#Ausland | Bienvenidos a las fallas!

07.05.2016
Studium, Internationales
Hannes

Die ninots könnten kaum unterschiedlicher sein.

Von römischen Gladiatoren und Caesaren...

... bis zu Drachen und Zebras war alles dabei.

Auch Putin und Merkel haben ihren Auftritt.

Zahlreiche Feuerwerke erhellten die valencianischen Nächte.

Die Falla Cuba-Literato Azorín bot eine der spektakulärsten Lichtershows.

Mitte März lädt Valencia zu einem der größten europäischen Volksfeste ein. Rund 1,2 Millionen Besucher bewundern jährlich die bunten Kostüme und Figuren, die zahlreichen Umzüge und spektakulären Feuerwerke. Als Erasmus-Student selbstverständlich eine Pflichtveranstaltung!

Dichter Nebel reduziert die Menschen auf den Straßen zu bloßen Schemen. Nein, kein Nebel. Rauch. Rauch, der den beißenden Geruch von Schwefel und Schwarzpulver in sich trägt. Rauch, der von fernen Explosionen und grellen Blitzen durchdrungen wird. Und von einem knisternden Feuer am Ende der Straße.

Ja, ich habe ein gewisses Faible für Literatur, ja, ich genieße große Worte, sowohl gelesen als auch selber geschrieben. Und nein, ich übertreibe hier nicht. Obiger Absatz ist eine exakte Beschreibung des letzten Abends von fallas. Was fallas ist? Ehrlich gesagt, keine Ahnung.

Wenn die Spanier im September die ankommenden Austauschstudenten nach ihrer Aufenthaltsdauer fragen, wird die darauf folgende Antwort stets unmittelbar mit fallas verknüpft: “Cool, so you´re going to see fallas.“ Oder das Gegenteil, man würde etwas Großartiges verpassen. Fallas ist ein regionales Volksfest in und um Valencia, das inzwischen vor allem zu einer Touristenattraktion geworden ist. Bis zu zwei Millionen Besucher aus Spanien und ganz Europa werden jährlich erwartet. 

Silvester im Frühjahr

Zwei Wochen vor dem eigentlichen Feiertag geht es mit täglichen Feuerwerken los. Mittags um zwei Uhr wird in der Stadtmitte ein mascletá abgebrannt, ein Feuerwerk, bei dem weniger auf Farbenpracht Wert gelegt wird – die bei Tageslicht ohnehin kaum sichtbar wäre – als auf puren Lärm. Einheimische behaupten zwar fasziniert, verschiedene Rhythmen oder gar Melodien darin zu erkennen, mein ungeübtes Ohr hat jedoch kaum mehr als jede Menge Krach wahrgenommen.

Dabei bleibt es aber nicht. Man stelle sich den deutschen Silvesterabend vor und verlängere diesen. Geschlagene drei Wochen gehen in den Straßen quasi im Minutentakt Böller hoch, von zehn am Morgen bis in die späte Nacht. Dazu kommen noch zahlreiche Umzüge in traditioneller Kleidung.  Unterm Strich kann man festhalten, dass es verdammt laute Festlichkeiten sind.

Zu dieser Zeit werden in der Stadt auch die ninots aufgestellt: Große und bunte Statuen zu allen möglichen Themen. Verweise in die griechische Mythologie sind ebenso zu finden wie Karikaturen von Politikern aus aller Welt. Sie laden ein, durch die Straßen zu schlendern und an verschiedenen Ecken die unterschiedlichsten Standbilder zu entdecken. Jede größere Straße besitzt ihre eigene Figur, wodurch eine unglaubliche Vielfalt entsteht. Und am letzten Abend werden, wie sollte es auch anders sein, alle in Brand gesetzt.

Ein riesiges Volksfest

Die letzten Nächte sind schlicht und ergreifend atemberaubend. Die besten Pyrotechniker der Umgebung – und in der gesamten Provinz Valencia genießen diese ein sehr hohes Ansehen – zeigen ihr ganzes Können und jagen in zwanzig minütigen Feuerwerken Unmengen an Schwarzpulver in die Luft. Hinzu kommen die zahlreichen Feuer in den Straßen, die Menschenmassen, überall hängen bunte Lichter und – zumindest in der Innenstadt – schwebt ein herrlich süßer Geruch nach Popcorn, Zuckerwatte und dergleichen über allem.

Übrigens, die Spanier machen einen Unterschied zwischen den bereits erwähnten mascletas, also den Feuerwerken, die ihr Augenmerk auf die Akustik legen und meist am Tag stattfinden, sowie den castillos, den nächtlichen und bunten Feuerwerken.

Höhepunkt der Festivitäten ist der letzte Abend. Die Pyrotechniker werden gemäß ihrer Fähigkeiten in aufsteigender Reihenfolge angeworben, das heißt der Beste darf an diesem Abend auftreten. Von diesem Feuerwerk habe ich aber nur sehr wenig gesehen. Denn zum Startschuss habe ich mich mit mehreren hunderttausend Menschen auf dem Plaza del Ayuntamiento gedrängt. Hier wurde die Größte der Figuren abgebrannt. 

Zugegebenermaßen, ich bin im Schätzen von Größen sehr schlecht. Allerdings glaube ich nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, diese sei ein deutlich über 20 Meter großes Abbild einer Frau gewesen, die nach und nach in Flammen aufging. Selbstverständlich begleitet von einem weiteren Feuerwerk.

Das ganze Ereignis ist schwer zu fassen. Über zwei Wochen ist ausnahmslos die gesamte Stadt auf den Beinen. Neben dem offiziellen Festprogramm der Stadt, das bereits diverse Umzüge, Feuerwerke, Lichtershows und vieles mehr enthält, hat jedes Stadtviertel noch seine eigenen Rituale und Bräuche. Es ist quasi, als würde man das Mainzer Johannisfest mit Karneval paaren, über die ganze Stadt ausbreiten, Silvester hinzufügen und um ein Vielfaches multiplizieren.

Wenn irgendjemand von euch Valencia gerne einmal besuchen möchte – was ich jedem empfehle, denn es ist eine wunderschöne Stadt – dann versucht nach Möglichkeit zumindest die letzten drei, vier Nächte von fallas mitzunehmen. Für das Meer ist der März zwar noch etwas zu kalt, dieses einzigartige Volksfest macht das aber wieder wett!

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