#Ausland | Die größten Reisefails

30.05.2017
Studium, Internationales...
Laura

Nachdem Lauras Auto in Purmamarca liegen geblieben ist, ging es erstmal zu Fuß weiter.

Am Abhang der Deathroad in La Paz.

Die Matratze als Fenster im Bus nach Buenos Aires.

Die beklebten Fensterscheiben als Übergangslösung.

Beim Reisen läuft nicht immer alles glatt, das fand auch unsere Redakteurin Laura in Argentinien heraus. Am Ende des Tages kann sie über alles lachen – auch über die größten Reisefails.

Nicht alles was man auf einer viermonatigen Reise erlebt, ist gut. Mehr als einmal ist es mir passiert, dass ich ohne Geld stundenlang an Ländergrenzen stand, Unfälle hatte, im Krankenhaus landete oder Sachen verlor. Das nennt man wohl Lebenserfahrung. 

Die Autoprobleme 

Autos und Südamerika scheinen auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen, wenn man bedenkt, dass die Straßen meist schlecht ausgebaut sind. Die Autobahnen gleichen eher Schotterwegen. Davon ließen meine Freundin und ich uns zwar nicht abschrecken, aber wer verleiht Fahrzeuge und nimmt sie am ersten Weihnachtstag zurück? 

Als wir Mitte Dezember in Nordargentinien aus dem Flieger stiegen, war nicht nur der Volvo, den wir bereits zwei Wochen zuvor gemietet hatten, nicht da, sondern die Autovermietung existierte gar nicht. Die Notfalllösung: einen unseriösen Geschäftsmann in bar bezahlen und einen Vertrag ohne Versicherung unterschreiben. Das Resultat: schon am ersten Tag blieben wir liegen und stellten fest, dass Batterie und Motor zu klein für das Auto waren. Wir wurden über den Tisch gezogen!

Die Polizei lachte uns nur aus, alle anderen Vorbeifahrenden ließen uns in dem abgelegenen Ort Purmamarca in Nordargentinien im Stockdunkeln mitten in der Wüste stehen. Endlich fanden wir einen Taxifahrer, der das Auto überbrückte. Dabei überraschte uns ein Stromschlag, der die Elektronik beschädigte. Fenster und alle Türen außer der Fahrertür konnte man nicht mehr benutzen und das Radio war kaputt. Nach einigen Tagen gab die Handbremse den Geist auf und zum Schluss fuhren wir auch noch in einem Nationalpark gegen eine Steinwand – und das alles an Heiligabend. 

Deathroad in Bolivien

Die "Deathroad" in La Paz ist, wie der Name schon sagt, die tödlichste Straße der Welt. Jedes Jahr kommen auf der Straße, die auf 70 Kilometern 3700 Höhenmeter überwindet, durchschnittlich 200 Menschen ums Leben. Deshalb ist sie allerdings auch zur Touristenattraktion für Adrenalinjunkies geworden. Keine Frage, das mussten wir natürlich auch mitmachen. Als mich mein Freund fragte, ob ich Fahrrad fahren könne, lachte ich noch. Aber im nächsten Moment ging es schon auf dem Mountainbike durch den Dschungel von 4000 runter auf 1000 Meter Höhe. Natürlich immer am Abhang entlang. 

Mit Nebel, Minusgraden und Hagel erwischten wir definitiv den besten Tag. Nur 20 Minuten dauerte es, bis ich im wahrsten Sinne des Wortes Hals über Kopf über mein Bike flog und mich mit ihm zusammen überschlug. Mit einigen geprellten Rippen, Bewusstlosigkeit, zerrissener Schutzkleidung und dem Horrorgefühl, am nächsten Tag einen 17k Kilogramm schweren Rucksack schleppen zu müssen, stellte ich fest: Fahrrad fahren ist leichter gesagt als getan. Ein Krankenhausbesuch blieb aus, den holte ich aber mit einer Vergiftung nach, die ich mir einige Tage später wohl durch das schlechte Wasser einfing.

