Praxis trotz Pandemie: Die Auserwählten der JGU Mainz

03.03.2021
Studium
fs

Ohne Maske geht heute nichts mehr! Die Studierenden Carla (l.) und Yassine (r.) zeigen ihr neues Alltagsoutfit für die Präsenzlehre in den Gebäuden der JGU. ©: Privat

Trotz des Notbetriebs erhalten einige Studierende in den Räumen der JGU Mainz weiterhin Präsenzlehre. Carla und Yassine berichten über ihre Erfahrungen, die nicht nur von Dankbarkeit geprägt sind.

Aufstehen, auf direktem Weg an den Schreibtisch und sich von einem digitalen Kommunikationsprogramm zum nächsten hangeln. So sieht der Alltag vieler Studierenden aus, die wegen der Corona-Pandemie in die digitale Lehre müssen. In Fächern wie Mathematik, Wirtschaftswissenschaft oder Publizistik stellt das im Alltag zwar eine Umstellung dar, hindert das Studium jedoch nicht maßgeblich an seinem Fortgang.

Doch die Frage bezüglich Studiengängen, die vor allem auf praktische Anteile angewiesen sind, bleibt offen. Denn Schreibtischarbeit ist zwar Bestandteil eines jeden Studiums, doch bei einigen Studierenden gehören auch Praxisübungen zur Ausbildung dazu.

Ausnahmeregelung seit dem Sommersemester 2020

Aus diesem Grund erteilt die Universitätsleitung der JGU Mainz Studienfächern mit "unverzichtbaren praktischen Anteilen" die Erlaubnis, unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften Lehrveranstaltungen in Präsenz abzuhalten. Bereits im April 2020 hieß es, man arbeite an der "partiellen Öffnung der entsprechenden Teile der Universität unter Einhaltung der entsprechenden hygienischen Standards".

Diese Regelung wurde im Sommersemester 2020 realisiert und mit der Veröffentlichung des zehnten Corona-Newsletters am 12. Februar nun bis zum 7. März 2021 verlängert. Der Großteil der universitären Lehre bleibt zwar weiterhin digital, aber nicht für jeden.

Praktika verzögern sich

Carla ist eine der Studierenden, die zur Präsenzlehre die Universitätsräume besuchen dürfen. Die 24-jährige Chemiestudentin hat neben ihren Lehrveranstaltungsräumen bisher kaum etwas vom Mainzer Campus zu Gesicht bekommen. Denn seit der Aufnahme ihres Masterstudiums im Sommersemester 2020 hat sie nur wenig vom Normalbetrieb in den Räumen der JGU mitbekommen. Dennoch sind in der Prüfungsordnung der biomedizinischen Chemie mehrere Laborpraktika vorgesehen, die ohne Ausnahme absolviert werden müssen.

Vieles habe sich in den zwei Semestern, die hinter Carla liegen, außerplanmäßig entwickelt. Denn es habe trotz Bekanntmachung der Universität noch einige Zeit gedauert, bis die Durchführung Corona-konformer Lehrveranstaltungen wirklich realisiert wurde. "Das Praktikum der organischen Chemie wollte ich eigentlich im Sommersemester 2020 machen, das hat sich dann aber so sehr nach hinten rausgeschoben, dass ich es nicht machen konnte", sagt die Studentin.

Mit Blick auf die Regelstudienzeit war dies für sie zunächst ein herber Schlag. Weil das Sommersemester für viele Studierende von solchen Ausnahmen geprägt war, wird das Semester in Rheinland-Pfalz schließlich nicht zur Regelstudienzeit gezählt (campus-mainz.net berichtete). Für Carla bedeutet das verschobene Praktikum aber ebenso einen Verlust praktischer Erfahrungswerte, die ihr im späteren Berufsleben zugutegekommen wären.

Schutzbrille und Maske statt Skype und LMS

Glücklicherweise war es ihr möglich, das verlorene Praktikum und ein weiteres in der vorlesungsfreien Zeit und im November ohne weitere Probleme durchzuführen. Zur Vorbereitung auf die Präsenzlehre "gab es eine extra Sicherheitsbelehrung zum Virus und den Sicherheitsmaßnahmen", erzählt sie.

Die Schutzmaßnahmen wurden dann mit Beginn des Lockdowns im November 2020 konkretisiert und an die Stelle von Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff traten OP-Masken. Das Lehrpersonals kontrolliert, ob die Schutzmaßnahmen, wie etwa der Wechsel des Mund-Nasen-Schutzes alle drei Stunden, eingehalten werden.

Spagat an vielen Fronten

Die Studierenden wurden vonseiten der Universität gleichwohl dazu angehalten, die Kontaktbeschränkungen in ihrer Freizeit zu beachten und das soziale Leben außerhalb des eigenen Hausstands herunterzufahren. Dem Risiko einer Ansteckung im Labor wäre Carla lieber ausgewichen, doch sie wollte ihr Studium wie geplant absolvieren. "Daher war man acht bis zehn Stunden täglich im Praktikum, kam heim, hat was gegessen und ist am nächsten Tag wieder in die Uni gefahren", berichtet die Studentin.

