Interview | “Wie wird man eigentlich Honorarprofessor?“ Ein Gespräch mit Dr. Volker Klenk

10.10.2017
Studium
Gastbeitrag: Anne Lindlar

(c) Volker Klenk

“Ich will in jedem Semester dazu lernen“ – Volker Klenk, Honorarprofessor am Institut für Publizistik über sein Studium in Mainz, die Doppelbelastung von Agenturalltag und Uni und warum er sich trotzdem für die Professur entschieden hat.

Seit März 2017 ist Dr. Volker Klenk Honorarprofessor am Institut für Publizistik (IfP). Klenk, der bereits seit 2007 als Lehrbeauftragter am IfP tätig war, ist Gründungsgesellschafter und Vorstand von Klenk & Hoursch. Die Agentur für Unternehmens- und Markenkommunikation sitzt in Frankfurt und betreutet unter anderem international bekannte Unternehmen. Für ihre Projekte und Kampagnen wurden Klenk & Hoursch bereits vielfach ausgezeichnet.

Im Interview mit dem Publizissimus verrät Klenk, warum er die Doppelbelastung von Uni und Agentur auf sich nimmt, was er Kommunikationsstudis ans Herz legt und wie er die Praxis zurück ins Studium bringt.

Publizissimus: Herr Klenk, warum lehren Sie als Mitinhaber einer PR-Agentur zusätzlich noch an der Uni?

Dr. Volker Klenk: Weil ich Interesse an innovativen, zeitgemäßen Themen habe, die in der Praxis unter Umständen noch nicht relevant sind. Und natürlich, weil ich Lust habe, mit jungen Leuten zu arbeiten. Ich will in jedem Semester dazu lernen, etwas Neues machen und mich auch ein Stück weit von den Studierenden inspirieren lassen. Das klingt vielleicht ein bisschen ungewöhnlich. Eigentlich sollen ja die Lehrbeauftragten die Studierenden inspirieren. Aber ich glaube, das muss gar keine Einbahnstraße sein.

Wie wird man denn eigentlich Honorarprofessor?

Vor vielen Jahren wurde ich mal gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, hier am Institut eine Honorarprofessur zu übernehmen. Dann ist ein komplexer Prozess in Gang gekommen, an dem viele Leute beteiligt waren und der sich für mich von außen als nicht immer transparent dargestellt hat. Es ist ein mehrstufiges Verfahren, das auf jeder Stufe abgebrochen werden kann. Wenn man das beginnt, begibt man sich auf eine Reise und weiß eigentlich nicht so richtig wann und ob man ankommt.

Ist die Doppelbelastung von Uni und Agentur nicht manchmal sehr stressig?

Ja, aber das nimmt man klaglos auf sich. Freilich, je nachdem was auf Kundenseite in der Agentur gerade läuft, ist die Vorbereitung für die nächste Veranstaltung etwas, was man am Wochenende oder abends macht. Aber ich glaube nicht, dass man das auf Dauer tut, wenn man es nicht gerne macht.

Einige Publizistik-Studierende finden die angebotenen Seminare teilweise zu theoriela(ä)stig. Können sich die Studierenden, die Ihre Veranstaltungen besuchen, auf mehr Praxisbezug freuen?

Das ist auch meine Beobachtung am Institut für Publizistik (IfP), dass es nur wenige praxisorientierte Angebote gibt. Aber ich glaube, dass das wahnsinnig wichtig ist für die Ausbildung der Leute, sowohl im Bachelor als auch auf Masterlevel. Sehr praxisorientierte Projekte sind genau das, was ich leisten will und was ich leisten kann.

Welche praxisorientierten Projekte haben Sie denn zum Beispiel schon in Ihren Lehrveranstaltungen gemacht?

Ich habe in all den Jahren eigentlich fast nie dasselbe gemacht, sondern mir immer ein neues Thema überlegt. Ich hatte nie Interesse, dass das in Routine ausartet. Letztes Sommersemester habe ich zum Beispiel mit den Studierenden Scrollytelling-Websites erstellt und vor vielen Jahren die Imagebroschüre des IfP gemeinsam mit Studis entwickelt. Wir haben Konzept, Fotos, Layout und Texte gemacht. Das war ein spannendes Projekt.

Sie haben ja auch hier am IfP Publizistik studiert, damals noch im Magister. Warum haben Sie das noch drangehängt, nachdem sie schon Werbewirtschaft in Stuttgart, Kommunikationswissenschaft in Hohenheim und Public Relations in Schottland studiert hatten?

Das Hochschulrecht sah damals vor, dass man, um an einer Universität promovieren zu können, ein achtsemestriges abgeschlossenes Universitätsstudium vorweisen musste. Bei allem, was ich vorher gemacht hatte, hatte ich zwar viel gemacht, aber kam nicht auf acht Semester. Einen Uni-Abschluss hatte ich auch noch nicht. Deshalb hab ich hier Publizistik nachgeholt, war aber letztlich nur zwei Semester da, weil mir alles andere angerechnet wurde.

Wie fanden Sie das Mainzer Studentenleben?

Das kenne ich leider überhaupt nicht, weil ich schon voll gearbeitet habe, als ich damals in Mainz studiert habe. Ich bin immer nur direkt zu den Vorlesungen gefahren und danach wieder zurück. Mainz habe ich erst später besser kennen gelernt.

Was ist denn dann Ihre Lieblingskneipe in Mainz?

Ich habe ein Lieblingsrestaurant, das “Heinrichs“ in der Altstadt. Ist eine ganz tolle Weinstube und eben nicht teuer. Ein echtes Kleinod.

Zum Schluss nochmal zurück zum Thema Studium und Beruf: Welchen Tipp können Sie Publis mitgeben, die später mal in den Bereich der Unternehmenskommunikation (PR) wollen?

Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und jeder sollte für sich klären, was ihn in diesem riesigen, aber auch sehr fordernden und anspruchsvollen Berufsfeld wirklich interessiert. Man sollte während des Studiums schon viel testen, spielen und lesen, vor allem natürlich in der digitalen Kommunikation, weil das heute schon das A und O ist.

 

Dieser Artikel wurde in ähnlicher Form im Publizissimus, der studentischen Institutszeitung der Publizisten, im Sommersemester veröffentlicht. Die Bearbeitung für die Redaktion von campus-mainz.net übernahm Alena Weil. Dem Publizissimus kann man auf Facebook und Instagram folgen.