Kisselberg: Stadtrat lehnt Mainzelbahn-Halt ab

12.02.2017
Campus-News, Wohnen
ml

Stadtrat entscheidet sich gegen einen Antrag der Linken Fraktion für einen Halt der Mainzelbahn am Kisselberg. Die Heimvertretung streitet weiter für eine bessere Anbindung per Bus und Bahn.

Studierende im Wohnheim Kisselberg fühlen sich abgehängt. Nach dem Fahrplanwechsel der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) im Dezember hat sich durch den Wegfall der Linie 69 die Anbindung mit dem Bus verschlechtert. Außerdem fährt die Mainzelbahn trotz vorhandenem Haltepunkt in der Nähe der 800 Studierendenappartments ohne Zwischenstopp vom Friedrich-von-Pfeiffer-Weg weiter zur Hochschule. Das wollte die studentische Heimvertretung nicht auf sich sitzen lassen und wandte sich Ende des Jahres 2016 an MVG, Medien und Politik.

“Nicht optimal angebunden”

Der Pressesprecher der MVG, Michael Theurer, räumte ein, dass das Gebiet nicht optimal an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sei. Nach dem alten Fahrplan war das Wohnheim über die Haltestelle Kisselberg, die zu Fuß in weniger als zwei Minuten vom Wohnheim erreichbar ist, mit an Campus und Innenstadt angebunden. Weil die Busse nun stadteinwärts auf der gegenüberliegenden Seite der Saarstraße abfahren, müssen die Studierenden erst durch eine Unterführung an der Koblenzer Straße. Das bedeutet mehrere Minuten Umweg. Zu allem Verdruss fährt dort die neue Mainzelbahn einfach an den Fahrgästen vorbei.

Stadtrat lehnt Halt ab

Im Stadtrat brachte am vergangenen Mittwoch die Fraktion Die Linke einen Antrag zur Anbindung des Wohnheims Kisselberg an die Mainzelbahn ein. Dieser wurde mit Stimmen der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP abgelehnt. Laut Walter Koppius (FDP) sei es nicht Aufgabe des Stadtrats, über einzelne Haltestellen zu debattieren. Stadtratsmitglied Dr. Christine Pohl (SPD) erklärte, dass die Beratung über den Liniennetzplan Aufgabe des Aufsichtsrates der MVG sei. Weitere Anträge rund um die Mainzelbahn von CDU und der ÖDP wurden in den Park- und Verkehrsausschuss verwiesen.

MVG: Reguläre Haltestelle nie geplant

Von der MVG war schon vor der Stadtratssitzung Ablehnung gegenüber der Forderung nach einem Halt am Kisselberg geäußert worden. ”Eine reguläre Straßenbahn-Haltestelle war nie Bestandteil des Mainzelbahn-Projekts.“ erklärt MVG-Pressesprecher Theurer. Die dort gebaute Haltestelle sei laut langjähriger Planung nur als Bedarfshaltestelle für Fußballspiele in der Opel Arena  gedacht gewesen. Ein zusätzlicher Halt würde die ohnehin sehr eng bemessene Fahrzeit der Mainzelbahn weiter verlängern. Außerdem sei das Wohnheim über die Haltestelle “Isaac-Fulda-Allee” an die Innenstadt angebunden, sagt Jochen Erlhof, Geschäftsführer der MVG.

“Es ist zum Kotzen”

Auf die derzeitige Situation angesprochen ist die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnheims durchgehend verärgert:  Von “es nervt, über “total blöd” bis hin zu “es ist zum Kotzen”. Am meisten stören sich die befragten Studis an den längeren Laufzeiten sowie an der schlechten Anbindung der Haltestelle "Isaac-Fulda-Allee". Dort fährt erst ab mittags etwas und dann auch nur Busse.

Erst Brücke, dann Haltestelle?

Eine Absage für eine kurzfristige Lösung war auch von der Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) zu hören. Über einen Halt der Mainzelbahn kann laut Eder erst diskutiert werden, wenn eine geplante Fußgängerbrücke über die Saarstraße an dieser Stelle realisiert wurde. ”Die Entwurfsplanung ist jetzt abgeschlossen, der Zuschussantrag wird im Moment gestellt“, sagt Eder. Im Stadthaushalt für 2017/18 ist die Brücke schon enthalten. Aber mit einer Fertigstellung ist nicht vor 2019 zu rechnen. Danach geht auch die MVG von der Möglichkeit aus, dass eine Haltestelle am Kisselberg besser ausgelastet und damit sinnvoll sei.

Haltestelle für Erweiterung der Hochschule

Ärgerlich für die Betroffenen am Kisselberg ist besonders, dass der geplante Erweiterungsbau der Hochschule Mainz in unmittelbarer Nähe schon an die Mainzelbahn angebunden ist, obwohl dieser erst frühestens im Jahr 2022 fertiggestellt sein wird.

Streit geht weiter

Die Heimvertretung hat trotz des Stadtratsbeschlusses angekündigt, weiter für einen Halt der Mainzelbahn am Kisselberg zu streiten. Dafür wurde die Facebook-Seite “Kisselberg - mehr als eine Haltestelle” gegründet. Am Montag besucht die Ortsvorsteherin des Stadtteils Gonsenheim, Sabine Pflegel (CDU), das Wohnheim, um sich über die Situation zu informieren.