1500 km im Bus ohne Scheiben

Am Anfang des Auslandssemesters fuhren viele "Internationals" von allen Unis in Buenos Aires zusammen mit dem Bus nach Iguazú und auch dieses Mal ging alles schief, was schief gehen konnte. Die anderen fuhren in einem Bus, der zwei Unfälle hatte und dessen Busfahrer sich alle halbe Stunde übergeben musste. Aber nicht nur der andere, sondern auch mein Bus war geplagt von Pannen. Während unser Fahrer der Grenzstadt Iguazú zu Brasilien einparkte, rammte er vor unserem Hostel einen Baum und zwei riesige Fenster zersprangen.

Zwei Tage später saß ich mit 80 Menschen in einem Bus ohne Fenster auf den Weg nach Buenos Aires. Erst klebten die beiden Busfahrer die Fenster mit Tesafilm zu, was leider nur 300 Kilometer weit hielt. Die nächste Idee war eine Matratze zu benutzen. Ja, eine Matratze. "Die haben sie gerade an der Tankstelle gefunden", rief eine Austauschstudentin nach hinten während die Uhr bereits 3 Uhr nachts anzeigte. Die Matratze wurde in den Fensterrahmen gestopft mit Panzertape festgeklept. So ging es dann 22 Stunden und 1200 Kilometer durch strömenden Regen zurück in die Hauptstadt – noch immer ohne Scheiben.

Grenzfahrten sind lustig

So einige Ländergrenzen durfte ich in diesen Monaten überschreiten und nicht immer war es spaßig. Am besten ist mir der Übergang von Bolivien nach Brasilien in Erinnerung geblieben. Dort warteten viele Bolivianer mit uns, von denen die meisten nicht ins Land gelassen wurde. Über sieben Stunden bei 40 Grad Außentemperatur und ohne Geld und Essen standen wir in der prallen Sonne Schlange, um die Grenzkontrolle passieren zu können.

Aber mein persönliches Highlight war die Fahrt von Argentinien nach Chile kurz nach Silvester. Zu Beginn des Jahres waren nicht nur die Kontrollen strenger, sondern auch die Wartezeiten noch länger. Zehn Stunden warten, zwei Hundekontrollen, zwei Passkontrollen und zehntausend auszufüllende Zettel kostete es mich. Nach zwölf Stunden Verspätung und insgesamt 35 Stunden im Bus kam ich in Santiago de Chile an. 

Kurz darauf erfuhr ich, dass mein Zielort, Valparaíso, in Flammen stand und man dort nicht mehr hinkommt. Also stand ich nach über einem Tag im Bus ohne Essen, Geld, Wasser und ohne Hostel in Chiles Hauptstadt am Bahnhof und kein Taxi wollte mich mitnehmen. Na dann, frohes neues Jahr!  

Verluste in Rio de Janeiro

Nach einem Monat in Brasilien ging es für mich Anfang März montagsmorgens zurück nach Bolivien. Mein Samstagabend wurde versüßt als ich erfuhr, dass der Waschsalon erst montagmittags wieder öffnen würde. Nichtsahnend hatte ich allerdings am Tag zuvor meine Wäsche dorthin gebracht. So kurz ist die Geschichte, wie ich fünf Kilo Kleider verlor. Eine gute Sache hatte es aber doch: mein Rucksack war noch nie so leicht. Nicht so spaßig war es sonntags während des brasilianischen Karnevals in Rio de Janeiro Unterwäsche zu finden. 

Gecancelte Flüge 

Auf einem meiner Trips brachte mich morgens der Rezeptionist meines Hostels zum Lachen. Es gäbe leider keinen Flughafentransfer mehr, aber unser Flug wäre sowieso gecancelt. So konnten wir noch länger in Argentinien an der brasilianischen Grenze bleiben. Wir entschieden uns, einen Jungle-Trail zu einer Lagune zu machen. 

Was dabei herauskam waren ein Abstecher nach Paraguay, eine kaputte Digitalkamera, eine verlorene GoPro, ein böser Regensturm und die schönsten Bekanntschaften. So durchlebten wir den lustigsten Tag unserer Reise durch Zufall und meine GoPro bekam ich von einem netten Argentinier wieder zurück. Wie auch immer das möglich war, es macht keinen Sinn mehr es noch zu hinterfragen. 

Reisen läuft zwar meistens wie geplant, aber oft auch nicht. Und sind nicht genau das die Erlebnisse, die wir jedem gerne erzählen und über die wir ein Leben lang lachen? Also plant nicht immer alles durch – ihr verpasst die besten Tage.

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