Forschungsreise nach King's Landing

03.01.2018
Studium, Instagram Artikel
db

#Sceneplacing in der "Blackwaterbay" in Dubrovnik

Blick von der "Red Keep" über die "Blackwaterbay" und Downtown "Kings Landing" in Dubrovnik.

Eine kleinere Scene am Rande der Stadt

Eine der berühmtesten Szenen im Game of Thrones Universum: "The Walk of Shame"

Warum nicht einfach darüber eine Masterarbeit schreiben, was man selbst liebt: den Filmtourismus. Meine Forschungsreise dazu ging in die Hauptstadt des fiktionalen Westeros aus der Serie Game of Thrones.

 

Du weißt gar nichts, Daniel

Als ich vor ein paar Monaten zu einer ersten Besprechung meiner Masterarbeit im Büro meiner Dozentin saß, fielen mir noch tausend mögliche Themen ein. Zum Glück konnte sie mich einfangen und meine Ideen und meine Kreativität in das richtige Forschungsthema lenken. Es war also weniger meine Idee, dass ich mich heute mit den Themen rund um den durch Game of Thrones ausgelösten Filmtourismus in Dubrovnik, Kroatien, beschäftige, sondern eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Masterstudi und Dozierender. Solche Situationen, in denen Dozent und Studi auf Augenhöhe miteinander arbeiten, habe ich oft während meiner Zeit am Geographischen Institut der Uni Mainz erlebt.

Ein bisschen La La Land in dieser Arbeit

Während das Oberthema aus der Zusammenarbeit mit meiner Dozentin stammte, waren die Details schon länger klar: Einmal Social, immer Social. Bereits meine Bachelorarbeit beschäftigte sich mit der Social-Media-Kommunikation. Damals untersuchte ich das neue Phänomen des Social TV am damals noch unter Neo Magazin laufenden Satiremagazin von Jan Böhmermann. Auch in der Forschungswerkstatt, die mich im anschließenden Master Humangeographie bis nach Kalifornien führte, waren Elemente der jetzigen Masterarbeit bereits vorhanden. Vor Ort in Los Angeles erforschten wir, warum einzelne Locations in der Stadt öfter als andere als Drehorte genutzt werden. Im Zentrum meiner Recherche stand die LA Union Station als vermutlich meist gefilmter Bahnhof der Welt. Dabei fand ich bereits viele der theoretischen Grundlagen für die jetzige Abschlussarbeit.
In der Masterarbeit stelle ich mir nun die Forschungsfrage, wie "Filmtouristen in den sozialen Netzwerken ihren Aufenthalt in Dubrovnik kommunizieren." Es war nur logisch, die bereits erprobten Methoden und mir bekannten Theorien in der Masterarbeit zu vereinen. Dafür ist der Master meiner Meinung nach gedacht, um aus dem Gelernten neue Verknüpfungen zu bilden und davon ausgehend weiterzudenken. Mit meinem Thema und der Forschungsfrage nutze ich einerseits bereits bekanntes Wissen, setze auf meine Lieblingsthemen und kann gleichzeitig ein bisher kaum erforschtes Feld analysieren.

Mit Studierendenbudget nach Kroatien

Während der Präzisierung und genauen Ausarbeitung meiner Forschungsfrage wurde mir immer klarer, dass ich meine Arbeit, ohne nach Dubrovnik zu reisen, nicht vervollständigen konnte. Aus Sicht meiner Betreuer war die Reise allerdings nicht unbedingt nötig, weshalb sich die Reisepläne in den Konjunktiv verschoben. Auch die Preise der Flüge nach Dubrovnik waren deutlich zu hoch für eine schnelle
Entscheidung. Für den Preis der Flüge habe ich in diesem Jahr einen ganzen Kurzurlaub bei einem befreundeten Studenten auf Auslandssemester in der Erasmusstadt Valencia verbracht. Doch eine Analyse erster Social-Media-Beiträge von Filmtouristen machte klar, dass ich nach Dubrovnik reisen musste. Die laufende siebte Staffel zu dieser Zeit tat ihr Übriges, um mich vollends zu überzeugen. Als die Entscheidung schließlich fiel, waren es nur noch vier Wochen bis zur Forschungsreise nach King's Landing. Die Planung musste schnell gehen, aber gut sein, denn eine Sache kann man sich mit kleinem Budget nicht leisten - in teure Fallen zu tappen.

Reisen wie in der siebten Staffel

Da ich ungern alleine reise, besorgte ich mir eine Begleitung aus der Heimat und es ging los Richtung Kroatien. In der Hauptstadt angekommen mieteten wir ein Auto, freundeten uns mit einem weiteren Reisenden an und nahmen ihn mit auf unsere Tour an die Küste, entlang der Adria bis nach Dubrovnik. Leider konnten wir nicht so schnell reisen wie die Charaktere in der siebten Staffel und brauchten zwei Tage bis nach Dubrovnik und nicht nur einen Szenenwechsel, um durch Westeros zu reisen. Auf dem Weg von Zagreb zur Küste fuhren wir durch den Nationalpark Plitvicer Seen. Bei einem weiteren Zwischenstopp in der Stadt Split machte ich mich auf die Suche nach weiteren Drehorten von Game of Thrones. Die Suche blieb zunächst erfolglos, aber traurig war ich deshalb nicht, denn ich wusste, was mich am nächsten Tag erwarten würde: An Tag Drei unserer Reise sollte endlich King's Landing unser Ziel sein.

