Home Office: Wie organisiere ich den Tag, wenn ich zu Hause lernen oder arbeiten muss?

09.03.2016
Studium, Studieren mit Kind
Bettina

Bettinas Lernsituation zu Hause.

Als studierende Mutter mit einer Halbtagesbetreuung für das Kind arbeitet Bettina meistens von zu Hause aus. Sie erzählt, wie sie ihre freien Vormittage organisiert, wie sie die Angst vor dem weißen Blatt überwindet und warum Zeitpläne essentiell sind.

Motivation ist das Motto

Morgen für Morgen sitze ich während der vorlesungsfreien Zeit vor meinem Laptop, nachdem ich Anton zur Tagesmutter gebracht habe. Mit dem Wissen, dass mir nur knapp fünf Stunden für Arbeit, Haushalt und Mittagspause plus Kochen bleiben, lese ich zu meinem zweiten Kaffee eine Runde Lieblingsblogs und Kunstartikel, beantworte ein paar Emails und schaue auf meinen Blogplan. Aber dann muss ich mich von meiner geplanten Prokrastination lösen, von dem Am-Computer-Einarbeiten und konzentriere mich auf meine Arbeit.

Meine Arbeit - das sind momentan eine Hausarbeit und die Vorbereitung auf eine Lateinklausur. Daneben schreibe ich natürlich auch Artikel für die Blogs, habe den Familienalltag und würde am liebsten auch noch Dinge machen, die mir gut tun. Die Hauptfrage ist: Wie motiviert man sich immer wieder auf's Neue, wenn man zu Hause arbeitet?

Dass Mütter Allrounder sein sollen, davon hört man immer wieder. Ganz ehrlich: ich konnte meinen Alltag schon immer gut organisieren. Das gehört einfach zu mir und macht mir Spaß. Ohne To-do-Listen habe ich das Gefühl,alles Wichtige zu vergessen.

Aber tatsächlich ist es so, dass ich einiges vergesse, seitdem Anton da ist. Der größte Teil meines Kopfes dreht sich um ihn und alles andere muss ich in die zweite Hälfte packen. Das funktioniert meistens sehr gut, manchmal aber auch nicht. Aber unter Zeitdruck lernen, das kann ich. Das habe ich mir erarbeitet und geübt, irgendwann "perfektioniert". In den meisten Fällen gelingt es mir wirklich, dann zu lernen, wenn ich lernen muss.

Der erste Schritt: gute Vorbereitung

Ja, die effektive Arbeit fängt schon mit einer guten Vorbereitung an. Die kleinen Dinge machen den Unterschied. Ich arbeite am liebsten an unserem Esstisch, der im Wohnzimmer steht. Ich mag dort das Licht und die Aussicht. Ich kenne den Ort, an dem ich am besten schreiben kann, wo es "fließt".

Aber dieser Tisch wird auch morgens von uns beim Frühstücken genutzt und so versuche ich ihn, trotz der Eile, immer direkt aufzuräumen. Wenn ich Anton weggebracht habe und der Tisch bereits sauber ist, dann habe ich die erste kleine Hürde schon ausgeräumt. Egal, wo man seinen Arbeitsplatz hat, der Schreibtisch sollte ordentlich und aufgeräumt sein. Denn Ordnung auf dem Tisch schafft Ordnung im Kopf.

Ich bereite auch meistens schon die Unterlagen und Arbeitsmaterialien vor. Im Wohnzimmer darf ich die Platte unserer Kommode okkupieren und so sammeln sich dort Bücher und Notizen. Ich verbanne jedoch alles, was nicht mit dem aktuellen Thema zu tun hat, aus dem Wohnzimmer auf meinen richtigen Schreibtisch (ja, den gibt's auch) und sortiere meine Unterlagen nach inhaltlichen Gesichtspunkten.

Zwei Kleinigkeiten helfen mir auch noch, möglichst bald mit der Arbeit zu beginnen. Ich habe es gelernt, die Wohnung einfach unordentlich sein zu lassen. Ich kenne viele, die das überhaupt nicht können und mir fiel es lange Zeit auch sehr schwer. Es ist auf jeden Fall lernbar, das Umfeld zu ignorieren und weiter unten kannst du lesen, wie sich das relativ einfach gestaltet.

Und meistens bereite ich vorher oder spätestens in den Pausen Getränke vor, oft eine Karaffe mit Minzwasser oder eine Kanne Tee, damit ich nicht für jede einzelne Durstphase später aufstehen muss und gleichzeitig genügend trinke.

Die Angst vor dem weißen Blatt

So, dann ist alles vorbereitet und man kann loslegen! Aber wie doof ist es, wenn man vor seinem Laptop sitzt und einfach nicht weiß, wo man anfangen soll? Gerade wenn man nur einen kurzen Slot zum Arbeiten hat, braucht man ein wenig Zeit, um mit den Gedanken beim Thema zu sein.

Die Angst vor dem weißen Blatt kennen die meisten. Die Ideen kreisen im Kopf, die Unterlagen türmen sich vor einem auf, aber man weiß einfach nicht, wie man die Gedanken ausdrücken soll.

