Studieren mit Kind | Gelassenheit im Studium

30.01.2017
Studium, Studieren mit Kind
Bettina

Bettina, müde und überglücklich mit dem kleinen Paul, recherchiert in der Bibliothek für ihre Hausarbeit.

Nach der Elternpause heißt es wieder: Lesen, lesen, lesen.

Bettina hat ihren zweiten Sohn bekommen und meldet sich aus der Elternzeit zurück. Sie erzählt, warum sie viel gelassener ist, seitdem sie zwei Kinder hat.

Hallo, da bin ich wieder! Mit Kind an der Hand und einem Baby im Arm. Du erinnerst dich, ich habe mich im Sommer hochschwanger in die Elternzeit verabschiedet?! Mitte August kam mein zweiter Sohn auf die Welt und allmählich wird es wieder Zeit, dass ich von mir hören lasse.

Hach, ich bin noch stark im Babymodus. Im Vergleich zu Anton kommt mir Paul so winzig vor. Er ist ein ruhiges, ausgeglichenes Kerlchen, das unserer Familie viel Freude macht. Du müsstest ihn erleben, Paul ist sehr goldig. :)

In Gelassenheit üben

Im letzten Jahr habe ich als Zweifachmama gelernt, was Gelassenheit bedeutet. Gelassenheit im Alltag, im Berufsleben, im Studium, in der Familie. Für jemanden wie mich, der alles gerne plant und voraussehen möchte und manchmal in unvorhergesehenen Momenten seine Zeit braucht, um damit umgehen zu können, ist es gar nicht so selbstverständlich, sich in Gelassenheit zu üben.

Das Sommersemester 2016 schwanger zu bestreiten, war nicht immer einfach. Ich quälte mich durch die Lateinprüfung, hatte wieder einige Referate vorzubereiten und belegte ein Seminar in Ludwigshafen. Dann kamen die Semesterferien und es stellte sich mir kurz die Frage, ob ich die Hausarbeit in Kunstgeschichte in den letzten sechs Wochen vor der Geburt doch noch schreiben sollte. Ich entschied mich dagegen, wollte mir keinen zusätzlichen Stress machen und die Sommertage lieber hochschwanger gemeinsam mit Anton genießen.

Es stellte sich heraus, dass das die richtige Entscheidung war. In sechs Wochen eine Hausarbeit zu schreiben, ist für mich schlichtweg unmöglich (sagt der Streber in mir) und so konnte ich mich in aller Ruhe auf unsere Familie konzentrieren.

Paul kam und ich genoss die intensive Familienzeit und verschwendete keinen Gedanken an die Uni.

Bis es Oktober wurde und ich mit dem Semesterstart daran erinnert wurde, dass es allmählich Zeit wurde, mit der Hausarbeit anzufangen. Wie ich mit der Hausarbeit vorangekommen bin und mit welchen Schwierigkeiten ich dabei zu kämpfen hatte, erzähle ich dir aber erst beim nächsten Mal,.

Alles zu seiner Zeit

Seitdem ich mit meinem ersten Kind erlebt habe, wie schnell die Babyzeit an einem vorbeirast und man plötzlich einen großen Jungen neben sich stehen hat (der einem täglich das Ohr mit seinen Geschichten abkaut), weiß ich, dass die ersten Jahre mit den Kindern sehr, sehr wertvoll sind.

Ich bin froh und dankbar dafür, dass ich Pauls erstes Jahr sehr intensiv miterleben kann. Es ist für mich ein Luxus, dass ich nicht unbedingt direkt einsteigen muss, sondern dass ich den Alltag mit den Kids bestreiten darf.

Und natürlich gibt es immer wieder Momente, da packt es mich und ich will loslegen. Da merke ich, dass ich auch nicht jünger werde, dass meine Semesterzahl steigt und dass der Bachelor schon beinahe greifbar ist. Gerade beim Jahreswechsel wurde ich kurz von einem ganz unnötigen Unmut erfasst, weil ich den riesigen Berg vor mir gesehen habe.

Doch dann besinne ich mich auf das, was mir wichtig ist und muss feststellen, dass ich glücklich bin mit dieser Situation. Ich habe gelernt, dass ich nicht alle Dinge auf einmal erledigen kann. Mir ist bewusst geworden, wie gerne ich Zeit mit den Kindern verbringe und dass sie mich gerade jetzt viel mehr brauchen als in ein paar Jahren. Paul ist fünf Monate alt und wird voll gestillt. Wir haben keine Omas und Opas in direkter Nähe und mein Freund hat auch nur zu Beginn Elternzeit gehabt. Ich genieße es, die Bezugsperson zu sein. Einfach deshalb, weil es so schön ist. Und auch weil ich weiß, wie schnell die Zeit dieser ultraintensiven Beziehung vorbei ist. So schnell kommt der Alltag wieder zurück und alles nimmt seinen gewohnten Lauf. Warum sollte ich diese wenigen Monate nicht einfach genießen? Nicht zu viel wollen, mich nicht stressen und ja nicht von anderen Familien unter Druck setzen lassen. Weil ich weiß, dass genau jetzt die Zeit des Mamaseins ist.

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