Dubrovnik is coming

Da mein Forschungsobjekt Filmtourismus ist, versuchte ich auch genau das zu sein, ein Filmtourist. Mit großen Fanaugen lief ich durch die Stadt; der Forscher in mir war in diesem Moment sehr weit weg – vermutlich war er noch an der Uni in Mainz. Das war jedoch gar nicht schlimm, sollen es doch genau diese Gefühle und Empfindungen sein, die meine Arbeit zu ergründen versucht. Ich nahm Dubrovnik also durch die Augen eines Fantouristen wahr und sie wurde damit sprichwörtlich zur Hauptstadt der sieben Königslande von Westeros. Überall sah ich die Charaktere der Serie, die Drehorte und Fanartikel. Die Fiktion von King's Landing bekam mit Dubrovnik ein Gesicht, das bereits viele vor mir mithilfe sozialer Netzwerke in die Welt trugen.
Mit meinem spärlichen Studentenbudget, das schon durch den Flug deutlich in die Knie gegangen war, versuchte ich jetzt so viele Drehorte zu finden wie möglich. Für einen Besuch auf der vor Dubrovnik liegenden Insel namens Lokrum reichte es dann leider geldbeuteltechnisch nicht mehr. Dort befinden sich ein vom Sender HBO angefertigter Eiserner Thron sowie Drehorte für die Stadt Qarth auf dem Kontinent Essos. Auch Joffreys wunderschöne Hochzeit im Gradac Park außerhalb der Altstadt war leider nicht mehr drin. Alle anderen Drehorte konnte ich identifizieren und fotografisch festhalten. Ich war mit Daenerys im "House of Undying", mit Cersei in der "Red Keep" und mit Tyrion auf der Stadtmauer. Ich habe King's Landing infiltriert wie ein "Faceless Man".

Mein Drache war eine Drohne

Mit einer Drohne machten wir im Graubereich des modernen Flugrechts fantastische Aufnahmen der mittelalterlichen Stadt. Faszinierende Sichten auf eine Touristenattraktion, berühmt geworden durch eine fiktionale Geschichte. In der Serie nimmt man die Stadt King's Landing meist nur als einzelne, unverbundene Orte wahr, doch mit den Drohnenbildern zeigt sich die Stadt in ihrer kompletten Größe: sandfarbene Mauern, tiefblaue See und rote Dächer. Als meine Begleiter bereits weitergezogen waren, begab ich mich noch auf eine Game of Thrones-Stadtführung. Ganz für mich genoss ich einerseits, viele Kleinigkeiten der Tour bereits zu wissen, die ich vorher mithilfe von Google Maps und Streetview recherchiert hatte, und andererseits ein paar neue Geschichten aus der Welt zwischen dem realen Dubrovnik und der fiktiven Welt von Westeros zu erfahren. Mit Glück erwischt man eine Tour, die kleiner als 15 Personen ist, und mit noch etwas mehr Glück stehen auch weniger als drei Gruppen an einem der Drehorte. Ich hatte kein solches Glück. Das Ende der Tour führte in den offiziellen Game of Thrones-Shop und die letzten übrigen Scheine in meinem Portemonnaie suchten sich teure Erinnerungen aus den Regalen aus. Jetzt bin ich Besitzer eines gelben House Stark-Badehandtuches mit der ironischen Aufschrift "Winter is coming". Genau mein Humor.
Am nächsten Tag ging es mit dem Flieger und einem Zwischenstopp in Zagreb schon wieder nach Hause nach Frankfurt.

Was habe ich gelernt?

Gelernt habe ich, dass das seit 2006 laufende Game of Thrones nicht dazu beigetragen hat, dass Dubrovnik günstiger geworden ist. Aber genau dieser Punkt war es, der mich antrieb auf meiner Expedition. Die Drehorte und die Erfahrungen waren es trotzdem wert. Auch für meine Arbeit konnte ich das Argument beseitigen, eine Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm zu führen. Ich habe mich stattdessen voll in die überfüllten Altstadtgassen mit ihren Einbahnstraßen für Fußgänger gestürzt und bin vielleicht sogar zu oft einfach nur ein Fan gewesen. Aber ich konnte mich mit einer Leiter aus dem Chaos von King's Landing befreien und nehme viele frische Bilder, Eindrücke und hoffentlich verwertbare Erkenntnisse mit zurück an die Uni Mainz.
Jetzt gilt es, die Literaturrecherche, die qualitative Analyse der Social Media Posts und die Erkenntnisse aus der Hauptstadt von Westeros in Form und auf Papier zu bringen. Folgen könnt ihr meinem weiteren Streben nach Vollendung der Masterarbeit auf Twitter und Instagram - @bocher_daniel. Ich hoffe, meine Arbeit wird verewigt in der Bücherei von Old Town. Was glaubt ihr eigentlich: Wird meine Masterarbeit noch fertig, bevor die achte Staffel kommt?

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