chemie

Ira Schmid mit William Phillips, Nobelpreis 1997 in Physik, und Ira, Venki Ramakrishnan, Nobelpreis 2009 in Chemie

Vom 28. Juni bis 03. Juli 2015 fand in Lindau das alljährliche Nobelpreisträgertreffen statt. Am interdisziplinären Meeting der Fächer Chemie, Physik und Medizin/Physiologie nahmen diesmal über 650 Nachwuchswissenschaftler aus 88 Nationen und 65 Nobelpreisträger der vergangenen Jahre teil. Ira Schmid, Doktorandin am Institut für Pharmazie und Biochemie der Uni Mainz, war dabei.

 

Bereits seit 65 Jahren findet am Bodensee, das von Graf Lennart Bernadotte initiierte Treffen der Nobelpreisträger statt. Sechs Tage lang bietet die Tagung eine Basis für den wissenschaftlichen Austausch der aktuell forschenden Generation, den sogenannten Young Scientists und den in den verschiedenen Naturwissenschaften sehr erfolgreichen Nobelpreisträgern. In diesem Jahr fand das bislang größte Meeting mit insgesamt über 900 Teilnehmern statt. 

Ein langer Weg bis nach Lindau

Bereits im September vergangenen Jahres begann der Bewerbungsprozess für die Tagung. Neben einem Empfehlungsschreiben und einem aussagekräftigen Motivationsschreiben, musste auch ein mehrseitiger Fragebogen ausgefüllt werden, insbesondere zur eigenen Forschungsarbeit.

Ira Schmid hat Biomedizinische Chemie studiert und promoviert nun genau im Grenzgebiet von Chemie, Pharmazie und Medizin. Deshalb passte das interdisziplinäre Meeting mit den fächerübergreifenden Themen Chemie, Physik und Medizin/Physiologie sehr gut. Diese Art des Meetings findet nur alle fünf Jahre statt und deshalb gab es zahlreiche Bewerber. Anfang März kam dann aber die Zusage an der Konferenz teilnehmen zu können.

Abwechslungsreiches Programm bietet viele Austauschmöglichkeiten

Der erste Tag war von Eröffnungsreden geprägt, besonders die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck mahnte die Anwesenden, die Forschung und das eigene Handeln immer auch unter ethischen und moralischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen.

Mit einem internationalen Dinner begann die „Woche des Austauschs“ unter das sich bereits die ersten Nobelpreisträger mischten. Die Stimmung war sehr gut und alle waren gespannt, was sie in den kommenden Tagen erwarten würde.

Am Montagmorgen begann das tatsächliche Konferenzprogramm mit einem 30-minütigen Vortrag von Stefan Hell, deutscher Nobelpreisträger 2014 in Chemie. Spannend und unterhaltsam war die Darstellung der hochauflösenden Mikroskopie, die er sehr sympathisch präsentierte.

Auf dem folgenden Programm standen weitere Vorträge zu unterschiedlichen Themen aus den Naturwissenschaften. Die meisten Nobelpreisträger wussten um ihre interdisziplinäres Auditorium, sodass die Vorträge meist gut verständlich und sehr interessant waren.

Am Nachmittag folgte eine Panel-Diskussion: eine Art Fragerunde, bei der mit fünf Nobelpreisträgern zum Thema „The Quest for Interdisciplinarity“ diskutiert wurde. Anschließend gab es in den „Afternoon Discussions“ die Möglichkeit 90 Minuten mit einem Nobelpreisträger alleine zu sprechen. Diese gestalteten sich meistens so, dass man im Stuhlkreis um den Nobelpreisträger saß und unterschiedlichste Fragen zur Forschung, aber auch zum Lebenslauf oder zum Privatleben den Laureaten gestellt wurden.

Get Together

Abends kam es dann zu einem der Höhepunkte der Woche: Das internationale „Get Together“-Dinner, bei dem in der kompletten Festhalle ca. 70 Tafeln eingedeckt waren und an jeder Tafel ein Nobelpreisträger saß. Man konnte sich den Tisch des Laureaten frei aussuchen und so den Abend und das Essen zusammen verbringen.

Besonders beliebte Sitznachbarn, waren neben den drei weiblichen anwesenden Nobelpreisträgerinnen, Elizabeth Blackburn, Ada Yonath und Françoise Barré-Sinoussi auch Steven Chu, Physik Nobelpreisträger 1997 und Energieminister in der amerikanischen Regierung von Barack Obama und die aktuellen Nobelpreisträger Stefan Hell, Eric Betzig und William Moerner aus dem Jahr 2014.

Die Woche war insgesamt durch tägliche Vorträge, Diskussionen und Small Talks geprägt. Ein weiteres Highlight war am Donnerstag die Rede von Kailash Satyarthi, Friedensnobelpreisträger von 2014, der eine sehr berührende Rede zum Thema Bildung und die Ausbildung von Kindern auf der Welt hielt.

In der anschließenden Panel Diskussion wurde das Thema nochmal aufgegriffen und sehr spannend darüber diskutiert, inwieweit Forscher und insbesondere Nobelpreisträger an der Bildung der Menschen teilhaben können. Über dieses Thema wurde auch am bayrischen Abend noch lange gesprochen. Mit Blasmusik und traditionellen Kostümen wurde nochmals zusammen mit den Nobelpreisträgern Schweinshaxe und Sauerkraut gegessen.

Abschlusstag auf der Blumeninsel Mainau

Der letzte Tag wurde traditionell auf der Blumeninsel Mainau verbracht. Bereits um acht Uhr morgens legte das Schiff in Lindau ab und fuhr dann zur Insel einmal quer über die Bodensee. Diese Überfahrt bot erneut eine tolle Gelegenheit zum Austausch und Kommunikation mit den Nobelpreisträgern.

Auf der wunderschönen Insel gab es dann mitten in einer Blumenwiese nochmals eine Panel Diskussion, gefolgt vom Science Picknick zwischen alten Bäumen. Dort saß man mit den Nobelpreisträgern auf dem Boden und genoss ein regionales Picknick mit Brot, Obst und Gemüse aus der Bodenseeregion.

Mit einer von Standing Ovations begleiteten Abschlussrede und einer Petition gegen den Klimawandel endeten sechs tolle Tage ganz im Sinne des Austausches und der Kommunikation zwischen jungen Forschern und renommierten Wissenschaftlern.

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