Problematisch sei im November dann die Kombination von Präsenz- und digitaler Lehre gewesen, die Carla zu den Praktikumszeiten meistern musste. Denn zwischen Experimenten und Laborarbeit habe sie über das Wintersemester 2020/21 hinweg stets noch Onlineseminare besucht. "Ich musste mir für die Tage immer einen Platz in der Bib reservieren, das Praktikum verlassen, am Seminar teilnehmen und dann wieder ins Praktikum gehen", erklärt sie. Alternative Arbeitsplätze gebe es auf dem Campus nicht, seit die Räume der JGU im Dezember 2020 wegen des Notbetriebs geschlossen wurden. Keine Wohnung in Mainz zu haben, sei für Carla in dieser Hinsicht sehr ungünstig gewesen.

Keine leeren Hallen mehr

Sportstudent Yassine erlebt während der Corona-Pandemie ebenfalls Präsenzunterricht auf dem Campus. Von seinen drei Studiensemestern hat er eines unter Normalbedingungen an der JGU erleben dürfen. Doch durch die pandemischen Entwicklungen erhält auch er nun eine Mischung aus Fernlehre und Praxisstunden. Die Menge an Präsenzterminen hat ihm zufolge seit dem Sommersemester um einiges zugenommen. "Letztes Semester haben wir nur die Prüfungen in Präsenz geschrieben und unter anderem auch die Praxisprüfungen absolviert", sagt der 25-Jährige. Doch seit November besucht Yassine wieder wöchentlich den Campus und trainiert mit seinen Kommiliton:innen in den Sporthallen der JGU.

Durch die Aufhebung der Anwesenheitspflicht liegt die Entscheidung, sich der Infektionsgefahr bei den Trainingseinheiten auszusetzen, mittlerweile bei den Studierenden. Doch es müsse eine gewisse Anzahl an Terminen absolviert werden, um die Teilnahme der Veranstaltung bescheinigt zu bekommen. "Es ist zwar freiwillig, aber auch verpflichtend", so Yassine. Erscheine man nämlich zu weniger als der Hälfte aller Treffen, muss die Trainingseinheit wiederholt werden, was schlussendlich die Verlängerung der Studienzeit bedeuten kann.

Die Qual der Wahl bleibt aus

Bei der Vielfalt der angebotenen Sportarten müsse man aktuell Abstriche machen. Die Wahrung der Hygienevorschriften stehe dabei für die Verantwortlichen des Fachbereichs über der Quantität an möglichen Veranstaltungen.

"Schwimmen findet jetzt das zweite Semester in Folge nicht statt", berichtet Yassine. Die Universität konnte den Studierenden bisher nur den virtuellen Besuch des dazugehörenden Theorieteils ermöglichen. Es würde aber eine Praxiseinheit für die Osterzeit vorbereitet. Um in solch unsicheren Zeiten keine bösen Überraschungen befürchten zu müssen, hätten viele Studierende andere Veranstaltungen dem Schwimmen vorgezogen, so Yassine.

Maske als Herausforderung

Mit der Umsetzung der Schutzmaßnahmen seitens der Universität sei Yassine alles in allem zufrieden. Eine vorzeitige Anmeldung bei den Dozierenden gewährleiste, dass die Personenobergrenze von 20 Teilnehmenden eingehalten werde. Die bestehenden AHAL-Regeln in der Halle würden zudem sorgfältig kontrolliert. Dennoch sieht der Student im Tragen der Masken ein Hindernis für die sportliche Betätigung. "Es ist super schwierig für uns", beklagt er. Die Lehre selbst habe glücklicherweise im Vergleich zu der Zeit vor dem Ausbruch des Corona-Virus qualitativ keine Einbußen erlebt.

Zwei Fächer, eine Chance 

Carla und Yassine haben nun mit Anbruch der vorlesungsfreien Zeit ein (weiteres) Semester der Hybridlehre wie viele andere Studierende hinter sich gebracht. Die beiden sind froh darüber, das beste aus der Situation gemacht zu haben und mit ihrem Studium am Ball geblieben zu sein. Obwohl Yassine zunächst auf den eigentlichen Teil seines Studiums verzichten musste und ausschließlich Lehre über die Sporttheorie erhielt, ist mit den bisherigen Entwicklungen recht zufrieden.

Carla ist – trotz dem Spagat zwischen privaten Kontaktbeschränkungen und der Arbeit im Labor – dankbar für die Prise Praxislehre. Ihr und ihren Kommiliton:innen hätte das Arbeiten im Labor sonst gefehlt. "Die praktische Arbeit während dem Studium ist ja auch ein Grund, warum wir uns dafür entscheiden haben", erklärt sie.

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