Was mir wirklich hilft, egal ob beim Schreiben eines Blogposts oder einer Hausarbeit, ist das Losschreiben. Man schreibt irgendetwas, zum Beispiel Tagebuch, erzählt, wie der Tag war und was man erlebt hat. Dadurch beginnt der Kopf, Sätze zu formulieren und die Hände fangen mit dem Tippen an.

Besser wird's, wenn man schon einzelne Sätze zum vorliegenden Thema aufschreibt. Es macht wirklich Sinn, seine Ideen und Gedankenfragmente niederzutippen. Denn auch wenn man erstmal nichts mit diesen Bruchstücken anfangen kann, ist es meistens schon am nächsten Tag oder bei der nächsten Arbeitssession der erste Anlaufpunkt, um weiterzumachen.

Daraus ergibt sich dann der Text. Man hat schon etwas produziert, auch wenn man so etwas nie abgeben könnte. Aber man hat nicht mehr das weiße Blatt und kann auf etwas aufbauen. In der Pause können die fehlenden Teile in Gedanken reifen, man kann weiterhin darüber grübeln und vielleicht auch einiges wieder verwerfen.

Während des Arbeitens

Auch wenn die Zeit so kurz bemessen ist, lohnen sich kurze Pausen. Je nach Phase arbeite ich eineinhalb bis zwei Stunden und mache dann zehn bis dreißig Minuten Pause. Meine Mittagspause ist mir wichtig und diese dauert dann etwas länger.

In den kurzen Pausen "belohne" ich mich. Das gibt mir Motivation, ungeliebte Texte wirklich zu lesen. "Wenn du diesen Artikel durchgearbeitet hast, darfst du den Artikel XY lesen." Manchmal freue ich mich dann so sehr auf das Ende des Textes.

Blöderweise ist man ja nicht immer hundertprozentig bei der Sache und so kommen mir an manchen Tagen ständig die besten Einfälle für alles Mögliche, nur nicht für das Thema. Ein Extra-Notizblock liegt also immer griffbereit. Oft nutze ich die kurzen Pausen, um die Dinge zu erledigen.

Und natürlich bringen  frische Luft und eine Tasse Kaffee einem müden Kopf auch wieder die nötige Frische.

Was tun, wenn dich Prokrastination hemmt

Prokrastination kennen wir alle. Was tun, wenn man endlich freie Zeit hat, unbedingt arbeiten muss, aber einfach keinen Kopf dafür hat? In den meisten Fällen klicken wir uns durch die Webseiten, lesen Emails und schauen den Instagram-Feed durch. In ganz schlimmen Fällen waschen wir die Wäsche, räumen die Schränke aus oder putzen sogar die Fenster. Klassische Prokrastination eben.

Wenn ich überhaupt keine Lust habe und dennoch produktiv sein muss, dann übernehme ich andere Aufgaben und lasse das Schreiben sein. Diese Arbeitszeiten nutze ich anders. Ich formatiere die Texte, sortiere Unterlagen, füge Quellen ein, plane und organisiere.

Kopieren und Bücher bestellen oder die Literaturliste erstellen sind Aufgaben, die notwendig sind und ziemlich aufwendig sein können. Das sind alles wichtige To Do's, die sowieso irgendwann gemacht werden sollten, auf die man aber auch nicht immer Lust hat. Dadurch kommt man mit seinen Aufgaben voran.

Pläne bringen dich ans Ziel

Es ist kein Geheimnis, dass ich Pläne und Listen liebe. Deshalb gibt es kaum eine Lernzeit ohne Zeitplan. Beim Planen gehe ich aber nicht zu streng vor. Ich schaue, welche Termine es in der Woche gibt und welche effektiven Lernzeiten ich habe. Dann plane ich die einzelnen Lernzeiten.

Dabei stecke ich mir Tagesziele. Eine halbe Stunde Latein - Text A übersetzen, zwei Stunden Hausarbeit schreiben - Quelle A bearbeiten, Punkte 2 und 3 beginnen zu schreiben, Punkt 1 beenden usw. Die größte Schwierigkeit besteht wohl darin, dass man den Plan möglichst sinnvoll durchdenkt. Nicht überschätzen, nicht zu hoch ansetzen, genug Puffer einbauen.

Wichtig ist auch, dass man seine besten Lernzeiten kennen sollte. Ich kann zum Beispiel morgens bis 12 Uhr am effektivsten lernen. Dann lasse ich mich am wenigsten ablenken und kann meine Gedanken gut ordnen. Abends gibt es manchmal Phasen, in denen ich sehr produktiv bin - vor allem für's Bloggen. Dann ist mir der Schlaf egal. Ich nutze den Flow und schreibe, bis mir die Augen zufallen.

Diese Tipps beherzige ich fast immer und das ermöglicht mir, selbst bei nur einer halben Stunde freier Zeit effektiv zu arbeiten. Nicht nur Mütter kennen es, dass einfach so viel neben der Arbeit oder des Studiums läuft, dass man jede Zeit, die sich auftut, nutzen sollte. Aber bei all der vielen Arbeit plant euch auch unbedingt Pausen ein! Pausen für die Familie, zum Nachdenken, Quatsch machen und Auftanken.

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