#Ausland | Eigenarten der Argentinier

24.01.2017
Studium, Internationales
Laura

An die verschobenen Tageszeiten in Argentinien musste sich Laura erst gewöhnen.

Argentinischer Wein und leckeres Essen, das hat Laura während ihrer Zeit in Buenos Aires bereits zu schätzen gelernt.

Auch Empanadas sind eine argentinische Spezialität.

Während meiner bisherigen Zeit in Buenos Aires wurden mir im Alltag schon einige Unterschiede zu meinem Leben zu Hause in Deutschland vor Augen geführt, die ich gleich zu schätzen gerlernt habe. Aber ist die argentinische Mentalität wirklich das Gegenteil der deutschen?

Von Fernet, Mate und Rotwein zu Asado und Empanadas

Argentinien ist eine Nation, die auf ihre eigenen Getränk- und Essenskreationen mehr als stolz ist. Unter jungen Leuten bevorzugt getrunken wird Fernet gemischt mit Cola, jedoch ist Mate bei Jung und Alt der Spitzenreiter. Zubereitet wird das Gemisch in einer Calabaza, dem Matebecher, und getrunken er  durch die Bombilla, die aussieht wie ein Metallstrohhalm. Unzählige Varianten, z.B. mit Saft, Zucker und, mein Tipp, gemischt mit Kaffee, sorgen für Abwechslung.

Wein jeglicher Art, wobei dem Rotwein mein Herz gehört, ist Teil des Alltags. Überall gibt es Weinlokale und täglich finden tausende Weinproben statt. Da ist es kein Wunder, dass fast zu jedem Abendessen das alkoholhaltige Getränk dazu gereicht wird. Genauso beim Asado – dem Grillfest der Argentinier.

Das ist hier das Typischste was man mit Einheimischen unternehmen kann. Alle Freunde sitzen zusammen vor dem riesigen Steinofengrill und schauen dem Asador, dem Grillmeister, zu, wie er das leckerste Fleisch zubereitet. Dazu gibt es meistens Grillkäse, mit Ei gefüllte Paprika, Chorizo, gegrilltes Gemüse und vieles mehr. Sowieso ist Argentinien wohl eine der größten Fleischessernationen überhaupt. Auch in den Empanadas, den kleinen Teigtaschen, findet man Pollo, Jamón und Carne.

Schlange stehen bis zum Umfallen

Egal wie energiegeladen die Argentinier sein mögen, eines ihrer größten Talente ist Schlange zu stehen. Ob für zwei Stunden an der Supermarktkasse, weil wieder zu lange gequatscht und zu wenig gearbeitet wird, an den Bushaltestellen, oder an den Bankautomaten. Schlangen bis zu mehreren Cuadras (Blöcke) lang sind hier nichts überraschendes. Wenn sich nicht brav angestellt wird, bringen die Porteños (wie die Einwohner von Buenos Aires auch genannt werden) ihr Temperament zum Ausdruck. Das bedeutet: Ausländer fliegen leider sofort auf.

Die Suche nach vollen Bankautomaten

Aufgrund Argentiniens jahrhundertlanger Schuldengeschichte ist die Inflation stets sehr hoch. Im Moment liegt sie bei rund 41%, und das spürt man. Träumer von einem billigen Südamerika werden hier leider enttäuscht. Gleiche oder sogar teurere Preise als in Westeuropa verschlagen einem im Supermarkt die Sprache. Billiger ist nur das Fleisch und das Auswärtsessen und -trinken gehen, was uns als Austauschstudierende natürlich freut.

Unglaublich aber wahr ist, dass man hier jede Woche auf leere Bankautomaten stößt. Vor allem zum Wochenende hin wird es besonders schwierig Geld abzuheben. Aus diesem Grund stehen montags alle Schlange vor den Banken. Mir ist es schon zu oft passiert, dass ich es vergaß und mir ein Wochenende lang pleite Geld leihen musste. Aber auch das gehört zu einer der Eigenarten des Landes, die ich vermissen werde.

Verschobene Alltagszeiten

Eine der größten Umgewöhnungen ist der verschobene Alltag. Späteres Aufstehen und späteres Arbeiten führen dazu, dass man selten Menschen um sieben Uhr auf die Arbeit gehen sieht wie in Deutschland. Außerdem isst man spät, z.B. sieht man erst ab zehn oder halb elf proppenvolle Restaurants. Durch das verschobene Abendessen fängt die Previa – das Vorglühen – erst gegen halb zwölf an, wobei man den Club erst zwischen drei und vier Uhr morgens erreicht.

Tango und Salsa – Milongas, wohin das Auge reicht

In den Clubs wird hier einerseits wie in Europa getanzt, andererseits aber auch viel mehr Salsa und Paartanz. Überwiegend schwingt man das Hüftbein in den einheimischen Clubs zu Reggaeton und Cumbia, also spanischer Musik.

Auch hoch im Kurs stehen in Buenos Aires die verschiedenen Orte, um an einer Milonga teilzunehmen. Zwischen Livemusik, Rotwein und gut gelaunten Menschenmassen tanzt man hier in riesigen Sälen Tango und Salsa. Dabei sind fast alle Altersklassen vertreten. Für Anfänger gibt es meist einen Kurs für ungefähr sechs Euro, bevor dann ab elf Uhr bis zum Morgengrauen getanzt wird.

Argentinischer Machismo

Auch wenn die Einheimischen unglaublich offen und freundlich sind, nimmt man schnell den "Machismo" wahr, besonders unter den Porteños. Der Umgang zwischen Mann und Frau ist ziemlich anders als in Deutschland. Es wird sehr offensiv geflirtet, gepfiffen, gehupt und das in einem Ausmaß, das ich mir in Deutschland nur schwer vorstellen konnte. Damit muss man erst vertraut werden, wie auch mit der unterschwelligen Arroganz und dem Stolz der Hauptstädter. Oft heißt es zum Beispiel Argentinien sei "Buenos Aires und der Rest"

Allerdings nimmt hier niemand etwas zu ernst. Solange man selbst beides mit Humor nimmt, gibt es keinen Grund, sich in der argentinischen Gesellschaft nicht wohlzufühlen.