Das übersehene Mysterium

08.06.2018
Campus-News, Studium...
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Die Gutenberg-Büste: ein omnipräsentes Mysterium.

Die Gutenberg-Büste am Forum universitatis der JGU ist eines der ältesten Denkmäler auf dem Unigelände.

Jeder Studierende ist schonmal an ihr vorbeigelaufen. Sie thront im Forum und ist ein fester Bestandteil des Unigeländes: Die Gutenberg-Büste. Doch könnte sie mehr als ein beliebtes Selfie-Motiv sein?

Trotz ihrer auffallenden Präsenz auf dem Campus sind die Umstände und der Zeitpunkt der Entstehung der Gutenberg-Büste nicht bekannt. Auch über den Künstler lassen sich nur wenige Aussagen machen. Durch den Mangel an Informationen ist sie gewissermaßen ein sichtbares Mysterium. 

Das Rätsel der Büste

Die Büste ist eines der ältesten Denkmäler auf dem Unigelände – viel mehr ist über sie jedoch nicht bekannt. Nach Schätzungen der Universität entstand die Büste etwa zwischen 1925 und 1950. Dieser Zeitraum lässt vermuten, dass die Büste anlässlich der Wiedergründung der Universität 1946 gestaltet wurde. Damals wurde die Universität auch offiziell nach dem Erfinder des modernen Buchdrucks Johannes Gutenberg benannt.

Die Wahl des Motivs der Büste könnte jedoch mehr Bedeutung haben als nur den Bezug zu einer Mainzer Persönlichkeit. Neueste Erkenntnisse gehen davon aus, dass Gutenberg bereits bei der Gründung der ersten Universität in Mainz rund 500 Jahre vorher eine Rolle spielte. Kürzlich entdeckte Dokumente lassen vermuten, dass der Gründer der Universität, Adolf II. von Nassau, geplant hatte, Gutenberg mit seiner "Offizin" (Buchdruckerei) in den universitären Betrieb zu integrieren. 

Auch der Name des Künstlers, der die Büste gestaltet hat, ist nicht bekannt. Aufgrund der äußerlichen Ähnlichkeiten geht man davon aus, dass er sich dabei an einem anderen Künstler orientiere. Als Vorbild wählte er Bertel Thorvaldsens Gutenberg-Denkmal von 1837, das heute noch auf dem Gutenbergplatz gegenüber dem Staatstheater in Mainz steht. Das wahre Aussehen Gutenbergs gibt aber auch dieses Denkmal nicht wieder, denn über seine äußerliche Erscheinung existieren keine historischen Dokumente.

Die Veränderungen der neuen Universität 

Obwohl sich die Büste noch heute am Eingang des Unigeländes befindet, war ihre Position zur Wiedergründung noch zentraler. Der Campus war damals noch sehr viel kleiner, die meisten der damaligen sechs Fakultäten der Universität waren in der ehemaligen Luftwaffenkaserne untergebracht, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt. Dort befinden sich heute die Räume der Universitätsleitung und verschiedene Beratungsstellen.

Dennoch wurden Geschehnisse rund um die Büste nicht aufgezeichnet. Dies lag vermutlich an den damaligen organisatorischen Prozessen der Universität, die zur Wiedergründung noch sehr langsam verliefen.

Entthronung, Sektdusche und Faschingsmütze

Die jüngere Vergangenheit der Büste gestaltete sich ein wenig turbulenter, so beispielsweise 2015. In jenem Jahr verließ die Büste zum ersten mal seit Langem ihren Standort. Grund dafür waren die Feierlichkeiten der Semestereröffnungsfeier im Sommersemester 2015. Unbekannte hatten es geschafft, die Büste von ihrem Sockel zu stoßen. Wie ihnen das gelang, ist bis heute unklar, denn das Denkmal ist überaus schwer. Die Büste blieb zum Glück unbeschädigt, sodass sie nach einigen Tagen der sicheren Aufbewahrung an den Platz zurückkehren konnte, den sie seit dem Vorfall nicht wieder verlassen hat.

Dennoch ist sie öfter unterschiedlichen Situationen ausgesetzt. Oftmals erhält sie von frisch promovierten Doktoren eine Sektdusche. Außerdem wird sie mehrmals im Semester temporär verschönert. Die Ideen richten sich meist an die saisonalen Gegebenheiten: Sommerhut, Faschings- oder Nikolausmütze sind beispielsweise beliebte Motive. Wer dahinter steckt, ist wie der Ursprung der Gutenberg-Büste: mysteriös.

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