Neues Uni-Portal mit einkalkuliertem Schaden?

27.03.2017
Campus-News
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Seit Ende 2016 hält die Mainzelbahn am Uni-Portal. Im Zusammenhang mit der neuen Haltestelle wird nun der Vorplatz des Campus umgestaltet.

Die Läden sind während der Bauarbeiten weiterhin erreichbar. Sie beklagen jedoch eine schlechte Ausschilderung der Wege und leiden unter fehlender Laufkundschaft.

Während des Umbaus werden die Studierenden an der Baustelle vorbeigeleitet — und kommen dadurch nicht mehr automatisch an den Kolonnaden vorbei.

Der neue Vorderplatz der Uni Mainz soll mehr Komfort bieten und die äußerliche Wahrnehmung der Universität verbessern. Sechs Monate muss das Portal für den Umbau gesperrt werden – Leidtragende sind die Geschäfte an den Kolonnaden.

Am 21. November 2016 haben die Bauarbeiten zur Neugestaltung des Campus-Vorplatzes begonnen. Dafür wurde das gesamte Uni-Portal gesperrt. Für Studierende kam es bis jetzt zu keinen größeren Einschränkungen infolge der Baustelle. Allerdings leiden die Geschäftsbetreiber in den Kolonnaden unter der Sperrung.

Mangelnde Laufkundschaft: Geschäfte leiden unter der Sperrung

Für die Dauer der Baustelle ist das Unigelände von der Haltestelle Universität I und H an der Albert-Schweizer-Straße durch den Hinterweg am Forum 1 vorbei in Richtung von Baron und Q-Kaff wie gewohnt erreichbar. Kommt man an der Haltestelle A oder C an, parallel zur Saarstraße, erreicht man den Campus entweder über einen kleinen Durchgang am Forum 3 entlang oder hinten am Forum 4 und 5 vorbei Richtung ReWi II. Doch durch die neuen Wege kommen viele Studis nicht mehr automatisch an den Kolonnaden vorbei. Wie wirkt sich dies auf die Geschäfte am Uni-Portal aus, die vermutlich nun deutlich weniger Laufkundschaft haben?

Bei Nachfrage geben alle anliegenden Ladenbetreiber an, enorme Einbußen zu vermerken. Mitarbeiter von Werners Backstube und Unikat, des  Schreibwarenladens M. Dollmann-Morys sowie der Campus-Buchhandlung erklären, sie hätten während der Vorlesungszeit ungefähr den Gewinn gemacht, der normalerweise in den Semesterferien einzuplanen wäre. Die Einnahmen des Tabakladens gingen nach Angaben der Mitarbeiter um die Hälfte zurück.

"Wir waren immer fünf bis sechs Leute", erzählt eine Mitarbeiterin der Bäckerei, "jetzt sind wir nur noch dreieinhalb Stellen." Herr Nongesser, Mitarbeiter im Copyline, erklärt: "Bachelor- und Masterarbeiten werden immer noch bei uns in Auftrag gegeben. Die laufende Kundschaft ist das, was fehlt."

Schlechte Ausschilderung der Wege

Und auch die Campus-Buchhandlung Mainz, die erst knapp einen Monat vor der Aufstellung der Baustelle eröffnet hat, leidet unter den Umständen und habe schon die Ladenzeiten verkürzen müssen. "Die Baustelle kam so schnell, viele der Studierenden, vor allem die Erstsemester, wissen gar nicht, dass es uns gibt", so Susanne Ditscher, Inhaberin der Buchhandlung, "und da hilft auch leider die schlechte Ausschilderung der Wege nicht. Sie ist viel zu leicht zu übersehen."

Auch in den anderen Läden beklagen Mitarbeiter den fehlenden Weg von der Haltestelle Universität I und H von der Albert-Schweizer-Straße aus, der ihnen zugesagt worden sei. "Es wäre nicht so schlimm, wenn der kleine Durchgang über den Parkplatz direkt am Coffee-Shop wie besprochen freigegeben worden wäre", so eine Mitarbeiterin des Schreibwarenladens, "dann könnten die Studierenden leichter zu uns kommen."

