Warum Mainz die teuersten Studierendenwohnheime Deutschlands hat

03.09.2017
Wohnen, Campus-News
fsc

Nur eins von vielen: Das Wohnheim Binger Schlag.

Die Mietpreise der Wohnheime des Mainzer Studierendenwerks sind die höchsten in ganz Deutschland. Der AStA führt dies auf "Luxussanierungen" zurück. Das Studierendenwerk macht dagegen das Land verantwortlich.

Mainz hat es wieder auf Platz 1 geschafft. Was zunächst erfreulich klingt, dürfte den Mainzer Studierenden eher weniger gefallen. Es geht schließlich um die Mietpreise der Studierendenwerke in Deutschland.

Ein Wohnheimsplatz bei einem deutschen Studierendenwerk kostet durchschnittlich knapp 238 Euro. Das ergab eine Erhebung des Deutschen Studentenwerks für die Jahre 2014 und 2015. Ein Zimmer in Mainz kostet dagegen im Schnitt 345 Euro – also 107 Euro mehr als ein durchschnittlicher deutscher Wohnheimsplatz. Damit haben die Wohnheime des Mainzer Studierendenwerks die höchsten Mietpreise in ganz Deutschland. Der Zweitplatzierte, das Studierendenwerk Seezeit am Bodensee, liegt mit 303 Euro immerhin 42 Euro unter dem Mainzer Preisniveau.

Auch in den Jahren 2013 und 2014 war Mainz Spitzenreiter. Damals musste ein Studierender hier durchschnittlich 325 Euro für ein Zimmer zahlen. Das lag 96 Euro über dem bundesweiten Durchschnitt von knapp 229 Euro. Die Mietpreise des Studierendenwerks Mainz scheinen sich somit immer weiter vom Gesamtpreisniveau zu entfernen.

AStA macht Luxussanierungen für hohe Mietpreise verantwortlich

In einer Pressemitteilung auf Facebook kritisiert der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Mainz diese Entwicklung. Das Studierendenwerk habe sich in den vergangenen Jahren "auf die Sanierung und den Neubau teurer Wohnanlagen spezialisiert", sodass nach der Schließung des Inter I selbst das günstigste Zimmer schon fast 300 Euro koste. Bereits dieses Zimmer liege 60 Euro über dem bundesweiten Durchschnitt. Ein Zimmer für die im Bafög-Höchstsatz vorgesehene Wohnpauschale von 250 Euro zu bekommen, sei in Mainz nicht möglich.

Der AStA fordert in seiner Pressemitteilung deshalb "endlich" bezahlbaren Wohnraum für die Studierenden in Mainz: "Wir finden, das ist so nicht mehr tragbar!" Weitere Mieterhöhungen seien "unvorstellbar", stattdessen solle eine Senkung der Miete in Betracht gezogen werden.

Um dies zu erreichen, suche der AStA-Arbeitsbereich für die Belange des Studierendenwerks in Gesprächen mit dem Studierendenwerk nach Lösungsansätzen. Außerdem versuche er Einfluss auf die Landespolitik zu nehmen, "sodass die Zuschüsse für studentisches Wohnen erhöht werden".

Geringe Zuschüsse, hohe Kredite

Genau diese geringen Zuschüsse des Landes und damit die schwierige Finanzierung der Wohnheime seien laut Studierendenwerk Mainz das größte Problem. In den Siebzigerjahren habe das Land dem Studierendenwerk Wohnheime noch kostenfrei zur Verfügung gestellt und in den Neunzigern hätten private Investoren Landeszuschüsse für den Bau von Wohnheimen (Hechtsheim und Weisenau) erhalten. Seit dem Bau des Wohnheims Oberstadt (dies besteht aus einem Neubau und einem sanierten Hochhaus, Anm. d. Red.) im Jahre 2006 hätte das Land dem Studierendenwerk dagegen nur noch selten Zuschüsse gewährt, so die Geschäftsführerin des Studierendenwerks Alexandra Diestel-Feddersen.

Der Bau der Wohnheime Oberstadt und Wallstraße sowie die Sanierungen der Wohnheime Münchfeld und Inter II seien ohne Bezuschussung erfolgt. Lediglich für das K3 und in geringem Maße für das Wohnheim Binger Schlag habe das Studierendenwerk Zuschüsse vom Land erhalten.

