13:45
Kurzer Spaziergang vorbei am Hafen durch Crab Park. Unmengen an Containern, ha, ganz viele mit "Hamburg" beschriftet. Ein paar Meter weiter paart sich Sandstrand mit Hafenromantik an einem der zahlreichen Stadtstrände Vancouvers.
Im Sand liegen massive Baumstämme, die hervorragend als Anlehn- oder Sitzmöglichkeiten dienen. Diese Stämme sind die Küste entlang überall zu finden. Die Größe und Vielzahl des Treibholzes hier an der Nordwestküste Kanadas gehören für mich ebenfalls zu den liebenswerten Details der Region. Nicht selten schaute ich als Neuankömmling aufs Meer und dachte, ich wäre der glücklichste Mensch auf Erden, weil ich einen Wal entdeckt hatte, bis ich peinlich berührt erkannte, dass es ein riesiger Baumstamm war, der dort mutterseelenallein auf dem Wasser trieb.
15:00
Wieder im Apartment angekommen. Ich beginne diesen Artikel zu schreiben. Mir fällt auf, dass sich der Alltag so ziemlich überall auf der Welt einschleichen kann. Und momentan gefällt mir mein Alltag hier in British Columbia (BC) ziemlich gut.
In meiner Freizeit kann ich entweder am Strand sitzen und den Ausblick auf die Berge genießen, sobald sich der Rauch dann mal wieder lichtet, oder einen der unzähligen Kunstworkshops besuchen, die hier angeboten werden. Momentan töpfere ich wie eine Wahnsinnige und verdränge die Frage, was ich mit 20 Tassen und 10 Schüsseln machen soll, wenn ich wieder nach Deutschland fliege.
Ansonsten lädt BC dazu ein, erkundet zu werden. Seen, Berge, Meer, Inseln. Es hört sich traumhaft an und das ist es auch wirklich. Die Lage Vancouvers ist ungelogen der ausschlaggebende Faktor, der mich und meinen Freund dazu bewogen hat, hierher zu ziehen und unser Auslandsjahr nicht irgendwo anders zu verbringen.
Aber: Winter is coming. Auch hier. Alle Vancouverites warnen vor den ewig scheinenden Regenmonaten, die die Stadt angeblich in ein ödes Grau tunken, dem man nur im Schnee auf den Bergen entkommen kann.
17:00
Das Café im Erdgeschoss backt Zimtschnecken und der herrliche Duft steigt durch den Entlüftungsschacht im Badezimmer zu mir in den ersten Stock hoch. Ich wäge kurz ab, ob es wirklich sein muss. Es muss. Ich flitze runter und verspeise die frische Zimtschnecke mit Blick auf die besagte Kreuzung und Eimear McBrides The Lesser Bohemians.
18:00
Ich lese die ersten beiden Kapitel für den Kunstgeschichtskurs. Die midterms sind bereits Mitte Oktober. Das spornt eher an, von Anfang an dran zu bleiben. Diese Zwischenprüfungen sind ein großartiges Mittel, am Ende des Semesters nicht vor gefühlten 500 Seiten gefüllt mit klausurrelevantem Material zu sitzen, denn alles was im midterm vorkommt, wird nicht mehr im final exam geprüft.
19:00
Trivia Tuesday im Eastwood! Quiz Night! Mein Freund und ich sind mit Bekannten in der Bar um die Ecke verabredet. 3 Australier, eine Deutsche und ein Franzose. Wir nennen uns "The Immigrants" und raten uns, mehr oder weniger, auf Platz 1!
Nach der Preisverleihung kommt ein Kanadier zu uns an den Tisch: "God, I felt so bad but throughout this quiz, I found myself thinking: Damn those immigrants! Sorry about that, guys!" Die offene, freundliche Art der Kanadier zieht sich in der Tat durch viele meiner Tage. Ich fühle mich hier nach kurzer Zeit bereits sehr wohl und ich habe das Gefühl, dass Vancouver vor allem eine Stadt ist, in der man sich als Zugezogener schnell zu Hause fühlen kann. Umso schwerer wird es dann natürlich, sich wieder zu verabschieden.
23:30
Mit meinen neugewonnenen Errungenschaften, einem T-Shirt und einer Sonnenbrille, geht der Tag für mich erfolgreich zu Ende.