Die wundersame Studivermehrung in Bus und Bahn

20.12.2016
Studium
kan

Gequetsche und Gedränge an den Haltestellen. Egal ob morgens...

...oder abends. Der Kampf um den Platz in Bus und Bahn gehört für viele zum Studi-Alltag.

Knieraum ist hart umkämpft, statt Atemluft nur trüber Dunst und Diskretionsabstand ist zu einem vagen Theoriekonzept geworden. Trotz Mainzelbahn sind die Busse und Straßenbahnen zur Uni gnadenlos überfüllt. Doch wo kommen bloß plötzlich diese vielen Fahrgäste zwischen Campus und Hauptbahnhof her?

Unwillig schiebe ich mich durch die Menschenmasse. Es ist warm im Bus. Mit einer Schulter stoße ich gegen einen Rucksack. Beinahe zeitgleich trete ich einer jungen Mutter aus Versehen auf die Füße. Einfach stehen bleiben ist keine Option. Hinter mir drängeln sich immer mehr Fahrgäste in den Bus.

Seit Mitte Dezember befördern nicht nur Busse, sondern auch die Mainzelbahn Studierende zum Campus. Die neue Straßenbahn sollte die Buslinien entlasten – weniger überfüllte Fahrzeuge, eine bequemere Fahrt zur Uni und vom Campus nach Hause, das war die Hoffnung vieler Studis. Mit dem gleichzeitigen Reduzierung der Fahrten der Linie 69 hat sich die Situation allerdings, zumindest gefühlt, kaum entspannt.

Man wird sich ja wohl noch beschweren dürfen

"Die Deutschen beschweren sich gerne." – Ich weiß gar nicht wie häufig ich diesen Satz schon von Freunden aus anderen Ländern zu hören bekommen habe. Wir Deutsche, die Nation, die über ihre Ländergrenzen hinaus für ihren Hang zur Beschwerde bekannt ist. Mit Vorliebe über das schlechte Wetter oder über den öffentlichen Nahverkehr. Und egal für wie weltoffen, weitgereist und vielleicht auch "undeutsch" ich mich halte – ich bin genervt von den überfüllten Bussen und Bahnen. 

Wo kommen die ganzen Studis her? 

Seit 2013 studiere ich an der Johannes Gutenberg-Universität. Seitdem wird jedes Jahr verkündet, dass wieder eine rekordverdächtige Zahl junger Studierwilliger an die deutschen Universitäten und Hochschule strömt. Bisher hat sich das allerdings nicht so krass bemerkbar gemacht. Aber dieses Semester ist alles anders. Volle Busse, überfüllte Bahnen - sind sonst immer alle mit dem Fahrrad an die Uni gefahren? Sind es die letzten Magisterstudierenden, die seit diesem Semester wieder zur Uni eilen, um doch noch ihren Abschluss zu machen? 

Eingeklemmt zwischen großen Jungs mit Wanderrucksack, Mädchen mit glitzernden Handys und dem ein oder anderen Fahrrad oder Koffer überlege ich, was anders ist.

Sind die Pommes aus der Forster Mensa schuld?

Hat der angespannte Wohnungsmarkt dazu geführt, dass es mehr Pendler gibt? Sind am Ende etwa die Mitarbeiter des ZDF, die jetzt mit der Mainzelbahn zur Arbeit fahren, schuld? Oder hat sich die ausgezeichnete Qualität der Pommes aus der Mensa im Georg-Forster-Gebäude herumgesprochen und zieht jetzt auch Nicht-Studis an die Uni?

Plötzlich bremst die Bahn scharf und bleibt stehen. Schnell quetsche ich mich ins Freie und laufe auf das Forum zu. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, mein Fahrrad zu reparieren.

Campus Mainz e.V. unterstützen!

Campus Mainz e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und die meiste Arbeit ist ehrenamtlich. Hilf uns dabei auch in Zukunft tolle Dienste für alle kostenlos anzubieten. Unterstütze uns jetzt!