Zwar sollen alle Inhaber vorher in einer Sitzung darüber informiert worden sein, dass eine mehrmonatige Baustelle kommen wird, eine tatsächliche Einwirkungsmöglichkeit habe aber nicht bestanden, da die Maßnahme zu dem Zeitpunkt schon beschlossen gewesen sei. "Wir wussten alle, dass die Baustelle kommen wird. Aber keiner der hier ansässigen Inhaber hat mit so einem Ausmaß gerechnet", sagt Frau Ditscher. Immerhin soll den Geschäften für die Zeitdauer der Baustelle ab Januar 2017 die Miete erlassen worden sein.

Der Masterplan

Der Campus-Vorderplatz soll gemäß eines "Masterplanes" erneuert werden, der von dem Büro Thomanek, Duquesnoy, Boemans (TDB Berlin) erstellt worden ist. Mit diesem hatten sie den städtebaulichen Wettbewerb 2011 gewonnen. Der Entwurf von TDB Berlin wurde an die Planung des Landesbetrieb Liegenschaft- und Baubetreuung (LBB) für die Umgestaltung des Forum Ost und der neuen Haltestelle der Mainzelbahn nach Lerchenberg angeschlossen. Demnach sollen die künftig befestigten Flächen mit Betonwerksteinen belegt werden, die bisherigen Gehwegplatten wurden bereits entfernt. Zur Entwässerung des Platzes soll im Untergrund ein Regenrückhaltebecken eingebaut werden. Auch eine neue Beleuchtung ist geplant: Durch Stableuchten soll der Platz bei Dunkelheit gleichmäßig erhellt werden. Des Weiteren sollen neue Sitzgelegenheiten aufgestellt werden. 

Ebenfalls Teil der Planung sind Neupflanzungen von 16 Eschen und Pyramiden-Hainbuchen. Diese sollen gemäß den genehmigten Planungen eine Baumreihe parallel zu den Kolonnaden bilden und somit eine 170 Meter lange Achse zwischen dem Torbogen zum Forum Universitatis und der zukünftigen Platzsitze markieren. Zusätzlich dazu soll die Mainzer Verkehrsgesellschaft einen Baum anpflanzen lassen. Dafür wurden dem Gestaltungskonzept entsprechend zunächst 16 Bäume gefällt.

Da ab dem 1. Januar 2007 die Hochschulimmobilien in den Liegenschaftsbestand des LBB übertragen worden sind, werden alle Baumaßnahmen der Hochschulen im Wirtschaftsplan des LBB veranschlagt. So sind auch die rund 3,5 Millionen Euro für die Umgestaltung des Campus-Vorplatzes in dem Dreieck zwischen Saarstraße/Einmündung Albert-Schweitzer-Straße, dem Kolonnadenbau sowie den Verwaltungsgebäuden der Universität im Haushaltsplan Rheinland-Pfalz für die Haushaltsjahre 2017/2018 veranschlagt. Die Baumaßnahme soll offiziell — Witterungsverhältnisse nicht eingeschlossen — acht Monate dauern. Die tatsächliche Bauzeit wird aber laut Auskunft des LBB aktuell noch geprüft. Hintergrund sind Änderungen des Bauablaufes, die in Abstimmung mit JGU und MVG vorgenommen wurden, um die Haltestellensituation der Mainzelbahn zu verbessern. 

Grüner Campus?

Schaut man sich die zukünftige Ausgestaltung des Vorplatzes an, fällt auf, dass alles, was früher eine Wiese bildete, zukünftig mit Beton belegt sein soll. Dabei kommt die Frage auf, inwiefern sich dies mit den Plänen von mehr grüner Fläche auf dem Campus decken soll, die in erweiterten Plänen der Berliner Büros enthalten sind. Diese Pläne beziehen sich auf den gesamten Campus und sehen eine Art grünes Band vor, das sich auf den freien Flächen zwischen Jakob-Welder-Weg und Joachim-Becher-Weg bis hin zu der Zentralmensa durch den ganzen Campus ziehen soll. 

Vier weitere Monate 

Noch mindestens vier Monate werden die Baumaßnahmen am Campus-Vorplatz dauern. So lange müssen auch die Läden noch durchhalten. Möglicherweise könnte eine bessere Ausschilderung Kunden zurückbringen: Anfang des Sommersemesters möchten die Ladenbesitzer sich um eine bessere Kennzeichnung bemühen, sagt Susanne Ditscher. 

Den Läden bleibt nur die Hoffnung, dass sie auch die kommenden Monate überstehen und dass die Studierenden nach Fertigstellung des neuen Portals zu ihren alteingesessenen Läden zurückkehren werden.