Um die Gesamtbaukosten von 141 Mio. Euro für alle Wohnheime der vergangenen Jahre zu stemmen, habe das Studierendenwerk Mainz Kredite in Höhe von 106 Mio. Euro aufgenommen. Nur 20 Mio. Euro habe es aus Eigenmitteln bezahlen können. Vom Land habe das Studierendenwerk lediglich 14 Mio. Euro erhalten – also nur ein Zehntel der Gesamtkosten. Die Kredite seien für die hohen Mieten verantwortlich.

Die Durchschnittsmiete aller Wohnheime in Mainz würde niedriger ausfallen, wenn die Zuschüsse durch das Land höher wären, erklärte die Geschäftsführerin Diestel-Feddersen gegenüber Campus Mainz. Solange das Land also keine Zuschüsse zu den Mieten gewähre, werden diese auch nicht sinken, wie es der AStA fordert.

Keine Luxussanierungen, sondern eine "zukunftsorientierte Handlungsweise"

Die Komplettsanierungen des Inter II und des Wohnheims Münchfeld sowie die Hochhaussanierung des Wohnheims Oberstadt seien "logischerweise nach den geltenden Bauvorschriften und unter Einhaltung der Energiesparverordnung (EnEV)" erfolgt. Dies treffe auch auf die Neubauten der Wohnheime Oberstadt, Wallstraße, K3, Binger Schlag und Bingen zu.

Die Bauvorschriften seien jedoch immer strenger geworden, was mit erhöhten Kosten verbunden gewesen sei. Auch die Anforderungen der EnEV mussten bei dem Bau der Wohnheime noch überstiegen werden, um an günstigere Kreditkonditionen zu gelangen.

Letztlich sei diese Entscheidung eine "zukunftsorientierte Handlungsweise", so Diestel-Feddersen. Einen Fokus auf Luxussanierung gebe es nicht. Dies zeige sich schon bei der Möblierung, "die solide, aber einfach ist".

Nicht alles ist schlecht

Dass die Mieten im Vergleich zum Rest von Deutschland so hoch sind, ist für eine Studentenstadt wie Mainz natürlich ein großer Minuspunkt. Allerdings, das erfasse die Statistik nicht, habe Mainz auch "keine günstigen alten Wohnheime" mehr: "Das Wohnheim Mainzer Kolleg musste dem Neubau GFG weichen und das Inter I dem Medienhaus", merkt Diestel-Feddersen an.

Mainz hat also nicht nur vergleichsweise junge Wohnheime, der Wegfall der alten, sanierungsbedürftigen Wohnheime dürfte den Durchschnittspreis in den Jahren 2014 und 2015 zusätzlich in die Höhe getrieben haben. Da andere Studierendenwerke ihre Wohnheime in Zukunft mit hohen Kosten sanieren oder komplett schließen und dann neu bauen werden müssen, werde sich mittelfristig die bundesweite Durchschnittsmiete an das Mainzer Preisniveau angleichen, vermutet Diestel-Feddersen.

Ein genauer Blick auf die Statistiken des Deutschen Studentenwerks verrät auch: Im Verhältnis der Wohnheimsplätze zur Studierendenzahl ist das Studierendenwerk Mainz vergleichsweise gut aufgestellt. Noch im Jahr 2012 hatten Städte wie Freiburg, Gießen, Düsseldorf und Karlsruhe in etwa so viele Studierende wie Mainz (40.000 - 41.000). Während in allen vier Städten die Studierendenzahl über die Jahre um 12.000 (Karlsruhe) bis zu 28.000 zusätzliche Studierende (Düsseldorf) stieg, blieb die Zahl in Mainz in etwa gleich. Dennoch ist Mainz diejenige Stadt, die mit Abstand die meisten neuen Wohnplätze geschaffen hat: Zwischen 2012 und 2015 waren es 889 neue Wohnplätze. Die anderen Städte kommen auf nur 33 (Karlsruhe) bis 495 (Freiburg) neue Plätze – und das, obwohl der Bedarf in diesen Städten enorm gestiegen sein muss.

Auch die Gesamtzahl der Wohnplätze lässt Mainz gut dastehen: Trotz der vielen zusätzlichen Studierenden haben Gießen und Karlsruhe jeweils rund 1.300 weniger Wohnplätze als Mainz mit seinen fast 4.300 Plätzen. Zumindest also verschont der scheinbar allgegenwärtige Wohnungsmangel die Mainzer Studierenden mehr als andere Städte.