Wenn die Notfallbetreuung der Uni eine wichtige Option wird

30.06.2016
Studium, Studieren mit Kind
Bettina

Bettina und Anton packen Antons Rucksack für diesen großen Tag.

Eis essen: Bettinas und Antons Belohnung.

Es musste so kommen. Mindestens ein Mal im Semester stehe ich mit einer absoluten Notsituation da. Die Tagesmutter nimmt kurzfristig Urlaub, mein Freund hat ein wichtiges Meeting, meine Eltern sind im Urlaub und ich muss am Seminar teilnehmen.

Müssen ist ja manchmal ein ziemlich dehnbarer Begriff. Zumindest sollte man, wenn möglich, nicht mehr als zwei Mal im Semester fehlen. Aber ich habe in den letzten Semestern bereits gewisse Erfahrungen gemacht: Fehle bloß nicht am Anfang des Semesters - du weißt nicht, was noch passieren wird. Und: Fehle lieber nicht, weil du selbst krank bist, sondern bewahre diese Tage für die Krankheiten deines Kindes auf.

Es gibt natürlich auch mal Ausnahmeregelungen und an unseren Instituten hatte ich noch nie Probleme. Doch will ich es gar nicht erst zu einem solchen Fall kommen lassen. Und so gebe ich alles, um nicht zu häufig zu fehlen. Dann setze ich mich eben auch mit verquollenen, pollengequälten Augen ins Seminar, um mir die beiden geduldeten Fehltage "freizuhalten". 

Eine Notfallbetreuung muss her!

Nun war es eben aber wieder einmal so, wie es kommen musste. Wegen eines festen Termins im Juni wusste ich bereits zu Beginn des Semesters, dass ich sehr behutsam mit den Fehltagen umgehen musste. Doch nun nahm sich unsere Tagesmutter relativ kurzfristig einen Tag frei, weil sie ins Konsulat musste. Meine Eltern waren genau in dieser Woche im Urlaub und mein Freund konnte seinen ganztägigen Termin auch nicht verschieben. 

Glücklicherweise fiel mir ein, dass wir die Notfallbetreuung wahrnehmen könnten, die die Uni in Kooperation mit dem pme Familienservice vereinbart hat. Sie bieten genau für solche Fälle zwei Mal im Semester eine Notfallbetreuung an. Da wir uns die Einrichtung bereits im vergangenen Jahr angesehen hatten, reichte es völlig, einige Tage vorher anzurufen und den Platz zu buchen. 

Jetzt war ich sehr gespannt, wie mein Sohn mitmachen würde. Ihm bekannte Gruppen findet er super und spielt dort unglaublich gerne. Aber wenn er die Kinder oder Erwachsenen nicht kennt, kann die Situation auch ganz anders aussehen. Dann vermisst er mich, kann sich nicht von den Spielzeugen begeistern lassen und damit ist niemandem geholfen.

Seitdem ich schwanger bin, ist der kleine Mann auch ein Mamakind geworden. Er versteht wohl, dass sich in Kürze sehr viel verändern wird. Diese Anhänglichkeit genieße ich im Alltag sehr und wir sind einfach ein gutes Team. Aber gleichzeitig kann das auch solche Notsituationen erschweren. Ich gab deshalb meiner Dozentin per E-Mail vorab Bescheid, dass ich den Versuch starten wollte, Anton in eine fremde Kita zu geben, um am Seminar teilnehmen zu können, dass ich aber jederzeit wieder wegfahren müsste, wenn es die Situation erforderte.

Vorbereitungen für diesen besonderen Tag

Als der Tag X kam, war ich tatsächlich ein bisschen aufgeregt. Als wir vor einem Jahr die Notfallbetreuung in Anspruch nehmen mussten, war Anton noch viel kleiner. Er verstand den Abschied noch nicht richtig und war zufrieden damit, dass sich jemand mit ihm beschäftigte. Wie es wohl dieses Mal klappen würde? 

Ich hatte meinem Sohn natürlich bereits einen Tag vorher diesen "Ausflug" schmackhaft gemacht. Wir packten gemeinsam seinen Rucksack, nahmen sein Lieblingsauto und seine Kuschelmaus mit und ich erklärte ihm die Situation und dass er nun einen Kindergarten besuchen dürfe. Das fand er schon ziemlich cool. 

Erleichterung auf ganzer Linie 

Und dann lief alles wie am Schnürchen. Die Kindergartenkinder waren wie beim letzten Mal alle auf einem Ausflug und so hatte Anton einen ganzen Kindergarten nur für sich allein! Tom (so nenne ich ihn jetzt einfach mal), ein Kinderbetreuer, öffnete uns die Tür und schien völlig tiefenentspannt zu sein. Er half mir anschließend, unseren Kinderwagen zu parken und ließ mich die Einverständniserklärung unterschreiben.

Anton sah die beiden Bobby Cars, die großen Spielzeugkisten und den coolen Tom - ab da war ich völlig vergessen. Er stürzte sich in das Zimmer, sagte mir kaum noch tschüss und ich fuhr erleichtert zur Uni.

Kein Anruf und keine Nachricht kamen während des Seminars. Ok, es musste ihm also gut gehen. Ich erledigte nach der Veranstaltung noch zwei, drei Dinge in der Bib und fuhr wieder zum Kindergarten.

Mich empfing ein begeisterter kleiner Mensch, der wie ein Wasserfall auf mich losplapperte und mir von seinem spannenden Morgen berichtete. Er hatte "mit Tom spielt" und war "Boggyka gefahren". Ich war dankbar für dieses schöne Wiedersehen. Auch Tom sah nicht mitgenommen aus und es schien mir, als ob die beiden sich wirklich gut verstanden hatten. 

Auf dem Weg zur Eisdiele - das war nämlich meine Belohnung an mich selbst - erzählte mir Anton, dass die beiden einkaufen waren und was sie gegessen hatten: "Nudeln kaufen, mit Tomatensoße." Aha, Tom hatte also alles richtig gemacht.

Ich bin so froh, dass ich es wieder gewagt habe und Anton für diese wenigen Stunden in eine vertrauensvolle Einrichtung gegeben habe. Ich war auf alles vorbereitet und hätte ihn jederzeit wieder abgeholt. Es tat jedoch sehr gut zu sehen, dass ich ihm manchmal einfach mehr zutrauen darf. Und das Beste ist: Auch nach knapp zwei Monaten erzählt er mir manchmal noch, dass er "mit Tom spielt" hat.

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